VfB Stuttgart

Sieg mit Signalwirkung? Warum der VfB jetzt alles in der eigenen Hand hat, aber die Zweifel bleiben

Fußball  2. Bundesliga  VfB Stuttgart vs. Hamburger SV
Nach dem späten Siegtreffer im Spitzenspiel gegen den HSV gab's auch bei Trainer Pellegrino Matarazzo kein Halten mehr. © Pressefoto Baumann

Wären am Donnerstagabend in der Stuttgarter Mercedes-Benz-Arena Zuschauer erlaubt gewesen, wäre um 22.24 Uhr wohl das Dach weggeflogen. Mit dem letzten Angriff der Partie gelang dem VfB Stuttgart im Spitzenspiel gegen den Hamburger SV der erlösende und anschließend wild gefeierte 3:2-Siegtreffer. Die strengen Hygiene- und Abstandsregeln hatten da nicht alle Beteiligten präsent. „Also bei mir war es unmöglich. In dem Moment ist man im Instinkt-Modus“, warb Trainer Pellegrino Matarazzo nach einer Nacht mit wenig Schlaf („Nach so einem Spiel ist es schwierig, die Augen zuzumachen“) um Verständnis. „Man möchte das genießen mit der Herzlichkeit, die dazu gehört.“ Die Gefühle mussten raus, schließlich waren die Schwaben nach einer mut- und ideenlosen Vorstellung zur Pause mit 0:2 zurückgelegen und der Druck nach den enttäuschenden Auftritten in Wiesbaden und Kiel war immens hoch.

 

Erinnerungen an Last-Minute-Sieg in Nürnberg: „The Spirit of 2017“

Ein emotionaler Erfolg, ein Sieg „für die Psychologie“ (O-Ton-Matarazzo), aber auch einer mit Signalwirkung? „Ich möchte nichts prophezeien, aber sollten wir am Ende tatsächlich aufsteigen“, meinte Außenverteidiger Pascal Stenzel, „wird man sicherlich sagen, dass es ein Spiel wie dieses war, bei dem man schon abgeschrieben war und vier Punkte Rückstand gehabt hätte, am Ende aber doch vor dem HSV steht, das den Weg bereitet hat.“ Kurz ausgedrückt: Spätestens am 28. Juni wissen die VfB-Fans, was die Aufholjagd gegen Hamburg letztlich wert war.

Viele Anhänger fühlten sich reflexartig an die letzte Zweitliga-Saison der Stuttgarter erinnert, als der Österreicher Florian Klein die Schwaben im Saisonendspurt zu einem wichtigen Last-Minute-Sieg beim 1. FC Nürnberg schoss. „The Spirit of 2017“, schrieben beispielsweise die Blogger vom „Vertikalpass“ um kurz vor Mitternacht. 

Von einer Mentalität nach Münchner Vorbild, einer Art schwäbischem „Mir-sen-Mir-Gefühl“, ist die aktuelle VfB-Mannschaft in jedem Fall noch weit entfernt. Das weiß auch Trainer Matarazzo: „Es gibt einige Themen, die präsent sind, um eine richtige Siegermentalität oder eine meisterhafte Truppe zu erzeugen, die wir Schritt für Schritt angehen.“

Warum Zweifel angebracht bleiben und eine Prognose schwerfällt

Beim VfB hoffen die Verantwortlichen derweil, dass der Dreier im Spitzenspiel den direkten Weg zurück in die Bundesliga ebnet. Der HSV muss dagegen einen mentalen Tiefschlag wegstecken, der nachwirken könnte und in der Hansestadt schlechte Erinnerungen an die verpasste Bundesliga-Rückkehr vor einem Jahr wach werden lässt. Der zweite Tabellenplatz, den die Stuttgarter mit zwei Punkten Vorsprung auf den HSV halten, soll mit allen Mitteln verteidigt werden. In der End-Phase haben die Weiß-Roten alles in der eigenen Hand. Das Restprogramm mit Duellen gegen die abstiegsbedrohten Nürnberger und dem Derby gegen den KSC (siehe Infobox) birgt allerdings Gefahren.

Schon am Sonntag (ab 13.30 Uhr im ZVW-Liveticker) gegen Dynamo Dresden muss die Matarazzo-Elf nachlegen. „Uns muss bewusst sein, dass wir Dresden nur schlagen können, wenn wir so einen ähnlichen Einsatz zeigen wie in der zweiten Halbzeit gegen Hamburg“, warnt der Stuttgarter Cheftrainer. Andernfalls könnte sich die Ausgangslage im Endspurt schnell wieder ändern. Eine Prognose fällt schwer. Zu eng ist der Tabellenstand, zu wackelig waren die bisherigen VfB-Auftritte, Zweifel bleiben angebracht. Die Stimmung rund um den Cannstatter Wasen könnte schnell wieder kippen, sollten die Schwaben gegen Dresden das Gesicht der ersten 45 Minuten aus dem HSV-Spiel zeigen.

Das VfB-Restprogramm

  • 31. Mai, 13.30 Uhr: Auswärtsspiel gegen Dynamo Dresden
  • 07. Juni, 13.30 Uhr: Heimspiel gegen den VfL Osnabrück
  • 14. Juni, 13.30 Uhr: Auswärtsspiel gegen den Karlsruher SC
  • 17. Juni, 18.30 Uhr: Heimspiel gegen den SV Sandhausen
  • 21. Juni, 15.30 Uhr: Auswärtsspiel gegen den 1. FC Nürnberg
  • 28. Juni, 15.30 Uhr: Heimspiel gegen den SV Darmstadt