VfB Stuttgart

Chronik eines denkwürdigen Saisonfinales: Um 17.28 Uhr gab es beim VfB kein Halten mehr

Jubel nach dem Tor von Endo gegen Köln / Matarzzo, Müller
Späte Erlösung, Klassenerhalt und Platzsturm: Der VfB Stuttgart bleibt in der Fußball-Bundesliga. © Danny Galm

Das altehrwürdige Neckarstadion in Bad Cannstatt hat in seiner langen Historie schon so manchen emotionalen Ausbruch erlebt. Von der Meisterschaft 2007 bis zum Bundesliga-Aufstieg 2017. Was allerdings am Samstagnachmittag (14.05.) beim Last-Minute-Klassenerhalt des VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz-Arena los war, wird ohne jeden Zweifel in die Analen des Traditionsvereins von 1893 eingehen. Und auch in der Bundesliga-Geschichte seinen Platz finden. Ein spektakuläres Saisonfinale mit einer fast schon surrealen Dramaturgie - und einem unbeschreiblichen Happy End für den VfB und seine Fans. Die Chronik eines denkwürdigen Nachmittages:

13.30 Uhr: In Bad Cannstatt öffnen sich die Stadiontore. Das Wetter ist perfekt, der Rasen leuchtet saftig grün. Es ist alles angerichtet. Die Ausgangslage für den letzten Bundesliga-Spieltag ist klar: Um noch die direkte Rettung zu schaffen, braucht der VfB einen Heimsieg gegen Köln und Schützenhilfe vom BVB im Parallelspiel gegen Hertha BSC Berlin. Holt Berlin nur einen Zähler, können die Stuttgarter machen, was sie wollen. Dann geht es in die Relegation.

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14.15 Uhr: Das Team kommt raus zum obligatorischen Platzcheck. Die Blicke sind fokussiert, ernst, angespannt. In der Arena ist bereits ein Knistern zu spüren, die Cannstatter Kurve über eine Stunde vor dem Anpfiff bereits gut gefüllt. Sportdirektor Sven Mislintat hatte vorab angekündigt: „Wir bringen den Kessel zum brodeln.“ Er sollte sich irren. Der Kessel sollte überkochen. Aber dazu später mehr.

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14.25 Uhr: Die Startformationen werden veröffentlicht. Keine Überraschungen beim VfB, lediglich Orel Mangala rückt im Vergleich zum 2:2 gegen München für Omar Marmoush in die erste Elf. Auf der Gegenseite verändert FC-Coach Steffen Baumgart seine Mannschaft auf zwei Positionen. Der angeschlagene Jan Thielmann und Benno Schmitz werden von Kingsley Ehizibue und Dejan Ljubcic vertreten.

15.02 Uhr: Die Stuttgarter Mannschaft kommt zum Warm-Up auf den Platz. Und die Kulisse entfaltet zum ersten Mal ihre Wucht. Es wird laut, welcome to the jungle!

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15.30 Uhr: Pünktlich pfeift Schiedsrichter Robert Schröder aus Hannover an. Der Ball rollt.

15.41 Uhr: Tiago Tomas dringt dynamisch in den Kölner Strafraum ein und wird dort von Luca Kilian zu Fall gebracht. Schiri Schröder zeigt ohne zu zögern auf den Punkt. Elfmeter für den VfB!

15.42 Uhr: Die Verantwortung übernimmt Sasa Kalajdzic. Der Österreicher schießt wuchtig, aber nicht perfekt platziert halbhoch nach links, wohin auch FC-Keeper Marvin Schwäbe unterwegs ist und parieren kann. Schockstarre im weiten Rund.

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Die große Chance zur Führung vergeben: Sasa Kalajdzic scheitert an FC-Keeper Marwin Schwäbe. © Danny Galm

15.43 Uhr: Trainer Pellegrino Matarazzo treibt sein Team weiter an. Kopf hoch! Abhaken und weiter geht’s - und zwar wie! Die auf den parierten Elfer folgende Führich-Ecke wuchtet Kalajdzic in die Maschen. 1:0 für den VfB! Der Anfang ist gemacht. Doch in Dortmund steht es noch 0:0 - was der Hertha für den Klassenerhalt reichen würde. 

15.49 Uhr: Ein Murmeln und Raunen geht durchs Stadion. Auch wenn die Anzeigetafel in Stuttgart keinen Mucks macht: Via Ticker und Radio kommt die Kunde vom Berliner Führungstreffer ins Schwabenland. 1:0 für Berlin durch einen verwandelten Foulelfmeter von Ishak Belfodil. Hertha aktuell mit 36 Punkten uneinholbar vor dem VfB mit 33 Zählern. 

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16.20 Uhr: Halbzeit in Stuttgart, Pause auch im Signal-Iduna-Park. Während der VfB sein Herz auf dem Platz lässt, aber zahlreiche Hochkaräter ungenutzt lässt, führt die Hertha verdient beim harm- und ideenlosen BVB. 

