VfB Stuttgart

Warum OB Klopfer seine Kandidatur zurückzieht

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OB Klopfer wartet auf klare Ansagen vom Land. © ZVW/Danny Galm

Schorndorf/Stuttgart. Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer zieht seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten beim VfB Stuttgart zurück und tadelt zum Abschied den VfB-Aufsichtsrat – das Gremium regiere nach dem Motto: „Uns ist egal, wer unter uns Präsident ist.“

Eine recht ungewöhnliche Form hat Matthias Klopfer gewählt, um am Freitag seinen Rückzug aus dem VfB-Kandidatenrennen zu begründen: Auf seiner Homepage veröffentlichte er ein schriftliches Interview – wobei nicht recht klar war, mit wem er denn da eigentlich gesprochen hatte. Hatte er sich selber die Fragen gestellt? Oder war der anonyme Stichwortgeber in diesem Gespräch der Schorndorfer Medienberater Jürgen Knappenberger? Egal – das Interview ist jedenfalls durchaus habhaft; wenngleich sich beim Lesen einige Folgefragen aufdrängen.

„Das war eine Machtdemonstration“

Er sei „keiner, der nachtritt“, wird Klopfer in dem Interview zitiert. Sprich: Auf die in Schorndorf seit Wochen kursierenden Gerüchte, dass der Oberbürgermeister von diversen VfB-Granden recht hochnäsig und von oben herab behandelt worden sei, geht er nicht ein. Es folgt die wichtigste Passage: Ihn habe „immer gestört“, dass der Aufsichtsrat des VfB einen neuen Vorstandsvorsitzenden, nämlich Thomas Hitzlsperger, bereits inthronisiert hat, bevor der neue Präsident gewählt ist. „Das war eine Machtdemonstration“ des Aufsichtsrates. „Der Tenor: Wir bestimmen – und dazu benötigen wir keinen Präsidenten.“

Anruf bei Klopfer – er bleibt dabei: Nein, zur Frage, wie seine Gespräche mit VfB-Bossen und Strippenziehern hinter den Kulissen liefen, sage er „wirklich nichts“. Was aber den Aufsichtsrat grundsätzlich betrifft, schärft Klopfer seine Kritik nach: Den Vorstandsvorsitzenden küren, bevor der neue Präsident da ist, der ja womöglich auch gerne ein Wörtchen mitreden würde? „Das macht man einfach nicht! Ich kenne keinen, der das nachvollziehen kann.“

Klopfer veranschaulicht das anhand eines Beispiels: Man stelle sich vor, ein Landrat geht in Ruhestand, ein neuer muss gewählt werden – und die cheflose Übergangszeit nutzt der Kreistag, um „einem neuen Klinikchef einen Drei-Jahres-Vertrag“ zu geben ... Ein Unding.

„Meine Kandidatur beim VfB war eine Bauchentscheidung“

Damit habe der VfB-Aufsichtsrat eine klare Botschaft ausgesandt: „Uns ist egal, wer unter uns Präsident ist. Wir machen, was wir für richtig halten.“ Nach dieser „klaren, harten Machtdemonstration“ sei ihm bewusst geworden, sagt Klopfer, dass ein ehrenamtlicher Präsident keine Bäume ausreißen, dass nur ein hauptamtlicher in diesem „Machtkampf“ bestehen könne. „Und das tue ich mir nicht an.“
Seine Idee sei es ja gewesen, dem VfB mehr „Teamwork“ einzuimpfen, und einen Club mitzuformen, „in dem nicht alles von den üblichen alten Machtzirkeln geregelt wird“; einen Club, „in dem sich alle wohlfühlen und mitgenommen fühlen“.

