VfB Stuttgart

VfB taumelt in Richtung 2. Liga: Wenn selbst der Trainer ratlos wirkt

Fußball VfB Stuttgart vs. Eintracht Frankfurt
Wirkte nach dem Frankfurt-Spiel müde, zerknirscht und ratlos: VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo. © Pressefoto Baumann

Die Niederlage gegen Eintracht Frankfurt war das sechste sieglose Spiel in Serie für den VfB Stuttgart. Die Schwaben taumeln scheinbar ungebremst dem dritten Abstieg innerhalb von sechs Jahren entgegen. Auch das Kurz-Trainingslager in Marbella brachte nicht die erhoffte Wende. Und plötzlich wirkt selbst Trainer Pellegrino Matarazzo ratlos.

„Das positive Gefühl war nach der Anfangsphase zu schnell weg“

Um die Liga zu halten, sollte die Mannschaft aus den verbleibenden 13 Spielen mindestens 20 Punkte holen. Die Gegner sind neben der direkten Konkurrenz aus Bochum, Augsburg und Bielefeld auch die Schwergewichte Bayern, Leverkusen und Dortmund. Die Mission Klassenverbleib wird immer komplizierter. Und auch immer aussichtsloser? 

Die jüngsten Kniffe der sportlichen Leitung sind jedenfalls fürs Erste wirkungslos verpufft. Mit frischem Schwung und einer neuen taktischen Grundausrichtung wollte Matarazzo im Heimspiel gegen Frankfurt die Wende im Abstiegskampf einleiten. Doch bereits nach sieben Minuten und vier gegnerischen Ecken waren alle Planspiele des Tabellenvorletzten über den Haufen geworfen.

„Das positive Gefühl war nach der Anfangsphase zu schnell weg“, ärgerte sich Matarazzo im Nachgang. „Wir müssen herausfinden, warum wir so verunsichert waren.“ Viel Zeit für die Fehlersuche bleibt dem Coach dabei nicht. Die Chancen, sich aus dem Schlamassel zu befreien, werden immer weniger. Und eine Trendwende ist aktuell nicht in Sicht.

Zerknirscht, müde und ratlos

Auf der Pressekonferenz nach dem 2:3 (1:1) gegen die Eintracht wirkte der Stuttgarter Cheftrainer zerknirscht, müde und ratlos. Auf die Frage, welcher Spieler beim Eckball vor dem Frankfurter 2:1 kurz nach dem Halbzeitpfiff eingeteilt war, antwortete er schmallippig mit: „Spieler X“. Selbst die handelsüblichen Floskeln („Wir werden weiter hart arbeiten und kämpfen“) kamen dem Italoamerikaner nach dem (mal wieder) enttäuschenden Auftritt seiner Mannschaft nur halbherzig über die Lippen. 

Dabei hatten Matarazzo und das Trainerteam die Spieler aufgrund der Länderspielpause quasi zwei Wochen lang ungestört nur auf die Partie gegen Frankfurt vorbereiten können. Für sechs Tage wurde sogar ein Kurz-Trip nach Spanien organisiert. Alles ohne Erfolg. Der vielbeschworene „Geist von Marbella“ wurde ganz offensichtlich in Andalusien vergessen. Die 10.000 Fans in der Mercedes-Benz-Arena bekamen erneut den verunsicherten, harmlosen und defensiv anfälligen - kurz: nicht bundesligatauglichen - VfB zu Gesicht. 

Was zurzeit alles schiefläuft im VfB-Spiel

Neben den teils haarsträubenden Fehlpässen und zahlreichen technischen Fehlern bereiten vor allem die Aussetzer in der Defensive dem Trainer Kopfzerbrechen. Die Umstellung von Dreier- auf Viererkette brachte nicht die erhoffte Stabilität. Hinzu kam Keeper Florian Müller, der bei hohen Bällen lange nicht jene Souveränität wie Vorgänger Gregor Kobel ausstrahlt. Gepaart mit der fehlenden Durchschlagskraft in der Offensive und den Ungenauigkeiten im Spielaufbau ergab sich eine toxische Mischung. Und das alles gegen einen personell geschwächten und nicht minder fehlerbehafteten Gegner aus der Mainmetropole. 

Fast schon sinnbildlich für die Stuttgarter Misere stand die Auswechslung des vermeintlichen Führungsspielers Orel Mangala nach nicht einmal einer Stunde. Oder die leichtfertig vergebene Großchance von Stürmer Sasa Kalajdzic in der 62. Minute, als der Österreicher nicht die besser postierten Teamkollegen bediente, sondern mit einem kläglichen Versuch am langen Pfosten vorbeizielte. Die naive Hoffnung, dass der lange Zeit verletzte Angreifer rechtzeitig fit werden wird, um die Saison irgendwie noch zu retten, könnte sich als folgenschwere Fehleinschätzung erweisen. Gleiches gilt für den Rekonvaleszenten Silas, der gegen die Eintracht kaum an seinem Gegenspieler vorbeikam.

Mislintat steht weiter zu seinem Trainer

All die Fehler, Probleme, Verletzungen und Unsicherheiten scheinen aktuell zu viel zu sein für die junge Truppe - und auch für den Trainer? Sportdirektor Sven Mislintat beantwortete die Frage, ob er den eingeschlagenen Weg mit dem Trainer weitergehen wolle, am Tag nach der Frankfurt-Pleite wie folgt: „Jetzt zeigt sich, ob wir uns nur eine Kontinuität wünschen oder ob wir sie auch leben. Der Trainer ist mit der wichtigste Teil in diesem Club. Er hat uns unseren Weg ermöglicht und wir werden nicht darüber sprechen, ihm das Vertrauen zu entziehen.“

Aber bleiben die Ergebnisse weiter aus, könnte es dann doch noch ungemütlich werden für Matarazzo? Schließlich taumelt das Team scheinbar ungebremst in Richtung 2. Liga. Und irgendwann wird sich die Frage stellen, was die größere Gefahr birgt: ein erneuter Absturz in die Zweitklassigkeit mit all seinen sportlichen wie finanziellen Folgen? Oder ein letzter, neuer Impuls für die verunsicherte Mannschaft?

Auch hierzu hat Mislintat eine klare Haltung: An Matarazzo wird nicht gerüttelt. Zu Not gehe man auch gemeinsam in die 2. Liga: „Bin ich in der 2. Liga dabei? Klares Ja“, so Mislintat, der das auch von Matarazzo zugesagt bekommen hat: „Ich habe mit ihm gesprochen: klares Bekenntnis.“