VfB Stuttgart

Getrübte Stimmung vor dem Bundesliga-Start

VfB im Trainingslager im Stubaital Tag 3_0
Die personellen Probleme in der Defensive trüben die Stimmung vor dem Bundesliga-Start. © Danny Galm

Stuttgart.
Es war ein gequältes Lächeln, das sich Hannes Wolf am Donnerstag abringen musste. Nachdem er auf der Pressekonferenz ausführlich die Knieverletzung von Pechvogel Daniel Ginczek geschildert hatte („Eine Belastungsreaktion, er wird uns die nächsten zwei Wochen fehlen“), fügte er gequält lächelnd an: „Dann kann ich ja direkt weiter machen“.

„In der Defensive ist es ein bisschen eskaliert“

Definitiv nicht mit nach Berlin fahren neben Daniel Ginczek und Emilano Insua (Risswunde) auch Anto Grgic (Schlag auf den Fuß) und Timo Baumgartl (leichte Gehirnerschütterung).

Kleinere Blessuren aus dem Pokalspiel in Cottbus brachten Marcin Kaminski, Dzenis Burnic und Anastasios Donis mit. „In der Defensive ist es ein bisschen eskaliert“, erklärte Wolf. Die personellen Probleme in der Problemzone trüben die Stimmung vor dem Bundesliga-Start.

Auch die beiden Neuzugänge Dennis Aogo und Holger Badstuber sind noch keine Kandidaten für einen Startelf-Einsatz. „Beide sind gesund, aber ich kann es nicht verantworten, sie von Anfang an spielen zu lassen“, so Wolf. Im Kader für das Berlin-Spiel stehen die beiden ehemaligen Nationalspieler dennoch.

Keeper Langerak schiebt Extraschichten 

Schlechte Stimmung herrscht derzeit auch bei Torhüter Mitch Langerak. Vor dem DFB-Pokal-Spiel in Cottbus eröffnete Hannes Wolf seinem Aufstiegskeeper in einem Vier-Augen-Gespräch, dass er sich zukünftig mit dem Platz auf der Ersatzbank anfreunden muss. Neuzugang Ron-Robert Zieler hat sich den Platz zwischen den Pfosten erkämpft.

„Natürlich merkt man ihm das an. Das ist total nachvollziehbar“, sagt sein Trainer. Dennoch trainiert und verhält sich der Australier  gut. Von einem Wechselwunsch seines Keepers ist dem Trainer nichts bekannt. Häufig schiebt der geschasste Keeper nach dem Training noch Extraschichten und arbeitet hart an sich. „Aus Trainer-Sicht würde ich ihn natürlich nicht gehen lassen“, meint Hannes Wolf.

„Wir kommen persönlich gut klar"

Auf der Bank sollte sich im Pokal eigentlich auch Kapitän Christian Gentner wiederfinden. Der kurzfristige Ausfall von Timo Baumgartl lies Gentner dann aber doch noch in die Startelf rücken. „Ich muss als Trainer eine sportliche Entscheidung treffen können“, erklärt Hannes Wolf. „Wir kommen persönlich gut klar. Wichtig ist, dass wir offen, ehrlich und respektvoll miteinander reden.“

In Cottbus stand der Kapitän dann 99 Minuten auf dem Platz. Auch in Berlin wird der 32-Jährige aller Voraussicht nach wieder starten. „Die Wahrscheinlichkeit ist hoch“, so Wolf. Der Leitwolf gibt sich derweil kämpferisch: „Ich möchte schon betonen, dass ich keine schlechte Vorbereitung hatte und auch nicht in einem Leistungsloch stecke. Ich bin körperlich in einem herausragenden Zustand“, sagte Gentner am Freitag in einem Interview mit der Stuttgarter Zeitung

Sicherheit und Flexibilität

Unumstrittene Stammkräfte gibt es unter der Ägide von Hannes Wolf nicht. „Seinen Platz muss man sich immer wieder hart erkämpfen“, so Wolfs Credo. Dennoch will der 36-jährige Fußballlehrer seiner Mannschaft durch die Aufstellung möglichst viel Sicherheit und Stabilität geben, dabei aber nicht auf die Flexibilität verzichten.

„Stelle ich nicht nach Training und Leistung aufstelle, verliere ich jegliche Argumente für den Leistungsgedanken in der Gruppe“, argumentiert Wolf. Es wird wohl auch in der Bundesliga auf eine zentrale Achse hinauslaufen, die dem Spiel des Aufsteigers eine gute Statik geben soll.

So wirklich freuen auf seine Bundesliga-Premiere kann sich Hannes Wolf derweil nicht: „Dafür habe ich überhaupt keine Zeit. Im Moment liegen alle Gedanken darin, am Samstag in Berlin erfolgreich zu sein.“ Seine Mannschaft will er in Berlin ans Limit bringen und so trotz der vielen Sorgenfalten vor dem Spiel, nach dem Abpfiff mit einem Lächeln aus dem Olympiastadion marschieren. Dann aber mit einem echten Lächeln, keinem gequälten.