VfB Stuttgart

"Union gehört zu den Aufstiegsfavoriten"

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VfB-Stürmer Simon Terodde ist ein echter Teamplayer: "Mein Spielstil ist es nicht drei Mann aussteigen zu lassen und den Ball dann in den Winkel zu hauen." © Danny Galm

Stuttgart.
Für Stuttgarts Stürmer Simon Terodde ist das Gastspiel bei Union Berlin ein ganz besonderes Spiel: Von 2011 bis 2014 stand er für die "Eisernen" auf dem Platz und erzielte in dieser Zeit 23 Tore in der 2. Bundesliga. Nach zwei Jahren beim VfL Bochum kam der 28-Jährige im Sommer als Torschützenkönig zum VfB. Vor dem Duell mit seinem Ex-Club am Sonntag (13:30 Uhr/ZVW-Liveticker) sprach er am Mittwoch im Interview mit ZVW.de über den sonntäglichen Gegner, seine Anfangszeit in Stuttgart und seinen Spielstil:

Herr Terodde, habe Sie noch Kontakt zu alten Berliner Teamkollegen?

Das ist jetzt schon zwei Jahr her, aber mit Michael Parensen und Damir Kreilach stehe ich immer noch in Kontakt. Wir telefonieren regelmäßig. Michael ist ein guter Freund von mir.

Was sagen Ihre alten Kollegen, wenn jetzt am Sonntag der VfB kommt?

Michael ist seit zwei Wochen verletzt, deshalb haben wir über das Spiel noch gar nicht viel geredet. Es ist für uns ein sehr wichtiges Spiel, weil Union extrem heimstark ist und uns alles abverlangen wird. Sie haben jetzt zwar zweimal verloren, gehören aber sicherlich auch zu den Aufstiegsfavoriten.

Warum rechnen Sie die Berliner zu den Mitkonkurrenten um den Aufstieg, was zeichnet Union aus?

In den letzten Jahren sind die Berliner immer konstant im Mittelfeld gelandet. Sie haben dieses Jahr den Anspruch den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Die Rahmenbedingungen mit den tollen Fans und dem Stadion sind optimal. Die Mannschaft hat im Sommer nicht viele Spieler verloren und nur wenige neue dazu bekommen. Berlin hat eine eingespielte Truppe und das sieht man auch auf dem Platz. Sie stehen verdient da oben.

Wie sind ihre persönlichen Erinnerungen an die Zeit in Berlin?

Union war meine erste richtige Station in der zweiten Liga. Es war immer schön in der Alten Försterei zu spielen. Die Fans standen hinter dir, auch wenn du mal einen Fehler gemacht hast. Die Heimspiele dort waren immer ein Highlight. Am Ende hat es aber nicht mehr so gepasst und ich bin dann nach Bochum gewechselt.

Was hat nicht mehr gepasst?

Ich habe nicht mehr so viel Spielzeit bekommen. Dann kam mit Norbert Düwel ein neuer Trainer und mir wurde signalisiert, dass der Verein mir für einen möglichen Wechsel keine Steine in den Weg legen würde.


Von der Stimmung und der Spielweise wird es eine ähnliche Partie, wie gegen Dynamo Dresden…

Spielweise und Stimmung werden der Atmosphäre in Dresden ähneln. Auch in der Alten Försterei wird eine aggressive Stimmung herrschen. Ihre Spielweise haben sie ein wenig umgestellt und Berlin wird am Sonntag viel mit Gegenpressing spielen und uns keine Ruhe geben. Dafür müssen wir Lösungen finden. Wir wollen Berlin unbedingt auf Abstand halten und möglichst einen Vorsprung herausspielen. Das wird ein heißes Duell am Sonntag.

Wie würden Sie ihre bisherige Zeit hier in Stuttgart zusammenfassen?

Als ich gekommen bin war die Erwartungshaltung sehr hoch. Das hat man gemerkt, sobald man mit den Fans gesprochen hat. Da wurde ich beispielsweise gefragt, wie viele Tore ich schießen werde (lacht). In den ersten Wochen hatten wir ein paar Durchhänger, aber im Moment sind wir gefestigt. Durch die drei Neuzugänge haben wir nochmal eine enorme Qualität dazubekommen und ich bin froh, dass ich der Mannschaft mit meiner Spielweise und den Toren helfen kann.

