VfB Stuttgart

Wegweisende Entscheidungen stehen an: Wohin führt der Weg des VfB - und mit wem?

Alexander Wehrle
Alexander Wehrle, Vorstandsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG. © Marijan Murat

Immerhin: Nach Wochen voller Spekulationen und ungeklärter Fragen wollen die Verantwortlichen des VfB Stuttgart für Klarheit sorgen - wenn auch erst nach dem 21. November. Dann wird der abstiegsgefährdete Fußball-Bundesligist von seiner PR-Reise in den USA zurückkehren und Vorstandschef Alexander Wehrle mit Sportdirektor Sven Mislintat sowie Interimstrainer Michael Wimmer deren noch offene Zukunft klären. «Wir haben gesagt: Nach den USA gibt es die Entscheidungen und da haben wir auch die Zeit, um final dann auch zu verhandeln», sagte Wehrle  am Samstag (12.11.) bei Sky.

Der seit Wochen anhaltenden Unsicherheit auf der sportlichen Führungsebene stehen die durchwachsenen Leistungen der Mannschaft gegenüber. Nach dem 0:2 (0:1) bei Bayer Leverkusen zum Abschluss der ersten Saisonphase vor der WM-Pause steckt der VfB als Tabellen-16. weiterhin im Abstiegskampf. Vor dem Wiederbeginn am 21. Januar zu Hause gegen Mainz 05 hat der Trainer - wer auch immer es sein wird - in jedem Fall viel zu tun, um den dritten Abstieg der Stuttgarter in sechs Jahren zu verhindern. Wie geht es weiter?

Der Vorstandsvorsitzende: Mit großen Vorschusslorbeeren im Frühjahr vom 1. FC Köln an den Neckar zurückgekehrt, hat das Image von Wehrle mit der Verpflichtung der Ex-Weltmeister Sami Khedira und Philipp Lahm sowie des früheren Kapitäns Christian Gentner als künftiger Leiter der Lizenzspielerabteilung gelitten. Denn die Personalien waren offensichtlich nicht mit Mislintat abgesprochen. Ihr Verhältnis scheint belastet zu sein. Nun hat Wehrle seine Reise zum WM-Eröffnungsspiel als Mitglied einer DFB-Delegation abgesagt, um sich voll auf die Personalien beim VfB konzentrieren zu können. «Das hat Priorität jetzt.» Warum es das angesichts der Tatsache, dass Mislintats Vertrag im Juni 2023 ausläuft, nicht schon längst hatte, erschließt sich aber nicht. Auch in Leverkusen verweigerte Wehrle die Antwort auf die Frage, ob er die Zukunft eindeutig mit dem 50-Jährigen plane. Fest steht: Spätestens zum Trainingsstart am 12. Dezember soll Klarheit herrschen.

Der Sportdirektor: Nach seinem Start in Stuttgart im April 2019 hat sich Mislintat schnell einen sehr guten Ruf als Manager erworben. Besonders die Verpflichtung von Ex-Cheftrainer Pellegrino Matarazzo zum Januar 2020 und einige Neuzugänge wie Wataru Endo, Silas, Konstantinos Mavropanos oder des mittlerweile nach England gewechselten Torjägers Sasa Kalajdzic haben das frühere «Diamantenauge» von Borussia Dortmund bei den VfB-Fans äußerst beliebt werden lassen. Dem entgegen stehen eine Reihe missglückter Transfers junger Talente und weiterer Spieler - und der schlechte Tabellenstand. Allerdings kann Mislintat auch anführen, dass der Substanzverlust durch finanziell notwendige Abgänge einiger Leistungsträger beachtlich war. Auf seine eigene Entscheidung, wo er selbst in Zukunft arbeiten wolle, habe die Höhe des Etats aber keinen Einfluss. 

Der Trainer: Drei Heimspiele gewonnen, drei Auswärtsspiele verloren, dazu das 6:0 im DFB-Pokal gegen Arminia Bielefeld: Die Bilanz von Interimstrainer Michael Wimmer ist nicht schlecht. «Er hat alle Heimspiele gewonnen, das ist ein klares Zeichen. Über die Spiele hinweg gesehen hat er einen guten Job gemacht», meinte Wehrle zur Frage, ob Wimmer dauerhaft zum Chefcoach befördert wird oder in der Winterpause ein neuer Trainer von außen kommt. Mislintat findet, dass Wimmer es angesichts der schwierigen Situation «herausragend» gemacht habe. Spielerisch hat sich die Mannschaft unter dem 42-Jährigen aber kaum weiterentwickelt. «Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass es mein Ziel  ist, irgendwann einmal als Cheftrainer zu arbeiten», sagte Wimmer selbst.  

Die Mannschaft: Drei Heimsiege unter Wimmer stechen positiv hervor, andererseits gelang dem VfB im gesamten Kalenderjahr 2022 kein Auswärtssieg. Zudem fehlen dem Kader neben einem richtigen Spielmacher auch ein, zwei Führungsspieler. Spekulationen gibt es darüber, ob mit dem kroatischen WM-Teilnehmer Borna Sosa eventuell ein weiterer Hochkaräter verkauft wird. Am Montag startet das Team - mit Ausnahme der WM-Fahrer - im Rahmen der DFL-Internationalisierungsstrategie für eine Woche in die USA. In Austin/Texas testet der VfB am kommenden Samstag (22.00 Uhr/Sky) gegen den 1. FC Köln. Trainingsauftakt ist danach am 12. Dezember.