VfB Stuttgart

Mehr als nur ein Spiel verloren: Stimmung beim VfB Stuttgart droht zu kippen

Fußball  Hertha BSC Berlin vs. VfB Stuttgart
Die direkte Rettung ist für den VfB nach der Niederlage in Berlin in weite Ferne gerückt. © Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart hat am Sonntagabend (24.04.) im Berliner Olympiastadion nicht nur ein Bundesliga-Spiel verloren, sondern auch den Kontakt zum rettenden Ufer. Nach dem 0:2 gegen Hertha BSC bröckeln zudem Glaube und Zuversicht sowie der häufig beschworene Zusammenhalt mit den Fans.

„Wir spielen nicht nur für uns, sondern für die Fans und die Region“

Teilweise mit Tränen in den Augen hatten sich die Stuttgarter Spieler und der Staff nach dem enttäuschenden Auftritt in der Hauptstadt in den Gästeblock geschleppt. Und dort der Wut der Anhänger gestellt. „Es ist völlig in Ordnung, dass sie ihren Unmut äußern“, fand Sportdirektor Sven Mislintat Verständnis für die Reaktion: „Das müssen wir wegstecken, das gehört dazu. Wir spielen nicht nur für uns, sondern für die Fans und die Region.“

Weniger verständnisvoll war Trainer Pellegrino Matarazzo mit der (Nicht-)Leistung seiner Mannschaft im wegweisenden Kellerduell. „Wie wir den ersten Eckball verteidigen oder das Gegentor kassieren ... dafür gibt es keine Ausreden“, so der sichtlich gezeichnete Chefcoach auf der Pressekonferenz in den Katakomben des altehrwürdigen Stadions. „Es ist völlig unwichtig, wie die Jungs unter der Woche trainieren oder wie laut sie in der Kabine sind. Das Einzige, das zählt, ist, was auf dem Platz passiert. Und da waren wir nicht da.“ Eine ungewohnt scharfe Analyse des sonst so besonnen Trainers. 

Dem Druck nicht standgehalten

Sein Team hielt dem Druck im Abstiegskampf nicht stand. Und hinterließ Fans und Verantwortliche ratlos. Sven Mislintat sprach in Bezug auf die ersten 30 Minuten vom „schlechtesten Saisonspiel“ seiner Elf. Mut- und körperlos waren die Schwaben ins Spiel gestartet. Die Quittung folgte prompt. Bereits nach vier Minuten jubelte Davie Selke mit den Berliner Fans. Nach dem Spiel erklärte der gebürtige Backnanger: „Fußball ist auch ein Kopfsport, das darf man nicht vergessen.“ 

Zwar fanden die ganz in Rot spielenden Stuttgarter in Durchgang zwei besser ins Spiel, eine brenzlige Situation musste der junge Hertha-Keeper Marcel Lotka allerdings nur nach einem brachialen Solo-Lauf von Innenverteidiger Konstantinos Mavropanos überstehen (52.). Unter dem Strich brachte das Team in allen Bereichen viel zu wenig - und das gegen eine keineswegs übermächtige Hertha-Truppe. 

Umso mehr schmerzen inzwischen die leichtfertig liegengelassenen Punkte der letzten Wochen. Beim 1:1 in Bielefeld hätte der VfB mehr holen können/müssen, ebenso beim 0:0 in Mainz und selbst im Heimspiel gegen den BVB (0:2) hatten die Schwaben zahlreiche Gelegenheiten, um zu punkten. Wähnte man sich zuletzt noch auf dem richtigen Weg in Richtung Klassenverbleib, so ist die Ausgangslage vor dem Schlussspurt mittlerweile eine extrem düstere. Die letzte Hoffnung heißt wohl Relegation. Bei zwei mageren Punkten Vorsprung auf Arminia Bielefeld sind aber selbst die Entscheidungsspiele gegen den Dritten aus der 2. Liga noch lange nicht gesichert.

Nicht mehr in der eigenen Hand

Der Ton in Bad Cannstatt wird jedenfalls rauer. Auf den Rängen - und in den eigenen Reihen. Verlieren die Schwaben auch am kommenden Samstag gegen den VfL Wolfsburg (15.30 Uhr/Sky), ist die direkte Rettung womöglich schon nicht mehr drin. „Wir haben schon mal eine schlechtere Ausgangsposition gehabt“, findet Sven Mislintat. Fakt sei aber auch: „Wir sind vier Punkte dahinter und haben es nicht in der eigenen Hand.“ 

Mittlerweile ist auch nicht mehr von der Hand zu weißen, dass der VfB im April viel verspielt hat. Den 14. Tabellenplatz, den er durch sieben Punkte aus drei Partien im März erklommen hatte. Kredit bei seinen Fans, die ihn bis dahin in dieser schwierigen Saison auf bemerkenswerte Art und Weise unterstützt haben. Und ein Stück weit auch das Vertrauen ihrer Vorgesetzten. Die Stimmung droht zu kippen. 

Wer die Schwaben in den vergangenen vier Partien, in denen ihnen kein Sieg und kein Tor aus dem Spiel heraus gelangen, gesehen hat, fragt sich vermutlich, wie sie vor wenigen Wochen ihre famosen Aufholjagden gegen Gladbach (3:2) und Augsburg (3:2) hinbekommen haben. Von der Energie, die der VfB in dieser Phase versprüht hat, war zuletzt so gut wie nichts mehr zu spüren. Ob die Mannschaft sich im nervenaufreibenden Endspurt (und womöglich in zwei Relegationsspielen) noch einmal neu anzünden kann, erscheint aktuell mehr als ungewiss.

„Wir werden knallhart in die Analyse gehen, unsere Schlüsse ziehen und diese in das Heimspiel übersetzen“, sagte Mislintat mit Blick auf Wolfsburg: „Aufgeben gibt es nicht.“

Das Restprogramm

VfB Stuttgart

  • VfL Wolfsburg (H)
  • Bayern München (A)
  • 1. FC Köln (H)

Hertha BSC Berlin

  • Arminia Bielefeld (A)
  • 1.FSV Mainz 05 (H)
  • Borussia Dortmund (A)

Arminia Bielefeld

  • Hertha BSC (H)
  • VfL Bochum (A)
  • RB Leipzig (H)