VfB Stuttgart

Sieben Baustellen für Trainer Matarazzo: Die Mängelliste des VfB Stuttgart

Fußball  2. Bundesliga  VfB Stuttgart vs. VL Osnabrück
Gegen den VfL Osnabrück hatte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo wenig Grund zur Freude. © Pressefoto Baumann

Bei noch vier verbleibenden Zweitliga-Spielen geht es für den VfB Stuttgart nun in die entscheidende Phase im Aufstiegskampf: Am Sonntag (14.06.) müssen die Schwaben zum Derby nach Karlsruhe (ab 13.30 Uhr, ZVW-Liveticker). Ausgerechnet vor dem wichtigen Duell gegen den abstiegsbedrohten KSC kommt auf VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo ein Berg voll Arbeit zu. Das harmlose 0:0 im Heimspiel gegen den VfL Osnabrück offenbarte die großen Probleme der Matarazzo-Elf gegen tiefstehende Gegner. Wir haben sieben Baustellen des VfB Stuttgart herausgeabreitet:

1. Fehlendes Tempo und Timing

Im Offensivspiel fehlt es dem VfB in vielen Aktionen an Geschwindigkeit und dem richtigen Timing. Um einen tiefstehenden Gegner zu knacken, sind Tempowechsel und Speed über die Außenbahnen allerdings unabdingbar. Gegen Osnabrück ging dieses Element den Schwaben komplett ab. Zudem trafen Gonzalez und Co. im letzten Drittel zu oft die falschen Entscheidungen bzw. die Abstimmung stimmte nicht. Gepaart mit den zahlreichen technischen Fehlern bot der VfB-Angriff am vergangenen Sonntag ein trauriges Bild. 

2. Keine Tiefe im Spiel

„Uns fehlt weiterhin der Mut, auch Tempo, um tiefe Laufwege zu suchen“, bemängelte Pellegrino Matarazzo im Nachgang an das Osnabrück-Spiel. Seine Mannschaft hatte zwar – wie in eigentlich allen Spielen – eine hohe Passquote (87 Prozent) und spielte auch deutlich mehr Pässe als der Gegner (658 vs. 296), allerdings ging es viel zu oft quer statt vertikal in die Spitze. Zudem mangelte es an Kreativität und überraschenden Momenten.

3. Fehlende Durchschlagskraft

Die schwäbischen Angreifer setzen sich in den direkten Duellen schlicht und ergreifend zu selten durch. Darunter leidet die Durchschlagskraft der VfB-Angriffsreihe. So hatte der offensive Mittelfeldspieler Philipp Förster gegen Osnabrück eine Zweikampfquote von 17 Prozent, der eingewechselte Dribbler Silas Wamangituka gewann nur 18 Prozent seiner direkten Duelle. Lediglich der nimmermüde Flügelflitzer Nicolas Gonzalez stach hier heraus (54 Prozent). Sein großes Manko ist und bleibt allerdings der nächste Punkt auf der Liste.

4. Schwache Torabschlüsse

Während in den ersten Spielen unter Pellegrino Matarazzo – und auch in vielen Partien unter Ex-Trainer Tim Walter - noch die schlechte Chancenauswertung das vielleicht größte Problemfeld des VfB war, so wurden die Schwaben in den vergangenen Spielen immer harmloser. Im Heimspiel gegen Osnabrück spielten sich Al Ghaddioui und Co. keine einzige Torchance heraus, die mit dem Adjektiv „gefährlich“ hätte beschrieben werden können. „Wir müssen zumindest dahin kommen, dass wir uns drei, vier klare Torchancen erspielen“, kritisierte Rechtsverteidiger Pascal Stenzel.

5. Keine Breite im Spiel

In den ersten Spielen nach der Winterpause agierte der VfB häufig in einer 3-4-3-Grundordnung. Mit der Folge, dass über die sogenannten „Wingbacker“ deutlich mehr Wucht über die Außenbahnen entwickelt wurde. Das sehr defensiv eingestellte Team von Erzgebirge Aue wurde so klar mit 3:0 geschlagen. In den Partien nach dem Corona-Restart schickte Matarazzo seine Elf hingegen häufig in einer 4-3-3-Systematik auf den Rasen. Die beiden Außenverteidiger – Mola und Stenzel – konnten zum Stuttgarter Offensivspiel allerdings nur wenig beitragen.

6. Fehlende Variabilität

Die neue 4-3-3-Grundordnung führt zu mehr Stabilität. Der Grund: Die Konterabsicherung funktioniert mit den drei zentralen Mittelfeldspielern Endo (auf der Sechs) und Mangala und Castro (auf den Achterpositionen) deutlich besser. Auch die Umstellung auf einer Viererkette stabilisiert die Stuttgarter Abwehr, allerdings zulasten der offensiven Wucht und der Variabilität. Die Folge: Ein harmloses Flügelspiel und ein für die Gegner leicht zu durchschauendes Konzept, das mit einer tiefen 5-4-1-Staffelung oder durch zwei enge Viererketten relativ simpel verteidigt werden kann. 

7. Schwache Standards

Gegen Osnabrück segelten sechs VfB-Ecken in den VfL-Strafraum. Alle sechs verursachte keinerlei Gefahr. In den letzten fünf Spielen erzielte der VfB nur ein Tor nach einer Standardsituation (Endo zum 1:2-Anschlusstreffer gegen den HSV). Statt scharf vor den Kasten getretener Flanken segelten die Hereingaben meist harmlos und im langen Bogen in Richtung Zentrum. Auch kreative Varianten bei der Ausführung von Ecken oder Freistößen konnten in dieser Spielzeit bei Spielen mit Beteiligung des VfB Stuttgart höchst selten beobachtet werden.

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