Bundesliga

VfB muss im Abstiegskampf umdenken: Warum die Relegation plötzlich reizvoll ist

VfB Stuttgart
VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo (r) und seine Spieler lassen nach dem 1:1 gegen Wolfsburg die Köpfe hängen. © Tom Weller

So schmerzhaft sie 2019 war, so reizvoll erscheint dem VfB Stuttgart die Relegation drei Jahre später. Der Glaube an den direkten Verbleib in der Fußball-Bundesliga ist bei den Schwaben nach dem 1:1 (0:1) gegen den VfL Wolfsburg spürbar gesunken.

Sportdirektor Sven Mislintat: Müssen uns "nach unten absichern"

Der Rückstand auf den Nichtabstiegsplatz 15 beträgt weiter vier, der Vorsprung auf den Abstiegsrang 17 weiter zwei Punkte. Statt drei hat der VfB aber nur noch zwei Spiele - das erste davon kommenden Sonntag beim alten und neuen deutschen Meister FC Bayern München. Die Stuttgarter blicken nach unten statt nach oben - und richten sich auf zwei Zusatzspiele ein.

«Das, was wir in der Hand haben, ist die Relegation», sagte Trainer Pellegrino Matarazzo. Daher sei diese nun «das erste Ziel». Auch Sportdirektor Sven Mislintat geht es in erster Linie darum, sich «nach unten abzusichern». Womöglich ist der Tabellenvorletzte Arminia Bielefeld schon am VfB vorbeigezogen, ehe dieser in München aufläuft. Die Lage der Stuttgarter ist so gefährlich, dass sie die möglichen K.o.-Spiele gegen den Zweitliga-Dritten zunehmend als Chance denn als Bürde empfinden. Vor drei Jahren war der VfB an Union Berlin gescheitert und zum zweiten Mal in drei Jahren abgestiegen.

Dass die direkte Rettung überhaupt noch möglich ist, war den späten Toren zu verdanken. Chris Führich belohnte den Aufwand des bemühten, über weite Strecken aber wieder einmal harmlosen VfB gegen Wolfsburg in der 89. Minute noch mit dem 1:1. Im Parallelspiel glich Bielefeld noch zum 1:1 gegen die Hertha aus. Die Hoffnung, ohne Umweg drin zu bleiben, lebt also noch in Stuttgart. So klein sie auch ist.

Problem seit Wochen: Harmlose Offensive und fehlende Durchschlagskraft

Denn noch nie seit Einführung der Drei-Punkte-Regel wurde zu so einem späten Zeitpunkt einer Saison ein so großer Rückstand auf den Tabellenviertletzten der Bundesliga noch aufgeholt. Und mit dem Toreschießen tut sich der VfB nach wie vor schwer.

Erstmals seit über einem Monat gelang Matarazzos Team gegen den VfL wieder ein Treffer aus dem Spiel heraus. Angesichts ihrer Moral, die sie nach dem frühen Rückstand durch John Anthony Brooks (13.) an den Tag legten, hatten sich die Stuttgarter den verdient.

Darüber, dass es ihnen grundsätzlich im letzten Drittel an zündenden Ideen und Durchschlagskraft mangelt, konnte er aber nicht hinwegtäuschen. Sasa Kalajdzic war wie beim enttäuschenden 0:2 bei der Hertha eine Woche zuvor kaum ein Faktor. Matarazzo und Mislintat lobten seinen Einsatz und seine Laufarbeit, Torgefahr erzeugte der Stürmerstar aber nicht.

Kämpferisch zeigten sich die Schwaben gegenüber der Niederlage in der Hauptstadt verbessert. Den von Matarazzo geforderten Mut mussten sie sich laut ihres Trainers im Laufe des Spiels aber erst erarbeiten. «Wir müssen jetzt weitermachen, dranbleiben, Tag für Tag hart arbeiten», sagte Joker und Torschütze Führich. Im Abstiegskampf sei jeder Punkt wichtig. Teamkollege Kalajdzic räumte aber auch ein, dass er «in unserer Situation einen Tick zu wenig ist».

Dass die Bayern mit 1:3 beim 1. FSV Mainz 05 verloren und demnach auf Wiedergutmachung aus sein könnten, erschwert die Stuttgarter Aufgabe am kommenden Wochenende womöglich noch. «Es ist klar, dass sie nicht zweimal in Folge verlieren wollen und zuhause wahrscheinlich sehr gerne mit einem Sieg ihren Titel feiern wollen», sagte Matarazzo.

Auch Mislintat glaubt nicht, dass der Rekordmeister es schleifen lässt. «Ich bin mir sehr sicher, dass es einer absoluten Topleistung bedarf um dort etwas mitzunehmen», betonte er. Nimmt der VfB nichts mit, war's das endgültig mit der direkten Rettung. So nahe wie sie sich im Moment des Führich-Treffers angefühlt haben mag, ist sie aber ohnehin nicht. Und daher die Relegation plötzlich auch so reizvoll.