16.50 Uhr: Florian Müller stand in dieser komplizierten Saison immer wieder in der Kritik. Doch am 33. Spieltag wuchs der Torhüter der Schwaben in München über sich hinaus und sicherte seiner Mannschaft so einen Punkt. Und jetzt im Saisonfinale? Greift der 24 Jahre alter Keeper folgenschwer daneben. Eine harmlose Flanke von Florian Kainz flutscht Müller durch die Handschuhe. Köln-Torjäger Anthony Modeste sagt Danke und drückt den Ball über die Linie. Was für ein individueller Patzer. 1:1 - und die Hoffnung auf die direkte Rettung der fast 60.000 Fans in der Arena schwindet dahin.

16.58 Uhr: Freistoß für den BVB. Raphael Guerreiro probiert's, scheitert aber an der Mauer. Weiter geht’s. Aber war da nicht eine Hand im Spiel? So ist es! Schiedsrichter Tobias Stieler checkt die Szene noch einmal am Monitor - und entscheidet auf Strafstoß für Dortmund.

16.59 Uhr: In Stuttgart wird es unruhig. „Elfmeter für den BVB“, brüllt ein Fan auf der Haupttribüne. Und auf einmal ist der Stuttgarter Anhang für wenige Augenblicke nicht mehr mit dem Fokus auf dem leidenschaftlichen Auftritt ihrer Mannschaft, sondern mit gekreuzten Fingern bei BVB-Stürmer Erling Haaland. Und der Norweger gibt sich keine Blöße, verwandelt sicher: 1:1. Aber immer noch zu wenig für den VfB. 

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17 Uhr: Mit kurzer Verzögerung wird der Treffer auch auf der Videoleinwand der Mercedes-Benz-Arena eingeblendet. Das Stadion bebt, die VfB-Ersatzbank springt noch einmal auf. „Als eingeblendet wurde, dass Dortmund den Ausgleich gemacht hat, dann geführt hat: Das Stadion ist explodiert, das war nochmal ein ganz anderes Level“, beschreibt Florian Müller die Szene später.

17.16 Uhr: Jetzt hat Dortmund das Spiel gedreht! Der eingewechselte Youssoufa Moukoko trifft in der 84. Minute zum 2:1. In Stuttgart lebt die Hoffnung auf die Rettung wieder auf. Ein Tor kann alles drehen und die Hertha in die Relegation schicken.

17.24 Uhr: Und dann passiert es. Der VfB hat in den letzten Minuten noch einmal alles nach vorne geworfen, als es in der 92. Minute noch einmal einen Eckball für die Hausherren gibt. Alle Mann eilen mit nach vorne, selbst Torhüter Müller ist im FC-Strafraum, als der eingewechselte Omar Marmoush den Ball in die Mitte bringt. Dort verlängert Hiroki Ito auf den langen Pfosten, wo Kapitän Wataru Endo per Kopf zum 2:1 trifft. Und das Stadion explodiert.

Endo trifft gegen Köln zur VfB-Rettung
Die Erlösung: VfB-Kapitän Wataru Endo trifft in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Köln. © Danny Galm

17.25 Uhr: Alle sind schon auf dem Rasen. Fans, die komplette Ersatzbank, Trainer Matarazzo wird im Freudentaumel vom Maskottchen Fritzle begraben. Doch noch ist nicht Schluss. Nachdem sich alle sortiert haben, pfeift Schiedsrichter Schörder noch einmal. Schließlich waren vier Minuten Nachspielzeit angezeigt. So viel Zeit muss sein.  

17.27 Uhr: In Dortmund ist Schluss, die Hertha verliert mit 1:2. Und muss jetzt zittern.

17.28 Uhr: Es ist vollbracht. Schröder pfeift ab - und jetzt hält es in Cannstatt niemanden mehr auf seinem Platz. Der VfB ist gerettet, Hertha muss - nachdem in den letzten Wochen mehrere Matchbälle vergeben wurden - in die Relegation gegen den Dritten der 2. Liga.

Platzsturm nach Last-Minute-Klassenerhalt des VfB Stuttgart
Platzsturm nach der Last-Minute-Rettung. © Danny Galm

17.40 Uhr: Mit tausenden euphorischen Fans feiert die Stuttgarter Mannschaft die direkte Rettung. Vor dem Gästeblock gibt es ein paar unschöne Szenen, als auch einige FC-Fans auf den Rasen stürmen. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot vor Ort.

17.49 Uhr: In einem Meer aus weiß-roten Trikots wird gefeiert. Die Mannschaft zieht sich für eine spontane Kabinen-Party in die Katakomben zurück, draußen auf dem Platz tobt weiter der weiß-rote Wahnsinn.

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18.44 Uhr: Die Mannschaft zeigt sich noch einmal den Fans, die sich mittlerweile wieder auf die Ränge zurückbegeben haben. Vor der Cannstatter Kurve wird noch einmal gemeinsam gejubelt. Anschließend ziehen Anhänger, Mannschaft und Funktionsteam weiter in die Stadt. Die größte VfB-Party seit vielen Jahren hat gerade erst begonnen. 

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