VfB Stuttgart

Korkut führt den VfB Stuttgart Richtung Europa

FC Bayern München - VfB Stuttgart 4:1 (2:1), 12. Mai 2018_5
Der VfB Stuttgart hat die Meisterparty des FC Bayern München gecrasht. © ZVW/Danny Galm

München. In der Kabine stimmten die Stuttgarter Profis schon mal lautstark Europapokalrufe an. Nach dem berauschenden 4:1 beim FC Bayern, dass der Ex-Münchner Holger Badstauber "fast schon surreal" nannte, könnte der Aufsteiger nach einer "Wahnsinns-Rückrunde", wie der zweifache Torschütze Daniel Ginczek schwärmte, tatsächlich noch als Tabellensiebter der Bundesliga in die Europa League einziehen. 

Voraussetzung: Die Bayern gewinnen das Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt, dann ginge es in die Europa-League-Qualifikation. "Ich werde das Pokalfinale mit einem Glas Rotwein im Fernsehen anschauen", sagte Trainer Tayfun Korkut gelassen.

Der 44-Jährige übernahm den VfB Ende Januar auf Rang 14. Korkut verlor von 14 Partien lediglich eine und holte bärenstarke 31 Punkte und belegt somit mit seiner Mannschaft in der Rückrundentabelle den zweiten Tabellenplatz. 

Mit "lehrbuchmäßigen Kontern" (Kapitän Christian Gentner) und einer brutalen Effektivität überrumpelten die Schwaben auch ohne Torjäger Mario Gomez, der Vater geworden war, den Meister.

Donis will jetzt "wahrscheinlich bleiben" 

Neben Ginczek trumpften offensiv die weiteren Torschützen Anastasios Donis und Chadrac Akolo auf. Vor allem der pfeilschnelle Grieche Donis drehte auf und will jetzt "wahrscheinlich bleiben".

Hinten war der bärenstark haltende Ron-Robert Zieler nur einmal zu überwinden, von Corentin Tolisso. "Es hat einfach alles geklappt", staunte Zieler.

Einen solchen Abschied aus der Fußball-Bundesliga hatte Jupp Heynckes nicht verdient und ärgerte die Trainer-Legende.

Aber nur kurz: Wenige Stunden nach der kalten Stuttgarter Meister-Dusche für den FC Bayern stand der mit "Jupp, Jupp, Jupp"-Rufen gefeierte Chef umrahmt von seiner Mannschaft schon wieder lachend auf der Partybühne im Paulaner am Nockherberg, der für sein Starkbierfest bekannt ist. Mit einem lockeren Spruch dokumentierte der 73 Jahre alte Heynckes seine Altersmilde und sorgte für Spaß in der Fangemeinde.

Vier krachende Pokal-Warnschüsse für den FCB

"Bitte verzeihen Sie uns das Spiel", rief Heynckes nach den vier krachenden Pokal-Warnschüssen beim 1:4 (1:2) gegen einen famosen VfB Stuttgart in der Nacht zum Sonntag den Ehrengästen auf der vereinsinternen Feier der 28. deutschen Meisterschaft zu: "Ich hatte für morgen einen freien Tag angesetzt - und die Spieler haben sich wohl im Datum geirrt. Sie haben den schon heute wahrgenommen!"

In der Tat: Ausgerechnet in Jupps 1038. Ligaspiel als Spieler und Trainer (Rekord) und dem allerletzten Mal in der Allianz Arena hatten sich seine sonst so zuverlässigen Profis ausnahmsweise hängen lassen.

Die Meistersause kam im Anschluss nur langsam in Fahrt. Auf eine Bierdusche hatte Heynckes nach einer kurzen Jubel-Arie mit der Meisterschale keine Lust mehr: "Die Aktion ist überholt. In meinem Alter ist es nicht nötig, dass man mit Bier beschüttet wird."

Effektive Stuttgarter: Sieben Torschüsse, vier Tore

Vielleicht kam der Weckruf gerade recht, um noch einmal die nötige Endspielspannung aufzubauen. Die extrem effektiven und konterstarken Stuttgarter, denen auch ohne Torjäger Manio Gomez sieben Torschüsse für vier Treffer von Daniel Ginczek (2), Anastasios Donis und Chadrac Akolo genügten, erzwingen eine Reaktion im letzten Saisonspiel. 

"Natürlich werden wir in Berlin ein anderes Gesicht zeigen", versprach Mats Hummels, der sich eine schmerzhafte Blessur am Fuß zuzog, aber gegen Frankfurt wieder auflaufen will. Man habe sich "mehrfach selbst ins Bein geschossen" mit vielen Nachlässigkeiten hinten und nur einer verwerteten Torchance durch Corentin Tolisso.

"Ich glaube, wenn wir das Pokalfinale gewinnen, wird der Trainer heilfroh sein. Jupp ist ein ganz großer. Einer, bei dem das Wort Legende auch angebracht ist", erklärte Weltmeister Hummels.

Bayern mit 21 Punkten Vorsprung Meister

Nach 38 ungeschlagenen Partien war es die erste Heimniederlage seit einem 1:2 gegen Mainz am 2. März 2016. An der Gesamtbewertung der sechsten Meistersaison am Stück änderte es nichts.

"Wenn man mit 21 Punkten Vorsprung deutscher Meister wird, ist das à la bonheur", sagte Rummenigge. Natürlich würde ein Herzschlagfinale im Titelkampf auch beim Dauermeister mal wieder mehr Jubel-Emotionen entfachen.

"Natürlich würde man sich das wünschen, wenn man vorher wüsste, dass es gut für einen ausgeht", sagte Müller zum Deutschland-weiten Wunsch nach mehr Titeldrama.