VfB Stuttgart

Die Folgen für den VfB Stuttgart

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Wie wirkt sich die Neuverteilung der Milliarden aus der nationalen TV-Vermarktung auf den VfB Stuttgart aus? © Danny Galm
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VfB-Finanzvorstand Stefan Heim begreift die Entscheidung der DFL als weiteres Signal, welches aufzeigt, „wie wichtig die schnellstmögliche Rückkehr in die Bundesliga für den VfB Stuttgart ist.“ © Danny Galm

Frankfurt a.M./Stuttgart.
Aus zwei mach vier: Das Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) hat sich am Donnerstag in Frankfurt am Main auf einen neuen Verteilungsschlüssel für die Verteilung der Einnahmen aus der TV-Vermarktung geeinigt und dem bisherigen "Zwei-Säulen-Modell", zwei weitere hinzugefügt.

Die DFL zieht im internationalen Wettbewerb nach

Mit diesem neuen "Vier-Säulen-Modell" honoriert die DFL Vereine, die schon lange zur Fußball-Bundesliga gehören und häufig junge Spieler einsetzen. Diese Clubs erhalten künftig einen höheren Anteil an den milliardenschweren TV-Geldern.

Die DFL zieht damit im internationalen Wettbewerb nach. Bislang wurden Medienerlöse in Deutschland nach einem "Zwei-Säulen-Modell" verteilt: Ein einheitlicher Sockelbetrag für Bundesliga- und Zweitliga-Vereine sowie Tabellenplatz (5-Jahres-Wertung). Alle großen internationalen Ligen haben seit Jahren Verteilungs-Modelle, die mehrere Kennzahlen berücksichtigen.

Neue Kriterien: „Sportliche Nachhaltigkeit“ und „Nachwuchsförderung“

Die nationalen Fernseheinnahmen werden künftig auch in Deutschland nach vier statt bislang zwei unterschiedlichen Kriterien verteilt . Wie ein Verein in den vorangegangenen fünf Jahren sportlich abgeschnitten hat, bleibt nach wie vor der stärkste Faktor und macht in Zukunft 70 Prozent bei der Ausschüttung der Fernsehgelder aus. Weitere 23 Prozent der Gelder werden über eine weitere, gewichtete Fünfjahreswertung auf der Basis einer 36er Rangliste verteilt.

Hinzu kommen ab der Saison 2017/18 aber noch das Kriterium "Sportliche Nachhaltigkeit" (5 Prozent), bei dem die Bundesliga-Zugehörigkeit in einer 20-Jahres-Wertung belohnt wird, sowie eine Säule "Nachwuchsförderung" (2 Prozent), die den Einsatz von Spielern unter 23 Jahren berücksichtigt.

Was bedeutet das für den VfB Stuttgart?

„Die Verteilung der TV-Gelder ist eine komplexe und vielschichtige Angelegenheit“, lies VfB-Finanzvorstand Stefan Heim nach der Bekanntgabe der Neuregelung wissen. „Was der neue Verteilschlüssel konkret für den VfB bedeutet, werden wir in den kommenden Tagen detailliert eruieren.“

Der Verein hofft, dass sich die langjährige Bundesligazugehörigkeit des VfB, die häufige Präsenz in den internationalen Wettbewerben und die konsequente Nachwuchsförderung positiv für den Verein auswirken können. Gleichzeitig begreift Heim die Entscheidung der DFL aber auch als weiteres Signal, welches aufzeigt, „wie wichtig die schnellstmögliche Rückkehr in die Bundesliga für den VfB Stuttgart ist.“

Die Geldschere geht weiter auseinander

Die Säule "Wettbewerb", die immerhin für 23 Prozent der Erlöse zur Verteilung kommt, könnte sich dabei positiv für die Schwaben auswirken: Da diese Rangliste alle 36 Vereine der ersten und zweiten Liga erfasst, kann ein langjähriges Bundesligamitglied beim Abstieg in die 2. Liga im günstigsten Fall bis auf den 13. Platz der Bundesligawertung vorstoßen. Ein Abstieg in die 2. Liga wird über dieses Modell besser abgefedert als bisher.

Fakt ist aber auch: Die zweite Liga wird durch den neuen Verteilungsschlüssel nur unterproportional an den Rekorderlösen beteiligt. Über die Verteilung der kontinuierlich steigenden internationalen Vermarktungserlöse (aktuell 160 Millionen Euro) wird die Geldschere in erster Linie weiter auseinander gehen. Wie in dieser Saison gehen 25 Prozent der Erlöse zu gleichen Teilen an alle Bundesligavereine, die 18 Zweitligaklubs bekommen zusammen fünf statt bisher 1,8 Millionen Euro. Das bedeutet im Umkehrschluss für den VfB Stuttgart: Steigt der VfB nicht direkt wieder in die Bundesliga auf und kann sich einen Platz an den Fleischtöpfen der Bundesliga sichern, dann verliert der Traditionsverein aus Bad Cannstatt auf lange Sicht weiter an Boden zu den Hinterbänklern aus dem Fußball-Oberhaus.

Forderungen des „Team Marktwert“ zurückgewiesen

Mit der einstimmigen Entscheidung für ein neues „Vier-Säulen-Modell“ hat die DFL auch die Forderungen einiger Traditionsclubs, denen sich auch der VfB Stuttgart im Sommer angeschlossen hatte, zurückgewiesen.

Das sogenannte „Team Marktwert“, bestehend aus Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Köln, Werder Bremen, dem Hamburger SV, Hertha BSC Berlin und dem VfB Stuttgart, hatte sich im Sommer zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen. Gemeinsam forderten die sechs Clubs die Einführung einer weiteren Säule, die den „Marktwert“ eines Clubs mit einbezog.

Dieser „Marktwert“ hätte sich aus objektiven Kennzahlen wie Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media errechnen sollen. So sollte beispielsweise eine große, leidenschaftliche Fangemeinde als Wert im TV-Ranking Berücksichtigung finden – denn sie führt zu höheren Einschaltquoten und einer größeren Wahrnehmung der Gesamtmarke Bundesliga in der Öffentlichkeit. Im Kern ein Duell der Traditionsvereine vs. Werks- bzw. Mäzensclubs wie 1899 Hoffenheim oder RB Leipzig.

Den Begriff Tradition nicht strapazieren

„Wir brauchen die dritte Säule. Wer den Wert unseres gemeinsamen Produkts Bundesliga steigert, weil er viele Fans hat und für öffentliches Interesse sorgt, der sollte bei der Verteilung der Einnahmen auch entsprechend berücksichtigt werden“, hatte der ehemalige VfB-Präsident Bernd Wahler im März gefordert. Diese Forderung wurde nun zurückgewiesen. Auf die Etablierung von Kriterien wie Anzahl der Fans und Einschaltquoten verzichtet die DFL, da diese nach eingehender Prüfung zu große Schwierigkeiten im Hinblick auf Messbarkeit und Vergleichbarkeit mit sich gebracht hätten.

Man wolle aber nicht den Begriff Tradition strapazieren, lies DFL-Geschäftsführer Christian Seifert wissen, "sondern belohnen, wer tatsächlich in den vergangenen 20 Jahren mitgeholfen hat, die Bundesliga großzumachen."


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