Hinzugekommen sei: Es gebe auch „persönliche Gründe“ für den Rückzug, er brauche aktuell „mehr Zeit für meine Eltern“. Seit Wochen tuschelt es in Schorndorf, Klopfer habe die VfB-Kandidatur nutzen wollen, um seinen Bekanntheitsgrad in Stuttgart zu steigern – und dann dort bei der Oberbürgermeisterwahl 2020 als Kandidat der SPD anzutreten. „Da ist nichts dran“, heißt es im Interview auf der Klopfer-Homepage, „null. Weder, dass ich meinen Bekanntheitsgrad steigern wollte, noch, dass ich dort antrete. Meine Kandidatur beim VfB war eine Bauchentscheidung, weil der VfB eine Herzensangelegenheit ist. Ohne Hintergedanken.“

Zeitungsnachfrage: Herr Klopfer, Sie kandidieren 2020 also nicht in Stuttgart? „Definitiv nicht.“ Und was ist mit der OB-Wahl 2022 in Schorndorf, treten Sie da an? „Stand heute gehe ich davon aus.“ Zwar sei es bis dahin noch eine „lange Zeit“, man wisse nicht, wie es in drei Jahren „der Stadt mit mir geht und mir mit ihr“ – aber ihm mache sein Schorndorfer Amt „viel Freude“.

Wie konnte Klopfer so naiv sein, sich auf das Abenteuer VfB einzulassen?

Wie all das in den nächsten Tagen in Schorndorf diskutiert werden wird, steht auf einem anderen Blatt. Ja, ist der denn mit seinem Rathausposten nicht ausgelastet? Der muss ja viel Zeit haben, wenn er nebenbei noch einen Riesen-Sportverein leiten will: Solche Sprüche hagelte es von dem Tag an, als Klopfer sich beim VfB bewarb. Insofern hat er nun eine große Aufgabe vor der Brust: den Schorndorfern glaubwürdig zu vermitteln, dass er nach wie vor voll bei der Sache und nicht nur ein OB auf Abruf ist, bis zum nächstbesseren Angebot.

Auch diese Frage wird nun in Schorndorf umgehen: Wie konnte Klopfer so naiv sein, sich auf das Abenteuer VfB einzulassen, wie konnte einem derart versierten Politiker und Netzwerker so eine Fehleinschätzung unterlaufen? Denn dass der Aufsichtsrat ein extremes Machtbewusstsein pflegt, ist ja nicht erst seit gestern bekannt. Und ein Letztes: Mit seinem Rückzug sei Klopfer doch nur seiner Nichtnominierung zuvorgekommen, werden nun viele sagen. Denn wer im Dezember bei der Präsi-Wahl mitmischen will, muss durch ein Nadelöhr: Das Auswahl-Gremium, der VfB-Beirat, wird nur zwei Bewerber zulassen – und dass Klopfer nicht zu den erlesenen Zwei gehören werde, galt schon lange als offenes Geheimnis. Manchen VfB-Wichtigs, hört man, gelte das Oberhaupt einer Provinzstadt nicht als bekannt und präsidiabel genug.


Die wahren Bosse

Die wahre Machtzentrale beim VfB, so heißt es, sei der Aufsichtsrat – die Mitglieder im Überblick:

  • Dr. Bernd Gaiser war Geschäftsführer Unternehmensentwicklung und Finanzen bei Recaro und ist heute Unternehmensberater.
  • Wilfried Porth ist Vorstandsmitglied der Daimler AG, verantwortlich für das Ressort Personal und Arbeitsdirektor des Unternehmens.
  • Hartmut Jenner ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Alfred Kärcher SE & Co. KG.
  • Hermann Ohlicher war früher Profifußballer beim VfB und von 1990 bis 2015 Geschäftsführer einer Tochtergesellschaft der Toto Lotto GmbH.
  • Franz Reiner ist Vorstandsvorsitzender der Daimler Mobility AG.
  • Dr. Bertram Sugg ist bei der Robert Bosch GmbH Projektleiter im Geschäftsbereich Powertrain Solutions.

Schorndorf/Stuttgart. Der Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer zieht seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten beim VfB Stuttgart zurück und tadelt zum Abschied den VfB-Aufsichtsrat – das Gremium regiere nach dem Motto: „Uns ist egal, wer unter uns Präsident ist.“

Eine recht ungewöhnliche Form hat Matthias Klopfer gewählt, um am Freitag seinen Rückzug aus dem VfB-Kandidatenrennen zu begründen: Auf seiner Homepage veröffentlichte er ein schriftliches

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