VfB Stuttgart

Viele offene Fragen vor geplantem Liga-Neustart

1/3
Mercedes-Benz-Arena Stadion VfB Stuttgart Fußball Fußballstadion Symbol symbolbild symbolfoto
Symbolbild. © Danny Galm
2/3
_1
Symbolbild.
3/3
_2
Symbolbild

Frankfurt/Main/Stuttgart.
Diese Livestream-Show sollte Millionen Fans ein Stück Normalität suggerieren. Die perfekt orchestrierte Abfolge aus besonders zuversichtlichen Wortbeiträgen von Spitzenpolitikern, Top-Funktionären und Liga-Boss Christian Seifert bei „Bild live“ sollte dem Fußball-Volk vor allem ein Gefühl geben: Der Ball in der 1. und 2. Bundesliga könnte trotz der Coronavirus-Pandemie schon sehr bald wieder rollen. Die Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU) nannten konkret den 9. Mai und zwischen Bayerns Karl-Heinz Rummenigge und Dortmunds Hans-Joachim  Watzke gab es direkt erste Spitzen, wer die Schale nach oben recken dürfe. In der aktuellen Lage mutete die betonte Business-As-Usual-Konkurrenzhaltung fast schon skurril an. Der Pay-TV-Sender Sky reagierte mit einem euphorischen Jubeltweet und einer Anzeige, als wäre ein Neustart nicht ab 9. Mai denkbar, sondern ab morgen beschlossen.Im Gegensatz zu Söder und Laschet ist das Bundesinnenministerium strikt dagegen, jetzt schon einen Termin für die Wiederaufnahme von Bundesliga-Spielen zu nennen. Das geht aus einem Schreiben des parlamentarischen Staatssekretärs Stephan Mayer (CSU) an die Vorsitzende der Sportministerkonferenz, die Bremer Senatorin Anja Stahmann (Grüne), hervor, das der dpa vorliegt. Vor der Entscheidung seien „die weiteren Entwicklungen der Pandemie in Deutschland und die noch nicht bekannten Konzepte“ von DFB und DFL abzuwarten. Vor der nächsten DFL-Mitgliederversammlung an diesem Donnerstag (23.04.) ist der Optimismus der Fußball-Verantwortlichen trotzdem klar gestiegen. Mit einer Fortsetzung und der Zahlung der letzten Fernsehgeld-Rate könnten einige Vereine eine drohende Insolvenz abwenden. Doch rund um den geplanten Neustart im Mai gibt es noch zahlreiche offene Fragen.

Wie viele Termine stehen noch aus?

Bis Ende Juni stehen ab dem 9. Mai acht Wochenenden zur Verfügung. Insgesamt sind noch neun Spieltage auszutragen. Mindestens eine Runde müsste unter der Woche gespielt werden. Vermutlich sogar zwei, soll das DFB-Pokalfinale auch noch an einem Wochenende stattfinden. Dazu stehen noch das Bundesliga-Nachholspiel zwischen Werder Bremen und Eintracht Frankfurt sowie die Halbfinal-Partien im Pokal an. Offen ist auch, wie es im Europapokal weitergeht. In Bayern München, RB Leipzig (beide Champions League), Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt (alle Europa League) sind immerhin noch fünf deutsche Clubs vertreten.

Was sagen Experten zu den geplanten Corona-Tests für Fußball-Profis?

Im Gespräch ist, dass die Bundesliga-Spieler regelmäßig auf das Coronavirus getestet werden. Die DFL erwägt offenbar Spieler, Trainer und Mitglieder der Funktions-Teams alle drei Tage mit einem Schnelltest auf Corona zu testen, um die Sicherheit bei den möglichen Geisterspielen zu garantieren. Bis zum Saisonende würden so wohl etwa 20.000 Tests fällig. Schalkes Aufsichtsratschef und Fleischfabrikant Clemens Tönnies hat bereits angeboten, in seinem Firmenlabor Corona-Tests durchführen zu lassen.

