VfB Stuttgart

Rainer Weninger und der Sieg der Demokratie beim VfB Stuttgart

Kandidatenpräsentation  VfB Stuttgart
Rainer Weninger aus Hegnach, Vereinsbeiratsvorsitzender beim VfB Stuttgart. © Hansjürgen Britsch

Ein Waiblinger – genauer: ein Hegnacher – war in den vergangenen Monaten einer der wichtigsten Menschen beim VfB Stuttgart. Man darf Rainer Weninger als heimlichen Helden in stürmischer Zeit betrachten: als Geburtshelfer eines demokratischeren VfB.

Rainer Weninger im Schnelldurchlauf: Mitte 50, Geschäftsführer bei einem Metallbauunternehmen in Waiblingen, 30 Jahre lang ehrenamtlich tätig beim SV Hegnach; seit 2017 im Vereinsbeirat des VfB ... Vereinsbeirat? Was, fragt der Laie, ist denn das?

Es handelt sich um ein 2017 gegründetes ehrenamtliches Gremium, und wer da drin sitzt, ist doch im Grunde eher egal, denn was zählt, sind Vereinspräsidium, AG-Vorstand und AG-Aufsichtsrat, und wenn es dazwischen noch eine weitere Alibi-Mitschwätzrunde gibt, können die sich ja um Ehrungen kümmern und dergleichen ... So mögen sich das damals viele vorgestellt haben; bis ihnen aufging, dass unter gewissen Umständen der Vereinsbeirat zum Nabel der VfB-Welt werden kann.

In diesem Kreise nämlich sitzen die Türhüter der Macht: Sie entscheiden, wer als Kandidat für die Präsidentenwahl zugelassen wird.

Entmachtung durch die kalte Küche? Das Drama um Claus Vogt

Um die Jahreswende 2020/21 braute Unerhörtes sich zusammen: Der neue, erst seit 2019 amtierende Präsident Claus Vogt, der einigen alten Seilschaftern aus der unseligen Ära Wolfgang Dietrich offenbar auf die Zehen getreten war, schien schon wieder so gut wie weggemobbt – Gerüchte kursierten, er sei „isoliert“ im Verein, bloß ein „Müllunternehmer“ (in Wahrheit hat er eine Firma für Gebäudemanagement) und ein „viertklassiger Präsident“. Auch im seinerzeit siebenköpfigen Vereinsbeirat schien die Waage zu Vogts Ungunsten gekippt – die Mehrheit des Gremiums, sickerte durch, wolle ihn im Jahre 2021 nicht zur Wiederwahl nominieren.

Den aktuellen Chef nicht einmal mehr zulassen? Den demokratisch gewählten Präsidenten einfach so abservieren per Hinterzimmer-Entscheid? Es klang unvorstellbar – und unausweichlich; im Januar 2021 wetteten nicht mehr viele Kenner darauf, dass Vogt aufgestellt werden würde. Zu mächtig die Feinde, vom Aufsichtsratsfürsten Wilfried Porth bis zu Jürgen Schlensog, Strippenzieher im wirtschaftsnahen und einflussreichen VfB-Freundeskreis. Sicher, die organisierten Fans machten lautstark Front gegen Vogts Entmachtung durch die kalte Küche – aber fast klang es wie ohnmächtiges Verzweiflungsgeschrei. Zumal auch Wolf-Dietrich Erhard, der Vorsitzende des Vereinsbeirats, contra Vogt war.

Ein Plädoyer für die Mitgliederrechte: Rainer Weningers Standpunkt

An dieser Stelle kommt Rainer Weninger ins Spiel. „Ich hatte meinen klaren Standpunkt, was das angeht“, hat er dieser Tage im ZVW-Podcast „Wir reden über den VfB“ erzählt. Seine „grunddemokratische Haltung“ sei von Anfang an gewesen: Über so eine wichtige Frage muss die Basis, die ganze Mitgliederschaft entscheiden dürfen; denjenigen, die in freier Wahl Vogt eingesetzt haben, gebührt unbedingt auch das Recht, ihn entweder abzuwählen oder im Amt zu bestätigen.

Man kann nur ahnen, welcher Druck auf Weninger lastete, wie stark an ihm hinter den Kulissen gezerrt wurde: Gib nach, lass los ... „Es wurde natürlich versucht, Einfluss auszuüben“, da „kriegt man schon den einen oder anderen Anruf, wo man sagt, okay, das überrascht jetzt kurz, dass sich der oder der meldet“.

Weninger aber blieb seinem basisdemokratischen Kompass treu – und die entscheidende Beiratssitzung im Februar nahm einen sensationellen Verlauf: Zwei Vogt-Gegner traten zurück, Vogt wurde nominiert und Weninger neuer Vorsitzender des Vereinsbeirats.

Es mag etwas pathetisch klingen, aber ganz falsch ist es nicht: Diese Sitzung im Februar 2021 könnte die Geburtsstunde eines neuen, eines für demokratische Rechte sensibleren VfB Stuttgart gewesen sein.

Am Sonntag bei der Mitgliederversammlung, wenn sich entscheidet, ob Claus Vogt oder Pierre-Enric Steiger den Verein durch die nächsten vier Jahre führt, wird sich auch Weninger wieder zur Wahl stellen für einen Sitz im Vereinsbeirat. Falls er genug Stimmen bekommt, dürften nicht nur die Hegnacher stolz sein. Es wäre auch für den VfB wohl nicht das Schlechteste.

Zum Nachhören

Rainer Weninger zu Gast im ZVW-Podcast „Wir reden über den VfB“: zu hören via zvw.de/Podcasts, Spotify, iTunes und Youtube.