VfB Stuttgart

Thomas Müller knackt das schwäbische Bollwerk

Fußball VfB Stuttgart vs. FC Bayern München_0
Der eingewechselte Thomas Müller schoss die Bayern mit seinem Treffer zum knappen, aber verdienten, Erfolg über den VfB Stuttgart. © Danny Galm

Stuttgart.
Der VfB Stuttgart musste sich im letzten Hinrunden-Spiel dem FC Bayern München mit 0:1 geschlagen geben. Der eingewechselte Nationalstürmer Thomas Müller traf kurz vor Schluss zum letztlich spielentscheidenden 1:0. Den emotionalen Schlusspunkt setzte es aber in der Nachspielzeit, als Chadrac Akolo gegen den Ex-Stuttgarter Sven Ulreich im Bayern-Tor vom Elfmeterpunkt die große Chance aufs 1:1 liegen ließ.

Warum der VfB Stuttgart gegen den FC Bayern München leer ausging, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

VfB-Trainer Hannes Wolf veränderte seine Startelf im Vergleich zur Niederlage gegen Hoffenheim auf zwei Positionen: Simon Terodde und Dennis Aogo durften gegen die Bayern für Anastasios Donis und Emiliano Insua von Beginn an ran.

Im 3-4-2-1-System ersetzte Terodde im Sturmzentrum den verletzten Donis (Faserriss in der Gesäßmuskulatur) und Aogo verteidigte überraschend für Insua hinten links. Chadrac Akolo konnte trotz einer Rippenprellung, die er sich am Mittwoch in Sinsheim zugezogen hatte, starten.

Spielidee und Taktik

Ausgehend von der stabilen und spielstarken Dreierreihe wollte der Aufsteiger mit viel Kampf, Leidenschaft und Disziplin dem übermächtigen Konkurrenten aus der bayrischen Landeshauptstadt beikommen. Die erfahrenen Außenbahnspieler Dennis Aogo und Andreas Beck sollten die bayrische Flügelzange in den Griff bekommen und die Doppelsechs um den kampfstarken Santiago Ascacibar das Zentrum dicht machen. Ziel war es, so lange wie möglich hinten die Null zu halten.

Spielverlauf kompakt

  • 1. Minute: Erste Schrecksekunde für die VfB-Fans. Lewandowski wird von Pavard im Strafraum nicht entscheidend gestört und setzt die Kugel ans Außennetz.
  • 7. Minute: Terodde legt mit der Hacke ab auf Akolo, der schließt aus 16 Metern direkt ab und zwingt FCB-Keeper Ulreich zu einer starken Parade.
  • 21. Minute: Wieder lässt Lewandowski den jungen Pavard links liegen, zieht flach ab und scheitert am aufmerksamen Zieler.
  • 36. Minute: Tolisso ist durch hat nur noch Zieler vor sich, visiert die linke untere Ecke an, doch der Stuttgarter Keeper fährt bärenstark den Fuß aus und hält die Null.
  • 40. Minute: Ping-Pong im Stuttgarter Strafraum. Mit vereinten Kräften können Badstuber und Co die Situation bereinigen.
  • 59. Minute: Coman bittet seinen Landsmann Pavard zum Tänzchen und versucht den Ball ins lange Eck zu schlenzen, scheitert aber an Zieler.
  • 66. Minute: Bayerns Innenverteidiger Jerome Boateng hat viel Platz vor sich und schließt aus rund 25 Metern ab. Wieder ist Ron-Robert Zieler zur Stelle und rettet mit einer Hand.
  • 79. Minute: Thomas Müller knackt das schwäbische Abwehrbollwerk. Ascacibar kommt gegen den Nationalstürmer den entscheidenden Schritt zu spät und so kann Müller die Kugel unhaltbar für Zieler in die rechte untere Ecke jagen.
  • 89. Minute: Badstuber kommt nach einer Brekalo-Ecke zum Kopfball. Ulreich klärt ohne Probleme.
  • 92. Minute: Die Bayern kontern über James und Lewandowski und vergeben die endgültige Entschuldung. Zieler rettet zweimal überragend.
  • 94. Minute: Süle holzt im Strafraum Ascacibar um. Schiedsrichter Ittrich entscheidet nach Rücksprache mit dem Videoassistenten auf Elfmeter. Akolo tritt an und versemmelt. Ulreich ahnt die Ecke und rettet den Bayern den Sieg.

