VfB Stuttgart

VfB wieder auf dem Vorwärtsmarsch: Kobel auf dem Sprung

Gregor Kobel
Gregor Kobel gestikuliert. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild © Tom Weller

Stuttgart (dpa/lsw) - Sven Mislintat war bestens gelaunt. Nicht ohne Stolz bilanzierte der Sportdirektor des VfB Stuttgart die starke Comeback-Saison der Schwaben in der Fußball-Bundesliga. Und scheinbar völlig entspannt blickt er den Transferverhandlungen entgegen, die ihn in der nun anstehenden Sommerpause erwarten dürften. «Ich sehe, dass jetzt Gespräche beginnen könnten», sagte der 48-Jährige nach dem 0:2 im letzten Saisonspiel gegen Arminia Bielefeld etwa über Torhüter Gregor Kobel.

Der Schweizer ist einer von mehreren jungen Profis des VfB, die sich mit starken Leistungen in den vergangenen zwölf Monaten ins Rampenlicht gespielt haben. Er gilt als Kandidat für einen Wechsel zu Borussia Dortmund und sagte nach der Partie am Samstag am Sky-Mikrofon offen heraus, dass der BVB «auf jeden Fall» ein Thema für ihn sei. Er werde sich in den nächsten Tagen mit seinen Beratern zusammensetzen, sagte Kobel. Obwohl er in Stuttgart noch einen Vertrag bis 2024 besitzt, gilt sein Abgang in diesem Sommer als wahrscheinlich.

Doch Mislintat bereitet das keine Sorgen. Sollte Kobel zu einem Club von der Größe des amtierenden DFB-Pokalsiegers wechseln, wäre das «eine Auszeichnung für Greg und für uns», sagte der frühere Scout der Dortmunder. Zudem würde ein solcher Transfer wichtiges Geld in die coronabedingt gebeutelte Vereinskasse spülen. Denn eines, so Mislintat, sei klar: «Wenn es nach uns geht, würden wir am liebsten alle behalten. Das ist aber nicht unsere wirtschaftliche Realität.»

Es sei «nicht der Plan, fünf absolute Leistungsträger abzugeben», erklärte der Sportchef. Bei entsprechend lukrativen Angeboten wird er den einen oder anderen aber ziehen lassen. Neben Kobel gehören auch die Stürmer Nicolas Gonzalez und Sasa Kalajdzic, Verteidiger Borna Sosa oder Mittelfeldmann Wataru Endo zu den Spielern, für die es durchaus Interessenten geben dürfte. Abwehrrecke Marc Oliver Kempf lehnte das Angebot für eine Verlängerung seines noch bis Ende Juni 2022 laufenden Vertrags bei den Schwaben zuletzt ab.

Es ist quasi der Fluch der guten Tat, dass die Mannschaft des VfB, die mit ihren leidenschaftlichen und offensiven Auftritten in dieser Saison viele Fan-Herzen erobert hat, nun wichtige Stützen verlieren könnte. Mislintat, der das Team seit seinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren komplett umgekrempelt hat, macht aber nicht den Eindruck, als könne ihm die Situation entgleiten. Der Westfale vertraut weiter auf sein gutes Händchen - wie auch bei der Verpflichtung von Trainer Pellegrino Matarazzo im Dezember 2019.

Unter der Regie des 43-Jährigen stieg der VfB vergangenen Sommer auf, hatte nun die ganze Spielzeit über nichts mit dem Abstieg zu tun und kämpfte stattdessen bis zum Schluss um eine Europapokalteilnahme. Am Ende wurde es Platz neun für die Schwaben, die nach jahrelangen Turbulenzen sportlich endlich wieder in der Spur sind und sich auch vom beispiellosen Machtkampf in ihrer Clubführung nicht beirren ließen. «Unterm Strich steht eine positive Saison», sagte Matarazzo. «Man sieht eine Entwicklung.» Und die scheint noch nicht am Ende.

«Wir dürfen weiter ganz klar sagen: Klassenerhalt ist unser Ziel», betonte Mislintat schon mal vorausschauend. «Dieses Jahr haben wir komplett überperformt. Aber zu unserem Weg darf auch gehören, dass wir nächste Saison 12., 13., 14. oder 15. werden.» Und Topspieler wie Kobel ihren nächsten Karriereschritt womöglich eben woanders machen.

© dpa-infocom, dpa:210524-99-721592/2