Würden Sie sagen, dass der VfB und Simon Terodde in die Bundesliga gehören?

Unser klares Ziel ist es in die erste Liga aufzusteigen. Da haben aber auch 17 andere Mannschaften etwas dagegen. Am Ende bleiben sieben acht Mannschaft übrig, die ernsthaft aufstiegen wollen. Wir haben die letzten drei Spiele ordentlich Gas gegeben und daran wollen wir am Sonntag anknüpfen.

Mittlerweile sind Sie ein gestandener Zweitliga-Stürmer. Schlummert in Ihnen auch der Wunsch sich irgendwann in der Bundesliga zu etablieren?

Ich hatte schon fünf Kurzeinsätze in der Bundesliga (in der Saison 2010/11 für den 1. FC Köln Anm. d. Red.). Es wäre natürlich schön, wenn da noch ein paar mehr dazu kommen würden. Im Sommer habe ich mich allerdings bewusst für den VfB Stuttgart entschieden, obwohl der Verein gerade in die zweite Liga abgestiegen war.

Warum haben Sie sich im Sommer für den Zweitligisten Stuttgart entschieden, obwohl es auch Angebote aus der Bundesliga gab?

Einen Verein wie den VfB Stuttgart findest du auch in der Bundesliga nicht oft. Wir haben im Schnitt fast 50.000 Zuschauer. Hinzu kommen die guten Rahmenbedingungen und das große Einzugsgebiet des VfB. Für mich, der den Fußball schon seit 20 Jahren verfolgt, war es kein Rückschritt nach Stuttgart zu wechseln. Nach den für mich persönlich erfolgreichen Jahren in Bochum wollte ich zu einem Verein, der den Anspruch hat in der Bundesliga zu spielen.


Ihre Anfangszeit in Stuttgart verlief ein wenig schleppend. Nun haben Sie gegen Bielefeld gleich drei Tore erzielt. Ist der Knoten jetzt geplatzt?

Ich bin ein Mannschaftsspieler und profitiere von unserer Spielweise. Mein Spielstil ist es nicht drei Mann aussteigen zu lassen und den Ball dann in den Winkel zu hauen. Auf die Zuspiele meiner Mannschaftskollegen bin ich angewiesen. In den ersten Spielen mussten wir uns noch finden, aber in den letzten Spielen hat man gesehen, dass wir mannschaftlich besser spielen. So komme auch ich zwangsläufig in Positionen, aus denen ich treffen kann.

Wie würden Sie ihre Rolle innerhalb der Mannschaft charakterisieren?

Ich versuche immer meine Stärken einzubringen. Durch meine Leistungen möchte ich vorangehen. Ich bin kein extrovertierter Spieler, der auf dem Platz rumschreit. Ich versuche vielmehr etwas Ruhe reinzubringen.

Können Sie die Vorgeschichte zu ihrem Torjubel erläutern?

Wir haben damals mit Union Berlin in Duisburg gespielten und ich habe ein Tor gemacht. Meine Eltern saßen auf der Tribüne oben und dann habe ich sie mit dieser Geste gesucht. Das hat mir Glück gebracht und deshalb habe ich es beibehalten.

Aktuell stehen Sie auf Platz eins der deutschen Stürmerliste. Wie gehen Sie damit um?

Also vor zwei Wochen stand ich da noch nicht (lacht). Ich bin im Moment in einer Phase in der du weißt, dass du nicht viele Chancen für ein Tor brauchst. Diese Torjägerliste spielt für mich keine Rolle. Ich will Spiele gewinnen und ob ich treffe oder nicht, ist mir erst mal egal.

Die VfB-Legende Hermann Ohlicher hat Sie nach dem Bielefeld-Spiel mit Dieter Hoeneß und Horst Hrubesch verglichen. Wie nehmen Sie so ein Lob auf?

Das ehrt mich zunächst einmal. Hoeneß und Hrubesch waren jetzt nicht ganz meine Zeit, aber unser Physiotherapeut Gerhard Wörn hat mit Dieter Hoeneß zusammengespielt und mir von Hoeneß erzählt. Er war wohl ein richtiger Brecher.

Herr Terodde vielen Dank für das Gespräch.

Gerne geschehen.