VfB Stuttgart

Last-Minute-Treffer gegen Union Berlin: Was VfB-Stürmer Wahid Faghir auszeichnet

Fußball VfB Stuttgart vs. 1. FC Union Berlin
Bejubelt seinen Last-Minute-Ausgleich gegen Union Berlin: VfB-Stürmer Wahid Faghir. © Pressefoto Baumann

Wahid Faghir jubelt schon jetzt wie ein Großer. Während Trainer Pellegrino Matarazzo und Sportdirektor Sven Mislintat seinen späten Ausgleichstreffer gegen Union Berlin mit einem wilden Sprint feierten, breitete der junge Stürmer des VfB Stuttgart lässig die Arme aus.

Der 18-Jährige trabte Richtung Eckfahne und wartete auf seine Teamkollegen, die ihn nach seinem Last-Minute-Tor vor Freude erdrückten. Er habe ihn schließlich gebracht, «um ein Tor zu schießen», sagte Matarazzo nach dem 1:1 scherzhaft über den Dänen. Der Coach hatte aber auch gleich eine Botschaft für das Top-Talent: «Wichtig ist, dass er weiter arbeitet und auf dem Boden bleibt.»

Faghir zweitjüngster Bundesliga-Torschütze in der VfB-Historie

Gerade mal zwei vergleichsweise kurze Einsätze in der Fußball-Bundesliga benötigte der dänische U21-Nationalspieler, um sein erstes Tor für die Schwaben zu erzielen. Schon vor dem Treffer in der dritten Minute der Nachspielzeit hatte man gesehen, was Faghir auszeichnet: Wenn er den Ball mit seinem wuchtigen Körper abschirmen kann, ist er nur schwer davon zu trennen.

So auch kurz vor dem Ausgleich, als Berlins Paul Jaeckel ihn nicht stoppen konnte und Faghirs Schuss schließlich abgefälscht vom ehemaligen VfB-Profi Timo Baumgartl im Tor landete. Gerade mal 18 Jahre und 87 Tage war Faghir da alt, wodurch er nach Timo Werner nun zweitjüngster Bundesliga-Torschütze in der VfB-Historie ist.

«Wenn der Junge im Sechzehner auftaucht, hat man gesehen, dass er Torgefahr ausstrahlt. Er hat einen guten Schuss mit links und mit rechts und einen guten Kopfball», sagte Matarazzo, der aber auch noch Verbesserungspotenzial sieht. Zum einen muss der Neuzugang vom dänischen Erstligisten Vejle BK weiter an seiner Fitness arbeiten, zum anderen macht Matarazzo spielerische Defizite aus. «Sicherlich ist im Spiel um den Sechzehner herum, auch im Aufbau, noch Entwicklungspotenzial vorhanden. Aber darum trainieren wir», sagte der 43-Jährige.

Matarazzo mahnt: "Er hat noch einen langen Weg vor sich"

Sportdirektor Mislintat hatte den auch in Vejle geborenen Sohn afghanischer Eltern schon länger auf dem Radar. Ein etwas größeres Publikum konnte sich erstmals bei der U21-Europameisterschaft vor einigen Monaten von den Fähigkeiten Faghirs ein Bild machen, als Dänemark erst im Viertelfinale gegen den späteren Titelträger Deutschland ausschied.

Spätestens nach dem Turnier bekundeten mehrere Vereine ihr Interesse am Ausnahmestürmer. Die Tür beim VfB öffnete sich dagegen erst endgültig, als Torjäger Sasa Kalajdzic sich erneut eine langwierige Verletzung zuzog.

«Sein bisheriger Weg ist sehr vielversprechend und wir sehen bei ihm noch viel Entwicklungspotenzial», sagte Mislintat nach der 3,5 Millionen Euro schweren Verpflichtung über Faghir. Dennoch dauerte es einige Wochen, bis der 18-Jährige von Matarazzo erstmals in ein Bundesliga-Spiel geschickt wurde.

Der Coach hatte zuletzt sogar von einer Diät gesprochen, die erst noch nötig gewesen sei. Langsam aber nähert Faghir sich seinem Idealzustand - auch wenn Matarazzo mahnt. «Was ich ihm zutraue, ist schon viel. Aber er hat noch einen langen Weg vor sich.»