VfB Stuttgart

Die Präsidentschaftskandidaten im Vergleich

1/8
Präsidentschaftskandidaten Christian Riethmüller und Claus Vogt_0
Die Präsidentschaftskandidaten Christian Riethmüller (li.) und Claus Vogt (re.). In der Mitte der Vereinsbeiratsvorsitzende Wolf-Dietrich Erhard. © ZVW/Danny Galm
2/8
_1
Auch die Karawane Cannstatt stand schon unter dem Motto: "Unverhandelbar: 50+1 bleibt!“
3/8
_2
Der VfB will bis zu 24,9 Prozent der Anteile an seiner Fußball AG an Investoren veräußern. Ankerinvestor Daimler hat für 11,75 Prozent davon 41,5 Millionen Euro bezahlt.
4/8
_3
Aktuell hat der VfB Stuttgart rund 72.000 Mitglieder.
5/8
Umstrittene AfD-Studie präsentiert
Parteibroschüren der Alternative für Deutschland (AfD). Foto: Markus Scholz/dpa © Markus Scholz
6/8
Wilfried Porth
Umstrittener VfB-Aufsichtsrat: Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. Foto: Marijan Murat/Archivbild © Marijan Murat
7/8
_6
Dunkle Wolken über dem Clubgelände in Bad Cannstatt.
8/8
_7
Auch in der 2. Liga stehen die Fans des VfB Stuttgart hinter ihrer Mannschaft.

Stuttgart.
Erstmals in der 125-jährigen Vereinsgeschichte können sich die Mitglieder des VfB Stuttgart bei der Wahl eines neuen Präsidenten zwischen zwei Kandidaten entscheiden. Christian Riethmüller (44) und Claus Vogt (50) wollen den Posten des zurückgetretenen Wolfgang Dietrich übernehmen. Besuche bei Fanclubs, Medientermine und Auftritte bei VfB-Veranstaltungen: Im Laufe des Wahlkampfes haben sich die beiden Bewerber zu vielen Themenfeldern geäußert. Wie stehen Riethmüller und Vogt zur 50+1-Regelung? Wie zur Suche nach einem zweiten Investor? Vor der außerordentlichen Mitgliederversammlung am Sonntag haben wir mit beiden Kandidaten ausführliche Interviews geführt. 

Ihre Positionen zu den wichtigsten Themen und Problemen rund um den Verein finden Sie hier in unserem Kandidaten-Schnellcheck:


Christian Riethmüller: „Ich bin ein Verfechter der 50+1-Regel, weil ich es als sehr nachteilig empfinde, wenn jemand die Mehrheit an unserem Club übernimmt und dann frei entscheiden kann. Die Mehrheit der Anteile muss aus meiner Sicht beim e.V. bleiben.“

Claus Vogt: „Ich setze mich schon seit Jahren bundesweit mit dem FC Playfair! für den Erhalt der Regelung ein. Ich bin ein klarer Verfechter von 50+1. Beim VfB haben wir 75+1 und da stehe ich voll dahinter. Die Regel ist momentan unsere rechtliche Grundlage. Sollte die eines Tages geändert werden, dann muss man die Mitglieder befragen.“


Christian Riethmüller: „Zunächst einmal dürfen wir da nichts übers Knie brechen. Der Investor muss einen Mehrwert bringen, zu unseren Werten passen und von den Mitgliedern akzeptiert werden. In den letzten Wochen habe ich mich schlaugemacht und zum möglicherweise im Raum stehenden Unternehmen (der internationale Sportrechtevermarkter Lagardère Sports; Anm. d. Red.) habe ich eine klare Meinung: Ich sehe das sehr kritisch. Wenn andere Vereine prozessieren oder die Zusammenarbeit beenden, dann sollte uns das zu denken geben.“

Claus Vogt: „Für mich – sollte es mit der Wahl klappen – als oberstem Vertreter der Mitglieder ist wichtigste Ankerinvestor der e.V. und somit die Mitglieder. Daimler ist ein strategischer Investor und jetzt geht es um die zweite Tranche. Ich würde mir wünschen, dass wir es schaffen, eine regionale Mittelstandsbeteiligung hinzubekommen. Es gibt hier in der Region so viele gute Firmen. Jetzt haben wir schon einen Investor aus der Automobil-Branche und diese Mittelstandsbeteiligung könnte man jetzt strategisch aufbauen.“


Christian Riethmüller: „Natürlich ist es wichtig, möglichst viele Mitglieder im Verein zu haben. Aus diesen Beiträgen wird der e.V. finanziert. Mir schwebt zudem vor, den Breitensport auszubauen und die Infrastruktur zu verbessern. Dafür braucht man Geld. Ich glaube wir haben mit unserem großen Einzugsgebiet ein viel größeres Potential als 72.000 Mitglieder. Ich möchte aber, dass wir Mitglieder kriegen, die von sich aus kommen, weil sie stolz auf den Verein sind. Und nicht, weil wir so viel Werbung für den VfB machen.“

Claus Vogt: „Ich wünsche mir natürlich, dass bei bei unserem VfB so viele Mitglieder wie nur möglich sind. Ich würde mir eine Million Mitglieder wünschen (lacht). Die Mitglieder sind das Fundament des Vereins – und je größer und breiter diese Basis ist, umso besser.“


