VfB Stuttgart

Korkuts Minimalisten sind wieder erfolgreich

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Andreas Beck und Mario Gomez bejubeln das dritte Stuttgarter Tor. © Danny Galm

Köln.
Der VfB Stuttgart steht nach dem wichtigen Auswärtssieg in Köln (3:2) mit 33 Punkten auf dem neunten Tabellenplatz und hat inzwischen acht Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

In der Domstadt waren Korkuts Minimalisten zum vierten Mal in Folge erfolgreich und konnten sich auf ihre Lebensversicherung Mario Gomez und den formstarken Erik Thommy verlassen. Für den FC hingegen wird es im Tabellenkeller immer dunkler. Mit 17 Zählern aus 25 Spieltagen konnte sich in der Bundesliga-Geschichte noch keine Mannschaft retten.

Wie der VfB Stuttgart zu seinem Sieg gegen den 1. FC Köln kam, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

Wenig überraschend schickte VfB-Trainer Tayfun Korkut seine Mannschaft zum dritten Mal in Folge ohne personellen Veränderungen im 4-4-2-System auf den Rasen. "Ich bin kein Fan großer Veränderungen von Woche zu Woche", sagte der Korkut vor dem Spiel. Wichtig sei ihm, dass sich seine Mannschaft einspiele.

Spielidee und Taktik

"Wir wollen uns nicht am Gegner orientieren, sondern mit unserer Grundordnung dagegen ankommen“, lautete die Marschrichtung des Stuttgarter Trainers für das Gastspiel im Rhein-Energie-Stadion.

Auf dem Platz sortierte sich der Aufsteiger also mit Daniel Ginczek und Mario Gomez im Sturm, Holger Badstuber neben Santiago Ascacibar auf der Doppelsechs und Kapitän Christian Gentner auf dem rechten Flügel. 

Spielverlauf kompakt

7. Minute: Claudio Pizarro nutzt die erste Chance des Spiels und schießt die Hausherren in Führung. Insua verliert den Ball in der Vorwärtsbewegung an Höger, Osako steckt durch auf den 39-jährigen Torjäger, der mit links eiskalt vollstreckt.

14. Minute: Erster Torschuss des VfB: Gomez’ Versuch wir allerdings von Sörensen geblockt.

26. Minute: Thommy nimmt eine Gentner-Flanke Volley mit der Innenseite und erzielt um ein Haar den Ausgleich. Kölns Keeper Timo Horn wäre chancenlos gewesen.

30. Minute: Badstuber verliert den Ball am Mittelkreis. Koziello geht ab und steckt durch auf Terodde, der die Kugel nur knapp am linken Torpfosten vorbeischiebt.

37. Minute: Osako jagt den Ball zum 2:0 in die Maschen, doch Schiedsrichter Sören Storks pfeift den Treffer zurück, da der Japaner zuvor Zieler gefoult hatte.

41. Minute: Zieler und Baumgartl retten mit vollem Körpereinsatz im Doppelpack gegen Pizarro.

45. Minute: Der Ausgleich! Thommy behauptet den Ball auf der rechten Seite und bringt ihn flach in die Mitte, wo die Kölner Mario Gomez sträflich alleine lassen und der Stürmer seine zweite Chance mit einem humorlosen Abschluss nutzt.

47. Minute: Der VfB dreht die Partie wenige Sekunden vor dem Pausenpfiff! Im Fallen schießt Gomez vom Sechzehnereck zentral aufs Tor und Kölns Keeper Horn rutscht der Ball in die Kiste. Ein dicker Bock des 24-Jährigen.

57. Minute: Andreas Beck trifft zum 3:1! Hector gewährt dem Rechtsverteidiger zu viel Platz und Beck schießt aus 16 Metern in die rechte untere Ecke. Sein erster Treffer für den VfB Stuttgart seit dem Oktober 2007 und vielleicht schon die Vorentscheidung.

59. Minute: Auf der Gegenseite rettet Zieler mit einer starken Parade gegen Koziello.

80. Minute: Wieder vertändelt Badstuber einen Ball, doch Bittencourt kann den Fehler des Routiniers nicht ausnutzen.

86. Minute: Geht hier noch was für den FC? Der eingewechselte Milos Jojic zirkelt einen Freistoß sehenswert ins Stuttgarter Tor.

90. Minute: Nochmal ein Freistoß für den FC in aussichtsreicher Position, doch dieses Mal bleibt Jojic in der Mauer hängen. Dann ist Schluss in Köln.

