VfB Stuttgart

Torflaute des VfB Stuttgart: Eine Problem-Analyse mit möglichen Lösungsansätzen

Fußball VfB Stuttgart Trainingslager in Marbella
Gespräch im Trainingslager in Spanien: Trainer Pellegrino Matarazzo (re.) mit Stürmer Sasa Kalajdzic. © Pressefoto Baumann

Der VfB Stuttgart steckt mittendrin im Abstiegskampf. Was das Team jetzt braucht? Punkte! Und was benötigt man dafür? Tore! Genau das wollte den Schwaben zuletzt nicht mehr gelingen. Seit fünf Partien in der Bundesliga wartet die Mannschaft von Trainer Pellegrino Matarazzo auf einen Sieg und einen Treffer. Wie soll die Flaute jetzt am Samstag (05.02.) gegen Eintracht Frankfurt ein Ende finden? Eine Problem-Analyse mit möglichen Lösungsansätzen:

Die Hauptprobleme

Fehlende Automatismen: In der vergangenen Saison mischten die Stuttgarter mit ihrem fein austarierten Konterspiel die Liga auf. Die Laufwege stimmten, die richtigen Räume wurden geöffnet und bespielt. Nahezu jede Aktion wirkte scharf und durchdacht. Der VfB war brandgefährlich. In dieser Spielzeit nun das komplette Gegenteil. Verletzungs- und coronabedingt kamen bereits 33 (!) Spieler zum Einsatz. Mit Abstand der höchste Wert in der gesamten Bundesliga. Darunter litt vor allem das Offensivspiel, das viel zu oft berechenbar und behäbig wirkte. Tempowechsel, Präzision und ein gemeinsames Umschaltverhalten waren meist nicht zu sehen. Mitunter schafften es Mangala und Co. allen Widrigkeiten zum Trotz dennoch ins letzte Drittel. Dann fehlte aber häufig ein überraschendes Element, um Unruhe im gegnerischen Abwehrverbund zu stiften. Und so sah sich die VfB-Angriffsreihe immer wieder einem gut sortierten Defensivblock gegenüber, der meist nicht geknackt werden konnte.  

Fehlende Effektivität: Viele sogenannte „100 prozentige Torchancen“ hatte der VfB nicht. Und die wenigen klaren Gelegenheiten wurden meistens versiebt. Diese subjektive Wahrnehmung lässt sich mit Hilfe des „Expected-Goals-Modell“ auch statistisch untermauern. Das zeigt an, wie hoch die Chance auf das Tor wirklich war und berechnet für jeden Abschluss anhand mehrerer Faktoren einen Wert. So kann bei jeder Torchance klar bestimmt werden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, dass der Ball von diesem Punkt aus im Tor landet. „xG 0,25“ bedeutet also: 25 von 100 Schüssen aus dieser Position führen zu einem Treffer. Mit Blick auf die Expected Goals pro Torschuss landet der VfB auf dem vorletzten Platz in der Bundesliga. Auch das ein Grund für die aktuelle Misere. Aber nicht nur die Qualität der Abschlüsse ließ oft zu Wünschen übrig, auch die Zielstrebigkeit und der Zug zum Tor gingen dem Team immer wieder ab.

Fehlendes Selbstvertrauen: Nicht mit Daten messbar ist die mentale Komponente der Stuttgarter Torflaute. Doch fünf Spielen ohne Torerfolg hinterlassen Spuren, sie säen in den Köpfen der Spieler Zweifel an den eigenen Stärken. Umso wichtiger dürfte es für die Mannschaft gewesen sein, das Testspiel zum Abschluss des Kurz-Trainingslagers im spanischen Marbella mit einem Erfolgserlebnis beendet zu haben. Zwar klemmte der Vorwärtsgang auch beim 2:1-Sieg gegen den russischen Erstligisten FK Rostow, doch letztlich brachte der quirlige Alexis Tibidi mit einem Tor und einem herausgeholten Elfmeter kurz vor dem Abpfiff noch die Wende. Kein großer Schritt im Abstiegskampf, aber womöglich ein erster kleiner Schritt, um den Glauben an die durchaus vorhandenen Qualitäten im Kader wieder zu wecken.

Mögliche Lösungsansätze

Viererkette: Die vielen Personalrochaden im Lauf der Hinrunde wollte Trainer Pellegrino Matarazzo mittels einer festen Grundausrichtung (meist ein 3-4-2-1-System) auffangen. „Aber jetzt stehen wieder mehr Spieler zur Verfügung, so dass wir auch wieder variabler agieren werden“, so der Stuttgarter Chefcoach. In Marbella wurde daher verstärkt auch die Viererkette einstudiert. Eine Umstellung vom bisherigen System mit den Wingbacks, die sowohl defensiv als auch offensiv ein enormes Pensum ableisten müssen, auf einer „klassische“ Viererkette mit zwei Außenverteidigern und zwei klaren Innenverteidigern wäre eine Entlastung für die offensiven Flügelspieler. Mit einem Verteidiger im Rücken könnten sich die Außenbahnspieler vermehrt auf ihre Aufgaben in der gegnerischen Hälfte konzentrieren. Darüberhinaus könne man mit einer Viererkette in der Balleroberung einen zusätzlichen Konterspieler auf der Zehner-Position einsetzen, so Matarazzo.

Überraschungsfaktor: Von Neuzugang Tiago Tomás erhofft sich der Trainer frischen Schwung. Der portugiesische U-21-Nationalspieler, der beim VfB als zentraler Stürmer oder Rechtsaußen eingeplant ist, mache insgesamt einen „sehr guten Eindruck“, so Matarazzo. „Er ein Spieler mit Speed und Tiefgang“, der schon im Laufe der Rückrunde ein „wichtiger Faktor“ werden könne. In seiner Heimat war Tomás jedoch nicht als Knipser bekannt. Wohl aber als fleißiger Arbeiter, der sich für keinen Weg zu schade ist. „Er bringt viele Eigenschaften mit, die unser Spiel im Offensivbereich variabler machen“, sagt Sportdirektor Sven Mislintat, der hofft, das Spiel der Schwaben durch die Leihgabe von Sporting Lissabon ein Stück weit unberechenbarer zu machen.

Comebacker: Die großen Hoffnungen ruhen nach wie vor auf Stoßstürmer Sasa Kalajdzic und Flügelflitzer Silas Katompa Mvumpa. Beide waren lange verletzt, beide sind immer noch nicht wieder bei voller Leistungsfähigkeit. Jedoch konnten die Angreifer in der Länderspielpause intensiv mit der Mannschaft trainieren. Neben athletischen Einheiten stand dabei auch Detailarbeit auf dem Trainingsplan. Wann pressen die Stürmer? Wann soll aufgedreht werden? Wann welcher Laufweg gewählt werden? In Marbella und anschließend auf den Anlagen in Bad Cannstatt wurde diesbezüglich noch einmal nachgeschärft. Am Samstag gegen Frankfurt dürfte das Duo endlich einmal wieder zusammen in der Startelf stehen. Und in die Mercedes-Benz-Arena dürfen dann nach zähen Monaten vor lediglich ein paar hundert Zuschauern bis zu 10.000 Fans. Auch dieses Comeback soll die Mannschaft beflügeln. Pellegrino Matarazzo verspricht jedenfalls vollen Einsatz: „Wir sind Feuer und Flamme, alle wollen, jeder Spieler will.“