Spielentscheider

Der Aufsteiger konnte dem Druck der Bayern lange standhalten und sich auf seinen bärenstarken Torhüter verlassen. Doch wie in den letzten Wochen häufiger, leistete sich die VfB-Defensive wieder eine entscheidende Unachtsamkeit, die Thomas Müller eiskalt ausnutzte. Dennoch hätte sich der VfB in der Nachspielzeit für seinen couragierten Auftritt belohnen können, ließ die Chance aber ungenutzt – auch das ein Spiegelbild der letzten Wochen.

Auf den Punkt gebracht

Bayern-Trainer Jupp Heynckes war nach dem Spiel voll des Lobes für den mutigen Auftritt des Aufsteigers: „Der VfB hat eine hochtalentierte und sehr gut zusammengestellte Mannschaft. Deswegen war es für uns heute nicht einfach, das Spiel zu gewinnen.“ Das Publikum habe heute „ein hochinteressantes, intensives und dramatisches Spiel“ gesehen. „Wenn man den VfB so spielen sieht, kann man nicht verstehen, warum sie so wenige Punkte haben.“

VfB-Trainer Hannes Wolf sah in der emotionalen Schlussphase ein Spiegelbild der letzten Spiel: „Wir waren immer nah dran und gehen am Ende leer aus.“ Chadrac Akolo, der in der Nachspielzeit die große Ausgleichschance vergab, wollte er keinen Vorwurf machen: „ Er hat Verantwortung übernommen, deswegen kein Vorwurf an ihn.“ Mit dem Auftritt seiner Mannschaft war er über weite Strecken sehr zufrieden: „Schade, dass es heute den Moment und den Punkt nicht gibt. Wir haben mit einer guten Aggressivität entwickelt und auch gut gekickt. Jetzt gehen wir mit einer schwierigen, aber lösbaren, Situation in die Rückrunde.“

Ausblick

Die Hinrunde der Bundesliga ist beendet, aber der VfB und der FCB müssen noch im DFB-Pokalachtelfinale ran. Während die Schwaben am Dienstag auswärts in Mainz um den Einzug ins Viertelfinale kämpfen (18.30 Uhr), empfangen die Münchner am Mittwoch in der heimischen Allianz-Arena Borussia Dortmund (20.45 Uhr).

Nach der Winterpause starten die Stuttgarter mit einem Heimspiel gegen Hertha BSC Berlin in die Rückrunde (13.01/15.30 Uhr). Der FCB eröffnet die zweite Halbserie mit seinem Auswärtsspiel in Leverkusen (12.01./20.30 Uhr).


VfB Stuttgart – FC Bayern München 0:1 (0:0)

Stuttgart: Zieler - Baumgartl, Badstuber, Pavard – Aogo (81. Asano), Beck (81. Brekalo) - Gentner, Ascacibar - Akolo, Özcan – Terodde (47. Kaminski)

Bank: Grahl (Tor), Insua, Grgic, Sessa

Trainer: Hannes Wolf

München: Ulreich - Kimmich, Boateng, Hummels (68. Süle), Rafinha - Vidal, Martinez Tolisso (64. Müller) - James, Coman (84. Alaba), Lewandowski

Bank: Starke (Tor), Ribery, Bernat, Rudy

Trainer: Jupp Heynckes

Tore: 0:1 Müller (79.)

Besondere Vorkommnisse: Ulreich hält Foulelfmeter von Akolo (94.)

Schiedsrichter: Patrick Ittrich (Hamburg)

Zuschauer: 58.850 (ausverkauft)