VfB Stuttgart

Ein Team, das niemals aufgibt: Warum der VfB aktuell schwer zu schlagen ist

Fußball VfB Stuttgart vs. 1. FC Union Berlin
Ein eingeschworener Haufen: Die Spieler des VfB Stuttgart feiern den Punktgewinn gegen Union Berlin vor der Cannstatter Kurve. © Pressefoto Baumann

Tor in der Nachspielzeit, eskalierende Fankurve, feiernde Spieler und Trainer: Der Last-Minute-Ausgleich von Wahid Faghir beim 1:1 des VfB Stuttgart gegen Union Berlin hat die Herzen aller VfB-Fans höherschlagen lassen und an die guten alten Zeiten vor der Corona-Pandemie erinnert. Dabei war der gewonnene Punkt nicht nur mit Blick auf die Tabelle wichtig. Er zeigt auch, dass mit den Schwaben trotz vieler Rückschläge zu rechnen ist – mit einem Team, das niemals aufgibt.

Wie schon gegen Frankfurt: Der VfB kommt in Unterzahl zurück

Nicht viel hätte gefehlt und die rund 32.000 VfB-Fans wären mit gesenkten Kopf nach Hause gegangen. Gegen abgezockte Berliner, die sich in dieser Saison bislang nur Borussia Dortmund geschlagen geben mussten, sah die Elf von Trainer Pellegrino Matarazzo lange kein Land.

Zu wenig Struktur, kaum offensive Impulse und ein harmloser Angriff prägten den Großteil der Stuttgarter Spielweise 93 Minuten. Dazu der unnötige wie dumme Platzverweis von Atakan Karazor, der in der 57. Minute innerhalb von 33 Sekunden zweimal die Gelbe Karte sah. Vieles sprach für einen Auswärtssieg der Unioner, die den reiferen Eindruck machten.

Doch wie schon in der vergangenen Saison bewiesen die VfB-Profis beeindruckende Comeback-Qualitäten. Das Spiel gegen die Eisernen war bereits die zweite Partie, in der die Schwaben in Unterzahl einen Rückstand aufholten und sich einen Punkt sicherten.

Am vierten Spieltag flog Waldemar Anton beim Stand von 0:1 vom Platz, kurz vor Schluss entführte Omar Marmoush mit seinem ersten Tor im VfB-Dress einen Punkt aus Frankfurt. Dasselbe Bild gegen Union: 0:1-Rückstand, Platzverweis Atakan Karazor, erstes Bundesliga-Tor von Wahid Faghir zum Ausgleich. Zufall? Nein.

Matarazzo und Mislintat leben eine neue Mentalität vor

Grund dafür ist das Mentalitätsmonster, dass seit der Matarazzo-Ära an der Mercedesstraße eingezogen ist. Die Stuttgarter Profis glauben bis zum Schluss an sich und geben nie auf. Selbst in Unterzahl, selbst mit sechs Corona-Fällen und vielen Verletzten – der junge VfB trotzt allen Widrigkeiten.

So blickt auch Trainer Pellegrino Matarazzo auf das Union-Spiel zurück: „Die zweite Halbzeit stimmt mich extrem positiv. Es war bereits das zweite Mal in dieser Saison, dass wir in Unterzahl den Ausgleich erzielt haben.“ Vor allem die Einstellung seines Teams hob der 43-Jährige heraus: „Das spricht einfach für diese tolle Moral und Mentalität dieser Truppe.“

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Dabei sind es gerade die Stuttgarter Verantwortlichen um den Stuttgarter Cheftrainer und Sportdirektor Sven Mislintat, die diese Einstellung vorleben. Wie die beiden bei Faghirs Ausgleichstreffer zur Eckfahne stürmten, sich freuten und sich in den Armen lagen, zeigt: Matarazzo und Mislintat leben den VfB – und geben das an ihre Spieler weiter. Heraus kommt eine Mannschaft, die kollektiv zum Jubelsturm ansetzt und jede gelungene Aktion feiert. Ein Teamgefüge, dass den Bundesligisten stärker werden lässt.

Doch nicht nur Trainer und Sportdirektor sorgen für gute Stimmung im Team, auch die Profis ziehen an einem Strang. Routinier Daniel Didavi etwa spielte eine bärenstarke Vorbereitung und ist in guter körperlicher Verfassung, kommt aber kaum zum Einsatz. Anstatt den Kopf hängen zu lassen und nur noch halblebig zu trainieren, stellt sich der Linksfuß voll in den Dienst der Mannschaft – und bereitet wie gegen Union den Ausgleichstreffer vor. Gegen Gladbach fiel mit Müller, Anton und Mangala die zentrale Achse im Stuttgarter Spiel aus, aufgefangen wurden die Ausfälle durch die starke zweite Reihe.

Welchen Anteil haben die VfB-Fans am späten Ausgleichstreffer?

Doch nicht nur der neue Geist in den Reihen der Schwaben, auch die Rückkehr der organisierten Fanszene könnte Einfluss auf den späten Punktgewinn gehabt haben. Während die VfB-Profis in eigener Überzahl bei der 1:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen zu zaghaft und ohne den nötigen Willen auf den Ausgleich drängten, half gegen Union die Cannstatter Kurve mit. Bengalos, Fangesänge, Trommeln und Fahnen - die Ultras tischten nach eineinhalb Jahren Abstinenz wieder voll auf.

Hatte das einen Einfluss auf die Spieler auf dem Platz? Mit Sicherheit. Hätte der VfB auch ohne den dauerhaften Support aus der Kurve in den Schlussminuten so wehement auf den Ausgleich gedrängt? Es handelt sich hierbei nur um eine Hypothese, aber ohne voll besetzte Ränge in der Cannstatter Kurve wären wohl die Berliner mit drei Punkten im Gepäck zurück in die Hauptstadt gereist. Das ändert aber nichts daran, dass mit diesem VfB in jeder Phase des Spiels zu rechnen ist - sowohl vor heimischem Publikum als auch im Frankfurter Stadion.