VfB Stuttgart

Eine Frage der Balance - mal wieder

Fußball Eintracht Frankfurt vs. VfB Stuttgart_0
Abwehrspieler Timo Baumgartl stand nach dem Abpfiff enttäuscht und einsam auf dem Rasen der Frankfurter Commerzbank-Arena. © Danny Galm

Frankfurt.
Der Auswärts-Fluch des VfB Stuttgart will einfach nicht enden: Auch im vierten Auswärtsspiel der Saison ging der Aufsteiger leer aus. Am Samstagmittag setzte es in Frankfurt eine ärgerliche 2:1-Niederlage. Obwohl die Frankfurter fast eine halbe Stunde in Unterzahl spielten, brachte ein Last-Minute-Treffer von Sebastian Haller den Sieg für die Adler.

Die Niederlage in der ZVW-Analyse:

Spielverlauf kompakt

In der stimmungsvollen Commerzbank-Arena dominierten die Hausherren die Anfangsphase (70 Prozent Ballbesitz), doch der VfB hatte die erste gute Gelegenheit. Donis scheiterte aus spitzem Winkel an SGE-Keeper Hradecky (9.). Der Aufsteiger überließ der SGE weitestgehend den Ball und in dieser Rolle fühlten sich die Frankfurter sichtlich unwohl. Quasi aus dem Nichts gingen die Adler dann kurz vor dem Halbzeitpfiff durch Ante Rebic in Führung (42.).

In der 2. Halbzeit übernahmen dann die Stuttgarter weitestgehend die Spielkontrolle, fanden aber gegen gut gestaffelte Frankfurter lange kein probates Mittel. Nachdem Chadrac Akolo den Ausgleich nur knapp verpasst hatte (57.), köpfte Simon Terodde nur 37 Sekunden nach seiner Einwechslung das 1:1 (61.).

Nur wenige Minuten später flog Frankfurts Falette nach einem Foul gegen Terodde mit Rot vom Platz (64.). Mit einem Mann mehr auf dem Platz  ging die Wolf-Elf voll ins Risiko und hatte Glück, dass Gacinovic (78.) und Haller (82.) die erneute Frankfurter Führung verpassten - Zieler rettete zweimal bärenstark. In der 93. Minute gelang Sebastian Haller per spektakulärem Seitfallzieher dann doch noch der vielumjubelte Siegtreffer.

Formation und Aufstellung

Eine große Überraschung gab’s schon vor dem Anpfiff der Partie bei Eintracht Frankfurt: Erstmals in dieser Saison setzte VfB-Coach Hannes Wolf seinen Stürmer Simon Terodde auf die Bank und brachte dafür Daniel Ginczek – die Startelf-Premiere für den 26-jährigen Angreifer.

„Wir haben gestern lange mit Simon gesprochen. Es war eine Entscheidung für Daniel und nicht gegen Simon. Die beiden sind ein Team“, erklärte Wolf vor dem Anpfiff. Zudem kehrte Chadrac Akolo nach seiner Oberschenkelzerrung zurück in die erste Elf. Josip Brekalo rutschte für den Kongolosen aus der Startelf.

In der Defensive (Dreierkette: Kaminski, Badstuber, Baumgartl; Außenverteidiger: Beck und Aogo) und auch auf der Doppelsechs (Pavard und Ascacibar) nahm Wolf im Vergleich zum Augsburg-Spiel (0:0) keine Änderungen vor. In der Mainmetropole führte erstmals Neuzugang Dennis Aogo die Mannschaft als Kapitän aufs Feld.

Spielidee und Taktik

Daniel Ginczek übernahm gegen die SGE eins zu eins die Position von Simon Terodde ganz vorne in der Sturmspitze. Chadrac Akolo bespielte die rechte Außenbahn und der zuletzt starke Anastasios Donis die linke.

