VfB Stuttgart

VfB-Fanclub Bermuda Schwoiga zur anstehenden Mitgliederversammlung - Hand aufs Herz: Vogt oder Steiger?

Bermuda Schwoiga
Wirt Jayssen mit Daniel und Katrin Bräckle und Bermuda-Vorstand Timo Scheufler (von links) im Bahnhofständle. © Gabriel Habermann

Bleibt Claus Vogt Präsident des VfB Stuttgart? Oder entscheiden sich die Mitglieder des Vereins aus dem Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt in der Wahl am kommenden Sonntag für den Herausforderer und in der Gegend bestens bekannten Präsidenten der Winnender Björn Steiger Stiftung, Pierre-Enric Steiger? „Wir haben eine klare Tendenz und die geht zu Claus Vogt. Aber natürlich werden wir uns am Sonntag anhören, was Herr Steiger zu sagen hat“, bekennt sich Timo Scheufler, Vorstand des VfB-Fanclubs Bermuda Schwoiga.

Das Bahnhofständle ist Treffpunkt der Fanclub-Mitglieder

Er hat das Ständle am Bahnhof, eine waschechte Kneipe vom alten Schlag, geführt vom kultigen Wirt Jayssen, als Treffpunkt mit der Zeitung vorgeschlagen. Ein Schild am Eingang weist die Gäste beim Eintreten darauf hin, dass dies die Stammpinte der Bermudas ist. Wer es eilig hat und den Hinweis übersieht, dem fällt es spätestens im Inneren auf. Ein „Bermuda Schwoiga“-Schriftzug samt dunkelrotem Brustring und Fanclublogo ziert die ansonsten weiße Wand. „Vor Heimspielen oder Auswärtsfahrten treffen wir uns immer hier. Dann fahren wir geschlossen nach Cannstatt oder warten auf den Bus“, erzählt Scheufler, nachdem er einen Tisch und mehrere Stühle in den Außenbereich des Bahnhofständles gehievt hat. Von dort kann man das Treiben am Bahnsteig beobachten, die Gleise sind nur wenige Meter entfernt. Fährt eine Bahn ein, muss lauter gesprochen werden.

Nach pandemiebedingten Ausfällen ist mit einer Marathon-Versammlung zu rechnen

Jayssen stellt eiskalte Halbe und Weizenbier auf den Tisch. Denn auch Daniel und Katrin Bräckle sind inzwischen eingetroffen, ebenfalls stolze Bermuda- und VfB-Mitglieder. Gemeinsam mit Scheufler werden sie am Sonntag die Mitgliederversammlung besuchen. Die VfB-Fans erwartet nach ausgefallenen Versammlungen eine Mammutsitzung. Man geht von mindestens acht Stunden Programm aus. Alles natürlich unter strengen Hygiene- und Coronaregeln. Ob sich die drei trotzdem Sorgen machen, schließlich wird eine vierstellige Teilnehmerzahl erwartet? „Eigentlich nicht. Wir sind alle durchgeimpft. Es fühlt sich sicherer an, als noch im vergangenen Jahr. Aber natürlich ist man vorsichtig“, antwortet Timo Scheufler. Außerdem sei es ja im Stadion, also an der frischen Luft. „In der Halle würde ich mir mehr Sorgen machen“, sagt Katrin Bräckle.

Timo Scheufler und ein Anruf von Pierre-Enric Steiger

Jetzt aber mal Hand aufs Herz: Warum geht die Tendenz zu Claus Vogt? „Zu Beginn des Wahlkampfes habe ich beiden 50 Prozent eingeräumt. Aber je mehr Veranstaltungen ich mir angeschaut habe, umso mehr hat es sich Steiger bei mir verspielt“, meint der Bermuda-Vorstand Timo Scheufler. Vor einigen Wochen habe er mit ihm telefoniert, die Kontaktaufnahme sei über eine Mitarbeiterin Steigers erfolgt. „Das war ein nettes Gespräch. Aber mir hat da ein bisschen sein Matchplan gefehlt. Also etwas, mit dem er mich überzeugen konnte“, erzählt Scheufler. Sauer aufgestoßen sei ihm dann, dass jene Mitarbeiterin von Steiger, mit der er einige Male telefoniert hatte, bei einer offiziellen VfB-Veranstaltung unangenehme Fragen an den amtierenden VfB-Präsidenten Claus Vogt gestellt hat. „Da bin ich fast vom Glauben abgefallen, denn als Mitarbeiterin von Steiger hat sie sich nicht geoutet. Sowas geht einfach nicht“, meint Scheufler.

„Der Herr Steiger hat sich ja bei Auftritten auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Da habe ich teilweise nur noch mit dem Kopf geschüttelt. Und dann hockt er da mit einem blauen Blümleshemd. So kann er Präsident bei den Kickers werden, aber doch net bei uns“, frotzelt Daniel Bräckle und macht deutlich, wen er nicht wählen wird.

Tacheles am Bahngleis. Immer wieder begrüßen andere Kneipengäste die Bermudas, klopfen auf den Tisch. Einer kommt mit einem Hund, der sich direkt eine Streicheleinheit abholt. Drinnen fliegen Pfeile auf die Dartscheibe, während draußen mal wieder eine S-Bahn einfährt. Wirt Jayssen schaut nach dem Rechten. „Will jemand noch ein Bier?“

Punktet der Herausforderer als Lokalmatador?

