VfB Stuttgart

«Wachsamkeit über 90 Minuten»: Wie der VfB Stuttgart den FC Bayern ärgern will

Pellegrino Matarazzo
Stuttgarts Cheftrainer Pellegrino Matarazzo kommt ins Stadion. Foto: Tom Weller/dpa/Archivbild © Tom Weller

Ein wichtiger Sieg in Wolfsburg, dazu eine öffentlich platzierte Beruhigungspille in der Debatte um einen künftigen neuen Sportvorstand - rechtzeitig zum Beginn der englischen Woche ist beim VfB Stuttgart zumindest etwas Ruhe eingekehrt.

Noch vor der wegweisenden Partie beim Abstiegskontrahenten 1. FC Köln am Wochenende wartet auf den schwäbischen Fußball-Bundesligisten eine Art Bonusspiel: Gegen den schier übermächtigen Tabellenführer FC Bayern München stehe sein Team an diesem Dienstag (18.30 Uhr/Sky) «sicher weniger unter Druck» als gegen einen direkten Konkurrenten, befand VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo am Montag. Selbst, obwohl im Falle einer Niederlage das Abrutschen auf den Relegationsrang droht.

Heißt: Punkte wären schön, sind aber im Duell mit dem Branchenprimus alles andere als zu erwarten. Auch wenn der jüngste 2:0-Erfolg beim VfL Wolfsburg dem VfB Selbstvertrauen gegeben hat, wäre schon ein Remis gegen die Bayern ein Grund zur Freude im Stuttgarter Lager. Doch trotz der klaren Ausgangslage will Matarazzo das Spiel nicht schon im Vorfeld wegschenken.

Was Matarazzo zuversichtlich stimmt

Zuversichtlich mache ihn, dass sein Team in Wolfsburg vor allem defensiv als Einheit aufgetreten sei und taktisch diszipliniert agiert habe, lobte der Coach und bekannte: «Wir dürfen mit breiter Brust auftreten!» Zwar seien die Bayern vorne enorm torgefährlich, aber defensiv auch nicht immer fehlerfrei.

Der deutsche Rekordmeister ist dem VfB auf dem Papier in jeder Hinsicht überlegen - und hat nun noch nicht mal eine lautstarke Auswärtskulisse zu befürchten. Wegen der angespannten Corona-Lage sind erneut nur 750 Zuschauer in der Stuttgarter Arena zugelassen. Während sich bei den Münchnern am Dienstag hochdekorierte Stars nur so in der Arena tummeln werden, muss der wirtschaftlich betrachtet wesentlich klammere VfB schon bei Spielertransfers viel mehr auf Talente setzen - in der Hoffnung auf eine schnelle Weiterentwicklung.

In diese Kategorie fallen etwa die beiden Japaner Wataru Endo und Hiroki Ito. Endo liehen die Stuttgarter im Sommer 2019 zunächst vom belgischen Club VV St. Truiden aus, ehe sie ihn später für eine geschätzte Ablöse von gerade einmal 1,7 Millionen Euro fest verpflichteten. Inzwischen ist der 28-Jährige nicht nur wichtigster Mann im VfB-Mittelfeld, sondern zugleich Mannschaftskapitän.

«Wenn wir nicht versuchen, Fußball zu spielen, haben wir keine Chance»

Der 22 Jahre Ito kam im Sommer für eine kleine Leihgebühr aus Japan - und war in Stuttgart zunächst nur für die Regionalliga-Reserve eingeplant worden. Inzwischen hat er sich im Bundesliga-Team aber ebenso fest gespielt wie Konstantinos Mavropanos (24), den der VfB im Sommer 2020 ebenfalls auf Leihbasis vom FC Arsenal holte. Der Grieche ist nicht nur ein Leistungsträger in der Verteidigung, sondern obendrein mit vier Saisontoren aktuell sogar bester Schütze des VfB.

Ob ein Endo, ein Ito und ein Mavropanos am Ende Topstars wie Thomas Müller, Leroy Sané oder Robert Lewandowski ausbremsen können, bleibt abzuwarten. Matarazzo forderte von seiner Mannschaft ein mutiges Spiel. «Wenn wir nicht versuchen, Fußball zu spielen und offensiv was zu probieren, haben wir keine Chance», prophezeite der Trainer. Zudem sei totale Konzentration gefragt. «Wir brauchen eine Wachsamkeit über 90 Minuten - in jeder Spielphase und in jedem Spielfeldbereich.»

Personell muss Matarazzo auf seine etatmäßigen Stammkräfte Borna Sosa und Roberto Massimo verzichten. U21-Nationalspieler Massimo fehlt wegen einer Kapselverletzung im Sprunggelenk, der kroatische Nationalspieler Sosa muss wegen anhaltender Rückenprobleme passen. Sosa war schon in Wolfsburg ausgefallen, sein Mittelfeldkollege Massimo war in der Partie früh verletzt ausgewechselt worden.

Mindestens ebenso wichtig wie der jüngste Sieg dürfte indes das anschließende Bekenntnis von Sportdirektor Sven Mislintat zum Verein gewesen sein. Im öffentlich geführten Streit um die Neubesetzung des in Kürze freiwerdenden Sportvorstandspostens kündigte Mislintat am Sonntag an, seinen noch bis Mitte 2023 laufenden Vertrag in jedem Fall erfüllen zu wollen. Im Umfeld wurde der Treueschwur größtenteils als positives Signal gewertet - entgegen der Befürchtung, der bei vielen Fans geschätzte Mislintat würde durch die bisher glücklose Suche des Aufsichtsrats um Vereinspräsident Claus Vogt nach neuem Führungspersonal vergrault.

Voraussichtliche Mannschaftsaufstellungen:

VfB Stuttgart: Müller - Mavropanos, Anton, Ito - Karazor - Stenzel, Endo, Mangala, Coulibaly - Förster - Marmoush

Bayern München: Neuer - Süle, Upamecano, Hernández - Tolisso, Musiala - Coman, Müller, Sané, Davies - Lewandowski

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