VfB Stuttgart

Der verhinderte Regisseur

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Der rumänische Mittelfeldspieler Alexandru Maxim. © Danny Galm
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Muskuläre Probleme im Oberschenkel zwangen Alexandru Maxim zuletzt zum Zuschauen. Am Mittwoch trainierte er individuell mit Athletik-Coach Gerhard Wörn. © Danny Galm

Stuttgart.
Es war ein stimmungsvoller Auftakt in die laufende Zweitliga-Saison, als der VfB Stuttgart am 8. August den FC St. Pauli vor 60 000 Zuschauern mit 2:1 besiegte. Vor den vollbesetzten Rängen der Mercedes-Benz-Arena avancierte dabei Alexandru Maxim zum Matchwinner. Zur Halbzeit ersetzte der Rumäne den ziemlich überforderten Philip Heise – und die bis dahin völlig verkorkste Partie gegen die Hanseaten (Halbzeitstand 0:1)  bekam für den VfB plötzlich einen positiveren Dreh.

Stuttgarts Spielmacher Alexandru Maxim kommt in dieser Saison einfach nicht in Tritt. Trainer Hannes Wolf hat zur Personalie Maxim eine klare Meinung.

„Maxim hat den Unterschied gemacht“

Maxim trumpfte frisch und unbeschwert auf, sorgte zunächst nach einem feinen Sololauf für den Ausgleich und war dann kurz vor Schluss noch maßgeblich am Stuttgarter Siegtreffer beteiligt. St. Pauli-Keeper Robin Himmelmann machte den Rumänen nach der Partie eindeutig als „Spielentscheider“ aus: "Eigentlich hat die individuelle Stärke eines Alexandru Maxim nichts in der zweiten Bundesliga verloren", so der Keeper der Kiezkicker. „Maxim hat den Unterschied gemacht“, pflichtete ihm Pauli-Coach Ewald Lienen bei, „Maxim war nicht zu bremsen.“

„Ich war schon sehr enttäuscht – und es war ziemlich schwierig für mich, diese Entscheidung zu akzeptieren“, zeigte sich Matchwinner  Maxim enttäuscht nach dem Auftaktsieg über die Hamburger. Zu Beginn der Partie hatten sich nämlich auch viele Experten und Fans die Augen gerieben. Während der gesamten ersten Halbzeit schmorte der in der Vergangenheit zu oft verhinderte Regisseur, den die meisten diesmal in der Startelf erwartet hatten, wieder auf der Reservebank. Offenbar hatten Ex-Trainer Jos Luhukay die Trainingsleistungen des Blondschopfes nicht gefallen.

„Wir wollen aber dahin kommen, dass er unser ganzes Spiel trägt“

Jos Luhukay ist mittlerweile Geschichte bei den Cannstattern. Seit September schwingt Hannes Wolf das Zepter auf dem Wasen. Doch auch unter Wolf kam Alexandru Maxim zuletzt nur von der Bank. „Er definiert sich noch zu sehr über Einzelaktionen. Wir wollen aber dahin kommen, dass er unser ganzes Spiel trägt“, hatte Hannes Wolf zu Beginn seiner Amtszeit wissen lassen.

Zweifellos verfügt Alexandru Maxim über feine Füße. Rechts wie links kann er Pässe in Räume spielen, die sonst kaum einer sieht. Mit einer Drehung oder einem gezwirbelten Freistoß kann er einer Begegnung auch eine Wendung geben. Das ist sogar seine Spezialität. Doch diese fußballerischen Fähigkeiten kommen beim VfB Stuttgart nach Meinung vieler Fans nicht ausreichend zum Tragen.

Der Regisseur mal wieder verhindert

Zu allem Überfluss plagen den 26-Jährigen aktuell muskuläre Probleme. Die Reise zum Auswärtsspiel ins winterliche Erzgebirge am vergangenen Sonntag trat Maxim erst gar nicht an. Unter der Woche trainierte er individuell mit dem Therapeuten Gerhard Wörn. Der Regisseur mal wieder verhindert.

Zur Thematik rund um die Personalie Maxim hat VfB-Coach Hannes Wolf derweil eine klare Meinung. Die Entscheidung ob mit oder ohne Maxim hängt von einem einzigen Faktor ab: „Wann hilft er dem VfB am meisten? Das ist das einzige, was wichtig ist.“ Die Diskussionen rund um die Person Maxim hängt Hannes Wolf zudem etwas zu hoch: „Bei aller Wertschätzung für Alex, mir ist dieses Thema zu groß. Diese persönliche Geschichte von Alex ist mir zu viel. Es geht nicht um Alex und auch nichr um mich, sondern nur um den Erfolg des Vereins.“ 

„Da hat er gezeigt, wie wichtig und wirkungsvoll er für uns sein kann“

Im Zwiespalt ihrer Gefühle haben die meisten VfB-Trainer sich stets dafür entschieden, Maxim zwar spielen zu lassen – aber am Liebsten nur 20 Minuten lang. Wie zum Beispiel im Derby beim Karlsruher SC. Da wurde er für Takuma Asano eingewechselt und erzielte das Tor zum 3:1-Endstand. „Da hat er gezeigt, wie wichtig und wirkungsvoll er für uns sein kann“, sagt anschließend Sportvorstand Jan Schindelmeiser.

Da man nun aber geneigt ist, diese Bedeutung Maxims für das Stuttgarter Spiel von der Schlussphase auf die gesamte Partie zu projizieren, stellt sich unweigerlich die Frage, warum es der Nationalspieler nicht über die Rolle des Edeljokers hinaus schafft.

Maxim gehört zu den besten Fußballern im Kader

Die Antwort darauf fällt schwer. Obwohl stets die gleichen Argumente genannt werden: Maxim vernachlässige die Defensivarbeit, Maxim sei nicht der Schnellste, Maxim fehle es an Fitness. Falsch ist davon wohl nichts, aber richtig ist auch, dass Maxim zu den besten Fußballern im Kader zählt, Maxim gerne eine Führungsrolle auf dem Feld einnehmen würde und Maxim sich mit dem Verein identifiziert.

Nach dem Abstieg hatte Maxim schnell erklärt, dass er seinen Vertrag erfüllen wolle. Nach dem Weggang Didavis hat er sich zudem schnell das Trikot mit der Nummer zehn gesichert. Ein Statussymbol für Maxim, aber ebenso eine Verpflichtung, dem Spiel seinen Stempel aufdrücken zu wollen. Doch seit dem Saisonstart grummelt es, da ihn schon Ex-Trainer Luhukay überraschend zur Teilzeitkraft degradierte – und Maxim die Fußballwelt nicht mehr verstand.

Die Frage, ob der VfB mit oder ohne Maxim besser spielt, wird wohl auch weiterhin eine Glaubensfrage bleiben: Will man einen solchen Spielertyp grundsätzlich auf dem Rasen haben – oder will man ihn nur für spezielle Momente?


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