Am Tisch abseits der Gleise geht es derweil munter weiter. Kann Pierre-Enric Steiger denn nicht wenigstens als Lokalmatador und mit seiner geleisteten Arbeit in der Winnender Stiftung punkten? „Klar kommt er direkt aus der Umgebung. Aber seine Auftritte machen diesen Bonus komplett kaputt. Beim Steiger hab ich koi gut’s G’fühl“, antwortet Daniel Bräckle. Timo Scheufler steigt mit ein. Steiger habe ohne Frage gute Arbeit in der Stiftung geleistet. „Und dass er ein super Netzwerk hat, das bezweifle ich auch überhaupt nicht. Aber ich glaube einfach, dass er nicht der richtige Mann für einen Fußballverein in dieser Größe ist“, meint er.

Katrin Bräckle steuert bei, dass es ihrer Meinung nach auch gar keinen Grund für einen neuen Präsidenten gebe. Mit Claus Vogt habe der Verein mal wieder einen in dieser Position, der auch vor einem Mikrofon einen guten Eindruck mache. „Dass es beim VfB jetzt endlich eine Frauenfußballabteilung gibt, auch junge Mädchen für den Verein spielen können, das finde ich großartig“, freut sie sich.

Auch wie er sich im Zuge der Datenaffäre für die Mitglieder eingesetzt habe, sei beachtlich. „Und ehrlich isch er au. Er will die Mitgliedsbeiträge erhöhen und sagt das im Wahlkampf. Das hätten viele andere wahrscheinlich nach der Wahl einfach durchgesetzt“, vermutet ihr Ehemann Daniel Bräckle und nimmt einen beherzten Schluck aus dem Weizenbierglas.

Passiert noch etwas vor der Versammlung?

Für die drei Bermuda-Mitglieder ist klar, dass Claus Vogt VfB-Präsident bleibt. „Ich rechne damit, dass er um die 80 Prozent bekommt“, vermutet Scheufler. Für ganz unwahrscheinlich halte er es allerdings auch nicht, dass bis zur Veranstaltung oder auf der Selbigen, von wem auch immer, noch etwas ausgegraben werde, um dem amtierenden Präsidenten zu schaden. Sonst wäre es ja nicht sein VfB.

Spiele im Stadion nur für Geimpfte?

Fußballspiele im Stadion nur für Geimpfte? Ein Vorschlag, der in den vergangenen Tagen und Wochen rauf und runter diskutiert wurde. Die Bermuda-Mitglieder halten davon nichts. „Ich bin sogar dafür, dass die Geimpften noch einen Schnelltest machen“, sagt Daniel Bräckle. Wer wisse schon, ob man nicht doch infiziert sei, jemanden der nicht geimpft ist, ansteckt.

Gut finden es die drei in jedem Fall, dass vorerst nur 25 000 Zuschauer ins Stadion dürfen. „Lieber erst einmal vorsichtiger und später dafür richtig und voll besetzt“, meint Timo Scheufler. Er sehe die Gefahr, dass wieder ein Jahr lang vor leeren Rängen gekickt werde, wenn man jetzt zu früh öffne. Daher befürworte er es auch, dass es beim VfB vorerst keine Dauerkarten zu kaufen gibt.

Mehr als zufrieden sind Timo Scheufler sowie Katrin und Daniel Bräckler mit der abgelaufenen Saison. „Das hat endlich mal wieder richtig Spaß gemacht“, sagt Katrin Bräckler. Für die anstehende Runde wünsche man sich eine ähnlich ruhige Saison, wenn möglich ohne Abstiegskampf. „Ein einstelliger Tabellenplatz wäre super. Mir ist aber auch bewusst, dass das zweite Jahr nach einem Aufstieg immer sehr schwierig ist. Die Verantwortlichen machen alles richtig, in dem sie den Klassenerhalt als Ziel ausgeben“, meint Daniel Bräckler. Bisher konnte man die Mannschaft großteils zusammenhalten. „Der Abgang von Gonzalez ist nicht wirklich schmerzhaft, schließlich war er in der vergangenen Saison meistens verletzt“, sagt Scheufler. Im Sturmzentrum sieht er das Team von Pellegrino Matarazzo noch zu dünn besetzt. „Wenn Kalajdzic ausfällt, wird es problematisch.“

Sorgen machen sich die drei VfB-Fans, dass das Trio Matarazzo, Mislintat und Hitzlsperger auseinander bricht, wenn die Machtkämpfe innerhalb des Vereins weiterschwelen.

Die Mitgliederversammlung findet am Sonntag, 18. Juli, in der Mercedes-Benz-Arena statt. Beginn: 11 Uhr.

Bermuda Schwoiga hat sich am 4. November 2017 gegründet und inzwischen 175 Mitglieder. Diese kommen nicht nur aus Schwaikheim, sondern auch aus Winnenden, Waiblingen, Stuttgart oder Korntal-Münchingen. Auch über die Pandemie hinweg, kamen Mitglieder hinzu.