VfB Stuttgart

Mit kleinen Schritten in Richtung Klassenverbleib

VfB-Kapitän Christian Gentner im Spiel gegen den HSV_0
VfB-Kapitän Christian Gentner musste im Spiel gegen den HSV in der zweiten Halbzeit als Rechtsverteidiger aushelfen. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Der VfB hat sich am Samstagnachmittag beim 1:1 (1:1) gegen den Hamburger SV nicht mit Ruhm bekleckert, bleibt aber auch im achten Spiel unter Tayfun Korkut ungeschlagen und hat sein großes Ziel fast erreicht. Lewis Holtby (18.) und Daniel Ginczek (44.) erzielten in der ausverkauften Mercedes-Benz Arena die beiden einzigen Tore. 

Warum die Schwaben gegen den Tabellenletzten nicht über ein 1:1 hinauskamen, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

Gegen den HSV rückte Marcin Kaminski für den gelbgesperrten Andreas Beck in die Startelf. Da Innenverteidiger Timo Baumgartl erneut aufgrund der Folgen einer leichten Gehirnerschütterung passen musste, bildeten Kaminski und Badstuber das Innenverteidiger-Duo.

Insua (links) und Pavard (rechts) besetzten die Außenverteidgerpositionen, ansonsten behielt VfB-Trainer Tayfun Korkut seine 4-4-2-Grundordnung bei. Sprich: Aogo und Ascacibar auf der Doppelsechs, Gentner und Thommy auf den Flügeln und im Sturm Mario Gomez und Daniel Ginczek.

Spielidee und Taktik

Die Hausherren begannen die Partie abwartend, beschränkten sich zunächst auf ein geordnetes Positionsspiel und versuchten so das Spielgeschehen mit wenig Aufwand durch Verschieben im Mittelfeld zu kontrollieren. Im Offensivspiel gingen die Schwaben kaum ins Risiko und lauerten auf Ballverluste der Hamburger. 

Der VfB wollte die Hanseaten so aus der Reserve locken und dann über scharfe Pässe in die Schnittstelle in die gefährliche Zone vor dem Hamburger Tor kommen. Da sich aber sowohl der VfB als auch der HSV zu viele Ungenauigkeiten im Aufbauspiel leisteten, entwickelte sich eine äußerst zähe Partie.

Spielverlauf kompakt

18. Minute: 1:0 für das Schlusslicht! Lewis Holtby drückt einen Abpraller über die Linie. Zuvor hatte Benjamin Pavard den Ball leichtfertig in der Vorwärtsbewegung verloren, Luca Waldschmidt aus kurzer Distanz geschossen und VfB-Torwart Zieler den Ball in die Mitte abgeklatscht.

42. Minute: Der HSV erhöht nach einem Freistoß auf 2:0, doch Schiedsrichter Felix Brych pfeift die jubelnden Hamburger aufgrund einer Abseitsstellung zurück.

44. Minute: Ein bisschen aus dem Nichts der Ausgleichstreffer für den VfB. Thommy kommt nach einer verunglückten Kopfballabwehr von Ambrosius im Sechzehner zum Abschluss, HSV-Keeper Pollersbeck kann den Ball nicht festhalten und Daniel Ginczek staubt trocken ab - 1:1.

51. Minute: Der zur Pause eingewechselte Chadrac Akolo feuert direkt eine erste Duftmarke ab. Pollersbeck packt sicher zu.

60. Minute: Erik Thommy zirkelt den Ball vom Sechzehnereck aus knapp ab rechten Torpfosten vorbei.

62. Minute: Im Gegenzug steht VfB-Keeper Zieler gleich zweimal im Fokus. Zunächst rettet der Stuttgarter Schlussmann gegen einen Aufsetzer von Kostic und klärt dann mit beiden Fäusten gegen HSV-Kapitän Sakai.

64. Minute: Jetzt ist ein wenig Feuer drin. Wieder kommt Thommy zum Abschluss und wieder streichelt er den Ball nur haarscharf am Hamburger Gehäuse vorbei.

Spielentscheider

Kein Tempo, kein Mut, keine Ideen: Die Hausherren zeigten vor allem im ersten Durchgang einen erschreckend schwachen Auftritt und bekamen nach 18 Minuten die Quittung für ihre schläfrige Spielweise. Das Schlusslicht ging verdient in Führung und belohnte sich für eine couragierte erste Halbzeit. 

Kurz vor der Pause kam der Aufsteiger zum schmeichelhaften Ausgleichstreffer und fand dann im zweiten Durchgang besser in die Partie. Knackige Torchancen blieben aber auch in den zweiten 45 Minuten Mangelware. Der HSV kann aktuell nicht besser spielen, der VfB wollte es offensichtlich nicht. Folgerichtig arrangierten sich beide Teams mit dem Remis.

Und während der HSV einen weiteren Negativ-Rekord aufstellt und nun seit 125 Tagen ohne Erfoglserlebnis in der Bundesliga ist, sammelt der VfB ohne zu glänzen weiter Punkt für Punkt. VfB-Trainer Tayfun Korkut weiß: Auch mit kleinen Schritte kann das große Ziel Klassenverbleib erreicht werden. Weit ist der Weg jedenfalls nicht mehr. 

Auf den Punkt gebracht

Zwiegespalten war HSV-Trainer Christian Titz auf der Pressekonferenz nach dem Spiel. Drei U-23-Spieler hatte der gebürtige Mannheimer ins eiskalte Bundesligawasser geworfen und war mit deren Leistung auch zufrieden. „Aber in unserer Situation helfen uns nur Siege“, seufzte der 46-Jährige. „Wir sind natürlich enttäuscht.“

Mit dem einen Zähler konnte VfB-Trainer Tayfun Korkut deutlich besser leben: „Es war das erwartet schwierige Spiel. Letztendlich müssen wir mit dem Punkt leben und können das auch. Wir sind seit acht Spielen unbesiegt. Das dürfen wir nicht vergessen.“

Mittelfeldspieler Dennis Aogo ärgerte sich über die fehlende Kompaktheit: "Die Mannschaftsteile haben heute nicht so gut zusammengearbeitet wie in den letzten Wochen." Dennoch müsse man den Punkt richtig einordnen: "Wir wissen, wo wir herkommen." 

Ausblick

Der VfB Stuttgart muss in acht Tagen beim Champions-League-Anwärter Borussia Dortmund antreten. Anpfiff im stimmungsvollen Signal-Iduna-Park ist nächsten Sonntag um 15.30 Uhr. Für Christian Titz und den Hamburger SV geht es am kommenden Samstag (18.30 Uhr) mit einem Heimspiel gegen den FC Schalke 04 weiter. 


VfB Stuttgart – Hamburger SV 1:1 (1:1)

Stuttgart: Zieler - Insua, Badstuber, Kaminski (46. Akolo), Pavard - Aogo (88. Mangala), Ascacibar - Thommy (77. Bruun Larsen), Gentner - Ginczek, Gomez

Ersatzbank: Grahl (Tor), Burnic, Özcan, Donis

Trainer: Tayfun Korkut

Hamburg: Pollersbeck - Sakai, Jung, Ambrosius (46. van Drongelen), Douglas Santos - Steinmann (72. Hahn) - Gouaida (59. Ito), Hunt, Holtby, Kostic - Waldschmidt

Ersatzbank: Mathenia (Tor), Janjicic, Arp, Vagnoman

Trainer: Christian Titz

Tore: 0:1 Holtby (18.), 1:1 Ginczek (44.)

Schiedsrichter: Felix Brych (München)

Zuschauer: 58.826 (ausverkauft)