Derweil steht das Robert-Koch-Institut (RKI) den geplanten Corona-Tests in der 1. und 2. Bundesliga sehr skeptisch gegenüber. „Ich sehe nicht, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen, ob die nun Sportler sind - man kann sich ja auch alles andere ausdenken, was möglicherweise ein gewisses gesellschaftliches Interesse hat, - warum die routinemäßig gescreent werden sollen“, sagte RKI-Vizepräsident Lars Schaade am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Berlin. 

Wie könnten die Spiele vor leeren Rängen ablaufen?

Bei der Austragung der Geisterspiele müsste das Aufgebot an Sicherheitsleuten, Journalisten und Vereinsangehörigen auf ein Minimum reduziert werden. Auch wären strenge hygienische Auflagen im Stadion einzuhalten. VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger rechnet bei einem Spiel vor leeren Rängen dennoch mit rund 240 Personen in und ums Stadion.

Vorfälle wie beim Geisterspiel zwischen Gladbach und Köln vor der Corona-Zwangspause, als mehrere hundert Zuschauer vor dem Stadion ihre Mannschaft unterstützten, wären absolut tabu. Auch diesbezüglich müssten Clubs Vorkehrungen treffen.

Was sagen die Fans zu den Plänen der DFL?

Nachdem vergangene Woche bereits der „Zusammenschluss der Fanszenen Deutschlands“ klar gegen Geisterspiele Position bezogen hat, folgte nun am Dienstag (21.04.) mit der Vereinigung „Unsere Kurve“ die Interessengemeinschaft der Fanorganiationen. „Wir möchten nicht mehr über Symptome diskutieren, sondern endlich über die Krankheit und die Wege zur Gesundung des Fußballs sprechen. Vereine und Verbände sind herausgefordert, jetzt verbindliche Schritte zur Gesundung des Profifußballs einzuleiten und zu gehen“, heißt es in einer Mitteilung. „Anders ist eine Akzeptanz für Maßnahmen zur Beendigung der laufenden Saison aus unserer Sicht nicht zu erreichen.“ „Unsere Kurve“ ist in der AG Fankulturen unter dem Dach der DFL und in der Ad hoc-Gruppe Fan-Institutionen und Verbände zu Corona vertreten. Das Bündnis gilt als gemäßigt und hatte bisher ein klares Statement zu Spielen ohne Zuschauer gemieden. 

Welche Alternativen gibt es?

Der präferierte DFL-Plan ist aktuell, die Saison von Mai bis 30. Juni wie geplant zu beenden, dafür wären nach aktuellem Stand nicht einmal besonders viele Englische Wochen notwendig. Alle Clubs trainieren auf ihrem Trainingsgelände, und der Spielbetrieb wird regulär wieder aufgenommen, sobald Politiker und Gesundheitsbehörden dies ermöglichen.

Sollten weitere Verzögerungen oder Komplikationen entstehen, könnte ein EM- oder Eil-Modell als Kompromisslösung dienen. Beim EM-Modell würden wenige fixe Spielorte im Norden, Westen, Süden und Osten benannt, an denen mehrere Spiele pro Tag ausgetragen werden, was die Logistik erleichtern und die beteiligte Anzahl an Menschen reduzieren könnte. In einem Eil-Modell könnte die Taktung noch dichter gestaltet werden, sodass Teams zum Beispiel im Zwei-Tages-Rhythmus antreten. Grund dafür könnten beispielsweise neue Infektionen in den Clubs sein, die neue Schutzmaßnahmen erfordern und Zeit kosten. 

Sollte die Saison trotz aller Szenarien nicht beendet werden können, sehen die Statuten von DFL und DFB dafür keine Lösung vor. Werden die bisherigen Spieltage annulliert? Zählt der aktuelle  Tabellenstand? Gibt es Absteiger oder wird die Liga auf 20 Teams erweitert? Für die Solidarität unter den Proficlubs könnte ein solcher Fall zu einer Zerreißprobe werden, wie die aktuelle Situation der 3. Liga zeigt.