VfB Stuttgart

VfB-Ultras planen Fanaktion zum Leipzig-Spiel

VfB Stuttgart - Karlsruher SC 2:0 (09.04.2017)_0
Zum letzten Auswärtsspiel des VfB Stuttgart in Hannover können die VfB-Fans mit einem Sonderzug anreisen. © Danny Galm

Stuttgart.
Die VfB-Fans sind stolz auf ihre "traditionsreiche, leidenschaftliche Kurve". Vor dem Spiel gegen RB Leipzig (Sonntag, 15.30 Uhr) planen die Ultras deshalb eine besondere Aktion: Das "Commando Cannstatt" ruft die Anhänger auf, möglichst alte Fanartikel wie Fahnen, Schals, Trikots und Doppelhalter einzupacken, gut sichtbar und lautstark zu präsentieren. Damit beziehen die Fans "in unserem Neckarstadion" Position gegen den "Leipziger Ableger der Fußballabteilung eines österreichischen Brauseherstellers".

Kein Kampf von Gut gegen Böse

Die Kritik am Red-Bull-Klub  findet sich in nahezu allen Stadien der  Liga. Doch ausdrücklich wollen die VfB-Fans sich weniger auf den ungeliebten Gegner einschießen, als sich selbst und die eigene Tradition zu feiern. Größte Unterschied zu "Konstrukten" wie RB Leipzig sei in Stuttgart die identitätsstiftende Cannstatter Kurve: "Eine stolze Kurve voller Geschichte. Ein Ort für jedermann, über Jahrzehnte geprägt durch verschiedenste Fangenerationen." Ihren Fanblock halten die Anhänger laut einer Pressemitteilung für einen " Ort, an dem Werte, wie Zusammenhalt, Respekt, Solidarität, Mitgestaltung und Mitverantwortung innerhalb der aktiven Gruppen und Fanclubs noch real sind und ernsthaft gelebt werden".

In Klubs wie RB sehen die Ultras ein Realität gewordenes Schreckgespenst: "Zu uns kommt nichts anderes als das am Reißbrett entworfene Gesicht des im Fußball vorherrschenden Turbokapitalismus." Ausdrücklich wollen die Organisatoren keinen Kampf von Gut gegen Böse herauf beschwören. Die Kritik richtet sich nicht bloß gegen Red Bull, sondern gegen die Entwicklungen beim VfB selbst: "RB ist die Blaupause für alles, was noch folgen soll. Ein Weg, den leider auch unser VfB eingeschlagen hat." Finanzieller Erfolg und die Öffnung zu Sponsoren wie Daimler stehe für die Vereinsführung über allem.

50+1-Regel als letzte Bastion

Besonders wendet sich das Commando Cannstatt gegen eine Aufweichung der "50+1-Regel" im deutschen Fußball. Dies sei "die letzte Bastion, die uns wenigstens noch etwas von dem Fußball, wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben, bewahrt". Die Regelung ist für die Fans keine Diskussionsgrundlage, sondern eine "Schmerzgrenze". Mehr Zugeständnisse an Sponsoren dürfe es nie geben. Nach der "50+1-Regel"  dürfen Kapitalanleger nicht die Stimmenmehrheit in von Fußballvereinen ausgegliederten Profiabteilungen übernehmen.

Eine ähnliche Aktion wie am Sonntag beim ersten Gastspiel von Red Bull in Stuttgart starteten die Fans schon im Hinspiel. Im Sommer 2016 sagte die Vereinsführung ein geplantes Freundschaftsspiel gegen Leipzig ab.