Gegen die in der heimischen Commerzbank-Arena noch punktlosen Hessen forderte VfB-Coach mehr Wucht und Durchschlagskraft im Offensivspiel. Neuen Schwung erhoffte sich Wolf durch die Hereinnahme des bulligen Daniel Ginczek und des trickreichen Chadrac Akolo.

In der Defensive sollten die erarbeiten Abläufe und die Stabilität der letzten Partien beibehalten werden und so schickte Wolf seine Elf erneut in einem 3-4-2-1/5-2-2-1-System aufs Feld. Ziel war es an diesem Wochenende eine bessere Balance zwischen der harmlosen Offensive (erst drei Treffer) und der stabilen Defensive (erst drei Gegentreffer) zu finden.

Spielentscheider

Die VfB-Offensive fand lange Zeit keine Lösungen gegen gut gestaffelte Frankfurter. Trainer Hannes Wolf ging nach einer Stunde All-In und wurde zunächst für seinen Mut belohnt. Doch dem Aufsteiger fehlte nach Teroddes Ausgleichstreffer (mal wieder) die nötige Balance zwischen Defensive und Offensive und so kam Eintracht Frankfurt auch in Unterzahl zu Torchancen und in der Nachspielzeit sogar noch zum Sieg.

Eine extrem bittere Niederlage für den Aufsteiger, der mal wieder ebenbürtig war und seine Chancen hatte, diese aber nicht nutzte und in den entscheidenden Momente nicht auf der Höhe war.

Auf den Punkt gebracht

Startelf-Debütant Daniel Ginczek nahm den Frankfurter Siegtreffer in der 93. Minute direkt nach dem Abpfiff auf seine Kappe: „Wenn ich den Ball weg köpfe, nehmen wir hier einen Punkt mit“, sagte der enttäuschte Stürmer. "Dass wir uns hinten raus so verlieren, macht schon nachdenklich", ärgerte sich VfB-Trainer Hannes Wolf. "Diese Niederlage tut weh."

Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner freute sich hingegen über den ersten Dreier in der heimischen Arena: „In Unterzahl haben wir ein besseres Spiel gemacht, wie mit elf Mann auf dem Platz. Der Heimfluch ist jetzt endlich besiegt“

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Ausblick

Die Liga pausiert am nächsten Wochenende aufgrund der zweiten Länderspielpause der Saison. Der VfB Stuttgart nutzt die Unterbrechung für ein Testspiel beim Drittligisten VfR Aalen (Freitag, 06.10./18.30 Uhr). Eine Woche später muss der Aufsteiger dann erstmals in dieser Saison an einem Freitagabend antreten. Gegner ist der 1. FC Köln, Anpfiff in der Mercedes-Benz Arena um 20.30 Uhr.

Eintracht Frankfurt muss am 8. Spieltag auswärts beim starken Aufsteiger Hannover 96 antreten. Anpfiff in der HDI-Arena ist am Samstag, den 14.10., um 15.30 Uhr.


Eintracht Frankfurt – VfB Stuttgart 2:1 (1:0)

Frankfurt: Hradecky - Chandler, Abraham, Falette, Tawatha – Stendera (62. Medojevic), de Guzman (54. Russ) - Gacinovic, Boateng, Rebic (70. Willems) – Haller

Bank: Zimmermann (Tor), Wolf, Hrgota, Jovic

Trainer: Niko Kovac

Stuttgart: Zieler - Baumgartl, Badstuber, Kaminski – Beck (60. Brekalo), Aogo – Ascacibar (60. Terodde), Pavard – Akolo (81. Ofori), Donis – Ginczek

Bank: Meyer (Tor), Asano, Burnic, Mangala

Trainer: Hannes Wolf

Tore: 1:0 Rebic (42.), 1:1 Terodde (61.), 2:1 Haller (93.)

Besondere Vorkommnisse: Rote Karte für Falette (64.)

Schiedsrichter: Felix Brych (München)

Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)