Christian Riethmüller: „Ein Präsident darf aus meiner Sicht als Privatperson parteipolitisch sein, der Verein sollte es nicht sein. Der Verein muss sich aber gesellschaftspolitisch äußern - ein entscheidender Unterschied. Beispiel AfD: Die Privatperson Christian Riethmüller sagt ganz klar: Ich sehe die Partei extrem kritisch. Der Präsident und der Verein sollten sich so nicht zu einzelnen Parteien äußern. Aber der VfB muss gesellschaftspolitisch sagen: Wir sind zum Beispiel gegen Rassismus, gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung. Wir treten für die Demokratie ein. Damit nimmt man indirekt auch Stellung zu einzelnen Parteien.“

Claus Vogt: „Mit unseren rund 72 000 Mitgliedern haben wir einen Querschnitt der Gesellschaft in unserem Verein. Und da darf der Verein keinen politischen Schwerpunkt haben. Der Verein sollte möglichst unpolitisch sein. Wir wollen nicht aufgrund einer politischen Färbung des Vereins, ein Mitglied ausgrenzen. Ganz klar ist: Ich bin gegen Rechtsradikalismus, gegen Gewalt, gegen Missbrauch. Kurz: Gegen alles, was gegen das Gesetzt verstößt. Da hätten die Mitglieder mit mir einen Präsidenten, der auch ganz klar Flagge bekennt.“


Christian Riethmüller: „Zum einen müssen die offenen Stellen im Aufsichtsrats strategisch richtig besetzt werden. Zum zweiten ist eine Generalinventur, aus der klare Maßnahmen folgen, nötig. Und zum dritten hat ein Präsident anderen Einfluß im Aufsichtsrat, wenn er das Vertrauen und die Unterstützung der Mitglieder hat. Diese Vertrauen gilt es zu gewinnen, ebenso wie die Kooperationsbereitschaft aller Aufsichtsratsmitglieder.“

Claus Vogt: „Unabhängig von Namen und Personen würde ich mir wünschen, dass einzelne Bereiche – wie zum Beispiel Finanzen oder Marketing – im Aufsichtsratsgremium einen direkten Ansprechpartner haben. Da sollte es eine klare Zuordnung geben. Ich würde mir im Aufsichtsrat noch mehr Sportkompetenz wünschen. Auch strategisch muss man sich überlegen, wie das Gremium künftig aussehen soll. Brauchen wir vielleicht künftig auch einen Bereich Internationalisierung, vielleicht einen Bereich Digitalisierung, vielleicht auch einen Bereich zum Thema Nachhaltigkeit?“


Christian Riethmüller: „Aus meiner Sicht gibt es fünf Kernpunkte. Der erste und überragende Punkt ist die fehlende Kontinuität. Drei Präsidenten in zehn Jahren, unzählige Trainer und Sportdirektoren sowie jedes Jahr eine neue Mannschaft. Wie will man da ein Konzept mittelfristig fahren? Zweitens: Welchen Anteil an der aktuellen Situation haben eigentlich Aufsichtsrat und Vorstand? Der dritte Punkt ist die Jugend- und Nachwuchsförderung. Warum gelingt es uns nicht mehr, so viele Talente wie früher hochzubringen und an den Verein zu binden? Der vierte Punkt ist die Frage nach den Werten. In welcher Art und Weise hat sich der Verein in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit dargestellt? Der fünfte Punkt ist das Problem, dass zwischen Gremien und Mitgliedern auf der einen Seite und Mannschaft und Fans auf der anderen Seite eine große Distanz besteht. Diese fünf Felder muss man aus meiner Sicht mit einem langfristigen Konzept angehen.“

Claus Vogt: „Mir scheint, dass es einen großen Spalt zwischen Fans, Mitgliedern und dem Verein gab. Durch die Ausgliederung wurde diese Spaltung zwischen Verein und Kapitalgesellschaft vielleicht noch weiter vorangetrieben. Unter dem Strich überstrahlt der VfB aber alles. Das alles – also Fans, Verein, e.V. und Kapitalgesellschaft – wieder zusammenzuführen, ist jetzt der Hauptjob des neuen Präsidenten. Man muss wieder schauen, was die Basis, die Fans und die Mitglieder bewegt. Wenn man das nicht macht – und ich glaube, das war ein Problem in der Vergangenheit -, dann gibt es keine Kommunikation mehr zwischen Fans, Mitgliedern und dem Verein. Um das wieder zu kitten, muss man ehrlich, glaubwürdig und transparent sein. Damit die Fans merken, da kommt jemand, nimmt uns ernst und bemüht sich, diese Themen umzusetzen. Und das wiederum wird nicht von heute auf morgen gehen. Egal wer Präsident wird: Die Welt in Stuttgart wird sich nicht von heute auf morgen verändern. Das ist ein Prozess – und der kann am 16. Dezember anfangen.“


Christian Riethmüller: „Fakt ist, dass der Verein aktuell in der 2. Liga steht und es eigentlich seit der letzten Meisterschaft 2007 einen sportlichen Abwärtstrend gibt. Aus meiner Sicht sind grundlegende Veränderungen notwendig. Die werden aber nicht dazu führen, dass man kurz- oder mittelfristig wieder ganz oben anklopfen kann. Das wird ein langfristiger Prozess werden. Wir müssen langsam wieder ein Team aufbauen, mit dem wir uns identifizieren können, das Spaß macht und attraktiven Fußball spielen.“

Claus Vogt: „Das Ziel ist es, den VfB wieder zu einer großen Familie zu machen. Man soll wieder mit Freude zum VfB gehen und gerne dazugehören. Dorthin ist es natürlich ein weiter Weg.“