VfB Stuttgart

VfB Stuttgart in akuter Abstiegsgefahr: Was Trainer Matarazzo jetzt ändern muss

Pellegrino Matarazzo
Pellegrino Matarazzo ist nach dem enttäuschenden 0:2 in Berlin gefragt: Wie kann der Trainer des VfB Stuttgart seine Mannschaft noch vor dem Abstieg retten? © Danny Galm

Nach der 0:2-Niederlage gegen Hertha BSC schwebt der VfB Stuttgart in akuter Abstiegsgefahr. Bei vier Punkten Rückstand aufs rettende Ufer bleibt als letzter Ausweg wohl nur noch die Relegation. Doch nach dem enttäuschenden Berlin-Spiel, das auf fast allen VfB-Ebenen einem Offenbarungseid gleichkam, scheinen nicht mal mehr die beiden Duelle gegen den Tabellendritten der zweiten Liga gesichert. Es bleiben also nur noch drei Partien, um den möglicherweise dritten Abstieg in den letzten sechs Jahren zu verhindern. Wir erklären, welche Kniffe Trainer Pellegrino Matarazzo im Abstiegskampf noch bleiben – und was er vor dem Wolfsburg-Spiel ändern könnte.

1. Umgangston mit der Mannschaft verschärfen

So scharf wie nach dem 0:2 in Berlin haben die VfB-Verantwortlichen ihre Profis in dieser Saison noch nicht kritisiert. „Es ist völlig unwichtig, wie die Jungs unter der Woche trainieren oder wie laut sie in der Kabine sind. Das Einzige, das zählt, ist, was auf dem Platz passiert. Und da waren wir nicht da“, lautet die ungewohnt direkte Analyse von Coach Matarazzo. Auch Sportdirektor Sven Mislintat sprach nach Abpfiff vom „schlechtesten Saisonspiel“ seiner Elf und versprach eine „knallharte Analyse“.

Vieles deutet also darauf hin, dass den VfB-Profis in dieser Woche ein anderer Wind entgegenweht. Dieser ist auch dringend nötig. Es geht um nicht weniger als das sportliche Überleben des Clubs – die Schonzeit (auch für die jungen und in der Entwicklung steckenden) Spieler muss spätestens nach dem desaströsen Auftritt in Berlin vorbei sein. Mit einem klareren und direkteren Ton könnte Trainer Matarazzo die Sinne der Profis schärfen. Auch, um am Spieltag direkt nach Anpfiff voll da zu sein - und nicht wie in Berlin die ersten 30 Minuten komplett zu verschlafen.

2. Die Angst aus den Köpfen der Spieler bekommen

Neben einer verschärften Ansprache an die Mannschaft braucht es gleichzeitig aber auch einen ruhigen Geist, der das Geschehene im Berlin-Spiel analysiert und aufarbeitet. Bereits vor dem Auswärtsspiel in der Hauptstadt erklärte Pellegrino Matarazzo, dass er sehr viele Einzelgespräche mit seinen Profis geführt habe. Diese sind auch vor dem Wolfsburg-Spiel gefragt. Der schwache Auftritt von Orel Mangala und Co. in Berlin lässt sich auch durch Angst, Verunsicherung und schwachen Nerven erklären.

„Wie wir den ersten Eckball verteidigen oder das Gegentor kassieren ... dafür gibt es keine Ausreden“, sagte der sichtlich geknickte VfB-Coach nach dem Spiel. Angst lähmt – und diesen Eindruck erweckten einige Profis auf dem Rasen des Olympiastadions. Mit Einzelgesprächen könnte es Matarazzo und seinem Trainerteam in dieser Woche gelingen, die Angst aus den Köpfen seiner Spieler zu bekommen – und den Spaß zurückbringen. Sonst sieht es gegen den VfL Wolfsburg düster aus.

3. Die Offensive wieder in Schwung kriegen

Es ist ein Thema, dass sich durch die ganze Saison zieht: der teils schwache und harmlose Angriff der Schwaben. In den letzten vier Partien konnte der VfB nur einen Treffer erzielen – und das durch einen Elfmeter. Seit drei Spielen warten Sasa Kalajdzic und Co. sogar gänzlich auf einen Treffer im Trikot mit dem roten Brustring. Die bereits bekannte Torflaute kommt zum ungünstigsten Zeitpunkt zurück.

Obwohl die Datenanalysten den Stuttgartern in Berlin zwölf Torschüsse attestierten, war davon keiner wirklich zwingend oder gefährlich. Dass Verteidiger Konstantinos Mavropanos nach einem Sololauf den gefährlichsten Abschluss des Spiels hatte, spricht für sich. Durch Trainingseinheiten, deren Schwerpunkte auf das Herausspielen von Torchancen im letzten Drittel oder Abschlusssituationen liegen, könnte den Angreifern neues Leben eingehaucht werden. Denn das nötige Selbstvertrauen, dass die Stürmer zum Toreschießen brauchen, scheint in Bad Cannstatt gerade Mangelware zu sein.

4. Keine Angst vor personellen Konsequenzen haben

Spätestens nach dem Berlin-Spiel ist klar: Noch nicht jeder VfB-Profi hat verstanden, worum es im Abstiegskampf geht. Mittelfeldspieler Orel Mangala etwa erhielt für seinen mehr als enttäuschenden Auftritt in den ZVW-Einzelkritiken die Note 6. Auch Alexis Tibidi fiel in der Hauptstadt vor allem durch eine Aktion auf, bei der er trotz Rückstand versuchte, eine Karte zu schinden – und damit Zeit von der Uhr nahm. Der Youngstar musste von einem VfB-Betreuer wortwörtlich wieder auf den Rasen zurückgestoßen werden.

Pellegrino Matarazzo gab im Laufe dieser Spielzeit bereits zu, dass er lange Zeit auf die falschen Spieler setzte. Als Konsequenz daraus spielt etwa Roberto Massimo derzeit keine Rolle mehr. Diese Möglichkeit hätte der VfB-Coach jetzt erneut. Spielertypen wie Corona-Rückkehrer Atakan Karazor, Philipp Förster oder auch Erik Thommy sind jetzt gefragt. Matarazzo darf keine Rücksicht mehr auf Befindlichkeiten einzelner Spieler nehmen - und könnte auch ein personelles Ausrufezeichen setzen.

5. Mutig sein und das Risiko nicht scheuen

Felix Magath beweist: Die Zeit für Experimente in Berlin ist vorbei. Der Trainer-Guru setzt auf altbekannte Methoden, um sein Team in der Liga zu halten. Der VfB hat jedoch einen anderen Weg eingeschlagen: Eine junge, entwicklungsfähige Mannschaft soll den Club langfristig gesehen wieder nach oben bringen. Alte Haudrauf-Methoden wirken angesichts dessen fehl am Platz - und passen nicht zur Philosophie von Trainer Pellegrino Matarazzo.

Eine Methode könnte also sein, genau ins Gegenteil zu denken. Warum nicht einen jungen, unverbrauchten Profi wie Enzo Millot gegen Wolfsburg auf den Platz schicken? Und was ist mit Ömer Beyaz oder Wahid Faghir? Schlechter als etwa Orel Mangala können es die jungen Profis kaum machen. Zudem kann die Matarazzo-Elf beim gefühlt aussichtslosen Gastspiel in München nur gewinnen. Es könnte also an der Zeit sein, „all in“ zu gehen – und Mut zum Risiko beweisen.