Spielentscheider

Intensität und Körpersprache stimmten bei den Schwaben in der Anfangsphase überhaupt nicht. Köln spielte aggressiv und ging verdient in Führung. VfB-Trainer Korkut reagiert und stellte auf eine Fünferkette um, was dem Stuttgarter Spiel mehr Stabilität verlieh. Als sich die Hausherren gedanklich schon in der Halbzeitpause wähnten, drehte Mario Gomez innerhalb von zwei Minuten die Partie. 

Von diesem Schock erholten sich die Kölner nur schwer. Becks Premieren-Treffer sorgte dann für die Vorentscheidung in einem unterhaltsamen und abwechslungsreichen Spiel. Das Kölner Anschlusstor kurz vor Abpfiff war lediglich Ergebniskosmetik. Somit bleiben Korkuts Minimalisten ihrem Ruf treu: Der VfB schoss im Rhein-Energie-Stadion lediglich viermal aufs Kölner Tor – und war dreimal erfolgreich. 

Die Schwaben holten unter der Regie von Tayfun Korkut 13 Punkte aus den letzten fünf Bundesliga-Spielen und damit genau so viele wie in den letzten 14 Bundesligaspielen unter Ex-Trainer Hannes Wolf.

Auf den Punkt gebracht

VfB-Keeper Ron-Robert Zieler sprach nach dem Abfiff am Sky-Mikrofon von einem „sehr umkämpften Spiel“ und nahm seinen Torwart-Kollegen nach dessen dicken Patzer in Schutz: „Solche Fehler gehören zum Torwart-Leben dazu. Das kann passieren. Man muss es nicht größer machen, wie es ist.“ Das Team habe durch den Sieg einen „großen Schritt in die richtige Richtung gemacht“ und sich mit viel Leidenschaft den Auswärtssieg erkämpft. 

Kölns Keeper Timo Horn rang sichtlich um Fassung und ärgerte sich über seinen Blackout: „Das sind Bälle, die man sonst im Schlaf hält. Es tut mir extrem Leid für die Mannschaft, die Fans und das Umfeld. Das Spiel hätten wir niemals verlieren dürfen.“

VfB-Trainer Tayfun Korkut sprach seiner Mannschaft „ein Riesenkompliment" aus, klammerte aber die ersten 30 Minuten aus: "In dieser Phase haben wir uns das Leben selbst schwer gemacht." Sein Kölner Kollege Stefan Ruthenbeck haderte mit den beiden Gomez-Toren in der Nachspielzeit der ersten Hälfte: "Die beiden Gegentore kurz vor der Pause haben das Spiel auf den Kopf gestellt. Die Niederlage tut weh, weil die Mannschaft alles rausgehauen hat.“ 

Rechtsverteidiger Andreas Beck freute sich über seinen Premieren-Treffer, richtete den Blick aber direkt auf die kommenden Aufgaben: "Das war heute ein wichtiger Sieg, aber wir müssen weiter fokussiert bleiben, um die fehlenden Punkte, die wir zum Klassenerhalt benötigen, noch zu holen.“

Ausblick

Für den FC Köln wartet am nächsten Wochenende direkt das nächste wichtige Spiel im Kampf um den Ligaverbleib. Am Montagabend (20.30 Uhr) gastieren die Kölner im Weserstadion beim Tabellenvierzehnten SV Werder Bremen. Der VfB Stuttgart darf am 26. Spieltag zu Hause ran. Am Sonntag (15.30 Uhr/ZVW-Liveticker) empfängt der Aufsteiger RB Leipzig in der Mercedes-Benz Arena.


1. FC Köln – VfB Stuttgart 2:3 (1:2)

Köln: Horn - Sörensen (69. Cordoba), Meré, Heintz - Risse, Koziello (83. Jojic), Höger, Hector - Osako - Pizarro (60. Bittencourt), Terodde

Ersatzbank: Kessler (Tor), Maroh, Lehmann, S. Özcan

Trainer: Stefan Ruthenbeck

Stuttgart: Zieler - Beck, Baumgartl, Pavard, Insua - Badstuber - Ascacibar (66. Aogo) - Gentner, Thommy (77. Akolo) - Ginczek (92. Kaminski), Gomez 

Ersatzbank: Grahl (Tor), Mangala, B. Özcan, Donis

Trainer: Tayfun Korkut

Tore: 1:0 Pizarro (7.), 1:1 Gomez (45.), 1:2 Gomez (45.+2), 1:3 Beck (57.), 2:3 Jojic (86.)

Schiedsrichter: Sören Storks (Velen)

Zuschauer: 49.500