VfB Stuttgart

Leeres Stadion statt ausverkauftes Haus: Ein Jahr ohne imposante Zuschauerkulisse beim VfB Stuttgart

VfB Bielefeld Stadion Pascal Stenzel
Ungewohnte Kulisse: Ein Jahr ist es her, dass der VfB um Pascal Stenzel in einem vollen Fußball-Stadion spielen durfte. © ZVW/Benjamin Büttner

Es sind Szenen, die mittlerweile wie aus einer lange vergangenen Zeit wirken. Fans drängeln sich nebeneinander, sie sitzen dicht an dicht. Das Stadion des VfB Stuttgart ist mit 54.302 Zuschauern gefüllt. Ein Jahr ist es an diesem Dienstag (09.03.) her, dass die Schwaben ihr bis heute letztes Spiel vor nahezu vollen Rängen absolvierten. Wann es mal wieder so sein wird wie am 9. März 2020, als im Duell mit Arminia Bielefeld die vor der Corona-Krise so lange bekannte Normalität im Stadion herrschte, weiß derzeit niemand.

Hansi Müller: Mulmiges Gefühl mit Zuschauern im Stadion

Das 1:1 im Topspiel der 2. Fußball-Bundesliga mit dem Tor des nach dem Aufstieg zurückgetretenen Mario Gomez sah vor einem Jahr auch der frühere Nationalspieler Hansi Müller live im Stadion. Angesichts der rasanten Ausbreitung des Coronavirus war schon damals über die Austragung der Partie vor Zuschauern diskutiert worden. Ganz wohl war dem früheren VfB-Profi bei seinem Stadion-Besuch darum nicht mehr.

«Ich hatte schon ein bisschen ein mulmiges Gefühl, aber das ganze Ausmaß der Bedrohung durch dieses Virus war für mich noch nicht zu greifen», sagte der Europameister von 1980 der Deutschen Presse-Agentur. Das Thema war noch neu, auch für die Behörden.

Kopie von VfB Stuttgart - Arminia Bielefeld 09. März 2020_0
Nicht nur im Bielefelder Strafraum ging es am 9. März 2020 turbulent zu (hier Mario Gomez beim Torschuss) - auch auf den Tribünen saßen die Zuschauer eng an eng. © ZVW/Benjamin Büttner

Aufgrund von Sicherheitsbedenken hatten die Ämter letztlich davon abgesehen, Fans auszuschließen. Stattdessen führten sie damals lediglich neue Regeln für die Kontrolle am Eingang ein. So erlebte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo die Kulisse noch als etwas Wunderbares, wie er im Rückblick erzählte: «Es ist schwierig in Worte zu fassen, was die Zuschauer einem geben können, wenn man als Trainer an der Seitenlinie steht. Das war schon etwas Wunderbares.»

Seit Monaten sind die Bundesliga-Stadien menschenleer

Nun ist seit langem alles anders. Zwar waren zu Beginn dieser Saison zwischenzeitlich wenige Tausend Zuschauer zugelassen. Beim Bundesliga-Comeback des VfB im September etwa saßen 7123 Zuschauer im Stadion und sahen das 2:3 des Aufsteigers gegen den SC Freiburg. Mit einer Kulisse von mehr als 50 000 Zuschauern hat aber auch das kaum etwas gemein. Und seit Monaten sind die Bundesliga-Arenen mittlerweile bis auf wenige Menschen wieder leer.

Es herrscht Stille, bis auf die Kommandos oder den Jubel von Trainern und Spielern ist kaum etwas zu hören. Es wird über eine mögliche Entfremdung der Fans diskutiert. Auch bei Müller sinkt die generelle Lust auf Fußball, auch wenn er sich die VfB-Spiele am Fernseher nicht entgehen lässt. «Die Stimmung fehlt einfach. Das spürst du ja auch durch den Fernseher hindurch», sagte der 63-Jährige.

Völlig unklar scheint: wann sind wieder Zuschauer zugelassen?

Das Verbot von Zuschauern im Profisport wird kein baldiges Ende nehmen. Als Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Länderchefs am vergangenen Mittwoch verschiedene Schritte der Öffnung beschlossen, wurde dies gar nicht genannt. Wie Fans reagieren, wenn das Verbot aufgehoben wird und wie sich die Coronavirus-Krise auf das Fan-Verhalten auswirkt, wird sich erst in der Zukunft zeigen.

«Ich bin gespannt, ob die Stadien wieder voll werden, sobald wieder Zuschauer zugelassen sind. Es dürfte schon Leute geben, die die Lust verloren haben», mutmaßte Müller: «Und dann natürlich auch welche, die aufgrund ihrer finanziellen Situation den Gürtel enger schnallen müssen und sich das vielleicht nicht mehr erlauben wollen.»

"Es ist traurig": Torhüter Gregor Kobel vermisst die Fans

Natürlich vermissen auch die Spieler die Atmosphäre. Für die junge VfB-Truppe könne das leere Stadion zwar «in einigen wenigen Situationen sogar von Vorteil sein», weil es die Nervosität reduziere, wie Torhüter Gregor Kobel den «Stuttgarter Nachrichten» und der «Stuttgarter Zeitung» sagte. Generell aber stellte er klar: «Es ist traurig.» Für zumindest ein wenig Abhilfe sorgt lediglich eine besondere Beschallung in der Umkleide: «Im Moment helfen uns nur Fangesänge, die Orel (Mangala; d. Red.) und ich ab und zu in der Kabine laufen lassen», sagte Kobel.