VfB Stuttgart

Mehr Last als Lust: Wie der Erwartungsdruck den VfB Stuttgart lähmt

Derbysieg
Lukas Fröde (M) schoss den KSC zum Derby-Sieg gegen den VfB Stuttgart. Foto: Uli Deck/dpa-pool/dpa © Uli Deck

Die Bilanz ist erschreckend. Nur sieben von 18 möglichen Punkten hat Fußball-Zweitligist VfB Stuttgart seit dem Re-Start nach der Corona-Pause geholt. In Wiesbaden (1:2) unterlag er. In Kiel (2:3). Und jetzt auch noch in Karlsruhe (1:2). Die erste Derby-Niederlage beim badischen Erzrivalen seit knapp 13 Jahren ist der vorläufige Tiefpunkt für die Schwaben in einer Saison, in der es für sie gefühlt so gut wie nichts mehr zu gewinnen, dafür aber noch jede Menge zu verlieren gibt.

Weder unter dem kurz vor Weihnachten beurlaubten Ex-Trainer Tim Walter, noch unter seinem Nachfolger Pellegrino Matarazzo wurde der mit Abstand teuerste Kader der Liga seiner Favoritenrolle nachhaltig gerecht. Nur, weil auch die Konkurrenz regelmäßig patzte, hat er als Tabellendritter drei Spieltage vor Schluss noch alle Chancen auf den Aufstieg. Der Hamburger SV auf Platz zwei hat einen Punkt mehr auf dem Konto. Verfolger Heidenheim einen weniger, dafür aber einen womöglich entscheidenden Vorteil: den geringeren Erwartungsdruck.

«Man muss den Druck vernünftig kanalisieren»

«Wir haben jetzt eine Chance, wie wir sie vielleicht noch nie gehabt haben», sagte FCH-Trainer Frank Schmidt am Montag nach dem erneuten VfB-Patzer. Die Stuttgarter dagegen scheint die Erwartungshaltung in der finalen Phase der Saison zunehmend zu lähmen. Gemessen an ihren eigenen Ansprüchen und dem aktuellen Stimmungsbild ihrer Fans wäre die direkte Bundesliga-Rückkehr nicht mehr als die Erfüllung einer Pflichtaufgabe, ihr Verpassen dagegen eine Katastrophe. «Das Trikot ist schwer», räumte Sportdirektor Sven Mislintat im SWR ein: «Man muss den Druck vernünftig kanalisieren.» Doch genau das gelingt seinem Team offenbar nicht.

«Heute möchte ich nicht die Einstellung der Mannschaft infrage stellen. Ich finde schon, dass wir da waren, dass wir leidenschaftlich gekämpft haben», sagte Trainer Matarazzo nach der Derby-Pleite in Karlsruhe, bemängelte aber, dass seine Elf anfangs «zu ängstlich» gewesen sei, «zu viele Querpässe oder Rückpässe zum Torwart» gespielt habe. Wieder mal. Schon zuvor beim 0:0 gegen Osnabrück hatte es den Schwaben in einigen Momenten am nötigen Mut gefehlt. Ganz generell fehlt es ihnen bereits die ganze Saison an Spielern, die in schwierigen Situationen vorangehen.

Und die aktuelle Situation ist schwierig. Der HSV (gegen Osnabrück) und Heidenheim (in Fürth) könnten den Druck am Dienstag sogar nochmal erhöhen, ehe der VfB am Mittwoch (ab 18.30 Uhr im ZVW-Liveticker) selbst wieder eingreift. Gegen Sandhausen. Das aus den letzten fünf Spielen drei Siege und zwei Unentschieden holte. Und in Stuttgart, wie so viele Gegner des VfB, nichts zu verlieren hat.