VfB Stuttgart

Der Ruhepol

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Hitzig, emotional und teilweise turbulent ging es auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart am Sonntag (9.10.) in der Schleyerhalle zu. © Danny Galm

Stuttgart.
Es war laut und hitzig. Auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart wurde emotional diskutiert und gestritten, es ging ja schließlich auch um die Zukunft des Traditonsvereins aus Bad Cannstatt. Doch einer bewahrte in der aufgeheizten Stimmung in der Schleyerhalle immer einen kühlen Kopf: VfB Sportvorstand Jan Schindelmeiser - Der Ruhepol, bei all der Aufregung.

„Am Ende geht es immer nur um das, was wir auf dem Platz abliefern“, lenkte der 52-jährige Sportvorstand der Schwaben den Blick auf das Wesentliche – Entscheidend is auf‘m Platz, das wusste schon zu seiner Zeit Alfred „Adi“ Preißler und diese Wahrheit ist auch Jan Schindelmeiser nicht verborgen geblieben. Der VfB-Sportvorstand sorgte ruhig, souverän und dennoch mit Charme und Humor, immer wieder dafür, dass die gereizte Stimmung bei der Mitgliederversammlung nicht kippte. Betont lässig mit den Händen in der Tasche, sprach er frei, selbstbewusst und optimistisch über seinen mittel- und langfristigen fristigen Planungen mit dem VfB. Der Grundtenor: „Ich habe keine Lust auf Mittelmaß und ich denke sie auch nicht.“

„Ich fühle mich hier pudelwohl“

Der im niedersächsischen Uslar geborenen A-Lizenz Inhaber war zuletzt von 2006 bis 2010 für die TSG 1899 Hoffenheim tätig. Den Dorfclub führte er als Geschäftsführer und Manager zusammen mit dem schwäbischen „Fußball-Professor“ Ralf Rangnick von der Regionalliga bis hoch in die Bundesliga. Seit drei Monaten ist er nun für das Cannstatter Fußballunternehmen tätig und verkündete am Sonntag (9.10) auf der Mitgliederversammlung voller Überzeugung: „Ich fühle mich hier pudelwohl.“

Nach dem „Missverständnis Luhukay“, das Aufsichtsratsvorsitzender Schäfer auf der Mitgliederversammlung auch nochmals deutlich als solches benannte („Im Nachhinein war es eine Fehlentscheidung, Jos Luhukay zum Cheftrainer zu machen“), zauberte Schindelmeiser den 35-jährigen Hannes Wolf aus dem Hut. Die Arbeit des Sportvorstandes scheint nach dem überzeugenden Auftritt beim 4:0-Heimsieg über die SpVgg Greuther Fürth erste Früchte zu tragen: „Wir haben eine Mannschaft mit einer guten Mischung, die eine gewisse Spielfreude versprüht.“

Die von Schindelmeiser verpflichteten Neuzugänge Carlos Mane und Benjamin Pavard ließen erstmals aufhorchen und auch die Handschrift des neuen Coaches war gegen Fürth zu erkennen. Auf der Mitgliederversammlung versicherte der Sportvorstand: „Wir sind längst noch nicht fertig. Die Neuverpflichtungen und Hannes Wolf sind ein deutliches Signal in diese Richtung.“ – Was folgte, war großer Beifall der VfB-Mitglieder.

Trainer Wolf verspricht „Heavy Metal“ gegen Dresden

Auch Cheftrainer Hannes Wolf wurde in der Schleyerhalle von den VfB-Mitgliedern frenetisch beklatscht und versprach „Heavy Metall“ für das kommende Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden (Samstag, den 15.10./13 Uhr). Und während sich Trainer Wolf auf die kurzfristigen Aufgaben mit der Mannschaft konzentrierte, richtete der Sportvorstand den Blick auf die mittel- und langfristigen Planungen und erläuterte der VfB-Familie: „Wir werden uns zukünftig wieder auf junge, talentierte und entwicklungsfähige Spieler fokussieren und werden diese im eigenen Club formen.“

Dabei hat Schindelmeiser auch die Probleme im Nachwuchsbereich des Vereins fest im Blick. Die zweite Mannschaft spielt nach ihrem Abstieg aus der 3. Liga aktuell in der Regionalliga Südwest und auch bei den A- und B-Junioren läuft derzeit einiges nicht nach Plan. „Unser Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) ist ein ganz wichtiger Baustein, es ist die Entwicklungsabteilung unseres Clubs.“ Hier habe der Verein laut Schindelmeiser „Substanz“ verloren.

Diese Entwicklung müsse „gestoppt und umgedreht“ werden und dafür „müssen nun von der Vereinsführung die Vorrausetzungen geschaffen werden“. Konkret forderte der Sportvorstand auf der Mitgliederversammlung mehr Unabhängigkeit des NLZ von den Geldflüssen der Profiabteilung – „Der VfB muss wieder ein Magnet für die besten Talente werden.“ Dafür benötigen der Sportvorstand und die Vereinsführung aber vor allen Dingen Zeit und so appellierte Schindelmeiser an die VfB'ler: „Wir wollen hochambitioniert und gleichzeitig bescheiden sein. Halten sie durch. Gemeinsam kriegen wir das hin.“