Bundesliga

Labbadia-Rückkehr: «Wahnsinniger Respekt vor Abstiegskampf»

Bruno Labbadia
Stuttgarts Trainer Bruno Labbadia gibt Anweisungen. © David Inderlied

Stuttgart (dpa/lsw) - Die Ruhe in seiner Stimme verlor Bruno Labbadia auch beim Thema Abstiegskampf nicht. Ausführlich redete der neue Cheftrainer vor seiner Rückkehr in die Fußball-Bundesliga darüber, dass er beim VfB Stuttgart bis Ende Mai mit einer komplizierten Situation rechnet. «Wir haben einen Marathonlauf vor uns. Es wird ein hartnäckiges Rennen, auch unsere Mitstreiter rüsten auf. Wir müssen darauf eingestellt sein, dass es bis zum letzten Spieltag ein heißes Rennen wird», sagte Labbadia vor dem ersten Heimspiel mit erwarteten 46.000 Zuschauern zum Neustart am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den FSV Mainz 05. Er weiß, wie ernst es ist: «Wir müssen Erfolgserlebnisse haben.»

Schon zwei Minuten vor der angekündigten Zeit hatte der detailversessene Labbadia den Presseraum betreten, in dem der Tabellen-16. die Journalisten zum ersten Mal seit Langem vor einem Spieltag wieder auf dem Clubgelände begrüßte - statt virtuell an den Bildschirmen. Abstiegskampf bis zum Schluss hatte es auch in der vergangenen Saison gegeben: Mit Labbadias Vorgänger Pellegrino Matarazzo gelang der Sprung auf den rettenden 15. Platz erst in der Nachspielzeit des letzten Spieltags.

Nun muss Labbadia es für den VfB richten. «Ich habe wahnsinnigen Respekt vor dem Abstiegskampf, weil so viele Dinge eine Rolle spielen, die du nicht beeinflussen kannst. Und ich bin ein Mensch, der gerne die Kontrolle hat», räumte der frühere Bundesliga-Stürmer ein. Seine Botschaft lautete aber auch: «Wir müssen trotzdem optimistisch sein und die Lust wecken, das anzunehmen.» Nur 14 Punkte nach 15 Spielen bieten noch keinen Grund für große Zuversicht. Der arbeitsreiche Wiederbeginn kann wichtig werden.

Das Duell mit dem Tabellenzehnten Mainz ist für die Stuttgarter das erste Bundesliga-Spiel seit dem 0:2 in Leverkusen vor mehr als zwei Monaten. Labbadia hatte seinen zuvor letzten Auftritt in der höchsten deutschen Spielklasse vor fast genau zwei Jahren. Hertha BSC rettete er damals vor dem Abstieg, ehe er im Januar 2021 gehen musste. Auch beim Hamburger SV und in seiner ersten Amtszeit in Stuttgart von Dezember 2010 bis August 2013 schaffte Labbadia, was sich die Schwaben nun wieder von ihm wünschen.

Gleich der Auftakt mit zwei englischen Wochen inklusive des Achtelfinals im DFB-Pokal und dem nächsten Bundesliga-Spiel schon am Dienstag in Hoffenheim stellt Labbadia vor Herausforderungen. Lieber hätte er mehr Zeit, um seine Ideen zu intensivieren. Dabei konnte er die Mannschaft mehrere Wochen vorbereiten. «Um das zu festigen, das dauert Wochen, Monate», sagte er.

Seine Startelf hat Labbadia überwiegend im Kopf. «Ein, zwei Überlegungen» gebe es noch, schränkte er ein. Auf seine Idealbesetzung kann er ohnehin noch nicht bauen. Wann der kroatische Nationalspieler Borna Sosa ins Mannschaftstraining zurückkehren wird, konnte der Coach nicht beantworten. Zudem soll Abwehrspieler Dan-Axel Zagadou künftig eine wichtige Rolle einnehmen, er fällt vorerst wegen seines doppelten Bänderrisses im Knöchel aber aus. Verteidiger Konstantinos Mavropanos und Mittelfeldspieler Chris Führich, die nicht die komplette Vorbereitung mitmachten, seien dagegen voraussichtlich wieder Optionen.

Ihm würde natürlich am Samstag auch ein torreiches 5:4 gefallen, sagte Labbadia. «Prinzipiell bin ich immer ein Trainer, der immer agieren möchte.» Nur zu verteidigen, sei nicht der Anspruch und würde auch nicht zur Mannschaft passen.

Große Hoffnungen, dass noch Neuzugänge den Kader verstärken könnten, vermittelte Labbadia nicht: «Wenn das unser Kader ist für die Rückrunde, dann ist es der Kader. Wir werden versuchen, alles aus dem Kader rauszuholen. Ich kenne auch die finanzielle Situation des Vereins.» Für das Ziel Klassenerhalt setzt er auch auf die Unterstützung der Fans. Er wisse, welche Kraft das VfB-Publikum haben könne, sagte er.