VfB Stuttgart

Wie geht es mit der Ausgliederung weiter?

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Für VfB-Präsident Wolfgang Dietrich ist klar, dass die Frage nach der zukünftigen Ausrichtung des Vereins schnellstmöglich auf die Agenda kommen muss. © Danny Galm
Stuttgart.

Geht es nach der Bild-Zeitung, dann ist der VfB Stuttgart bereits durch: „Bild beweist: Der VfB ist zu 92 Prozent durch“, titelte das Blatt Anfang der Woche. Grundlage für diese kühne Behauptung ist folgende Statistik: Nur eine einzige Mannschaft, die in der Zweitliga-Geschichte (seit Einführung der 3-Punkte-Regel) nach 21 Spieltagen 44 oder mehr Punkte auf dem Konto hatte, vergeigte am Ende noch den Aufstieg.

Die schnellstmögliche Rückkehr in die Bundesliga genießt beim VfB Stuttgart aktuell die höchste Priorität. Doch neben dem sportlichen Alltagsgeschäft in der 2. Liga stellt sich der Traditionsclub aus Bad Cannstatt auch in vielen Bereich hinter den Kulissen neu auf. Wir geben einen Überblick über den aktuellen Stand der Vereinsentwicklung:

Ausgliederung: Die Frage nach der zukünftigen Struktur des Vereins   

Das Clubzentrum des VfB Stuttgart an der Mercedesstraße (F: Galm / ZVW)

Das Thema Ausgliederung beschäftigt den VfB Stuttgart schon seit geraumer Zeit. Die Entscheidung über eine mögliche Ausgliederung der Profiabteilung wurde nach dem Abstieg aus der Bundesliga im Mai 2016 erst einmal vertagt. Was dann folgte, war ein radikal Schnitt: Trainer weg, Präsident weg, Sportdirektor weg.

Schnellstmöglich auf die Agenda

Während ein neuer Trainer und ein neuer Sportdirektor rasch gefunden waren, dauerte es bis zum Oktober, ehe der ehemalige Stuttgart 21-Sprecher und Unternehmer Wolfgang Dietrich auf einer hitzigen Mitgliederversammlung zum neuen Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt wurde.

Für den neuen Präsidenten ist klar, dass die Frage nach der zukünftigen Ausrichtung des Vereins schnellstmöglich auf die Agenda kommen muss. Das hat der 68-Jährige in der Vergangenheit mehrfach betont. Ende März/Anfang April will der VfB Stuttgart bekannt geben, wann die Entscheidung über das Thema Ausgliederung fallen soll. 

Um eine Ausgliederung des Profibereichs in eine Aktiengesellschaft - wie es z.B. der Hamburger SV, Eintracht Frankfurt oder der FC Bayern München bereits umgesetzt haben - zu realisieren, müsste der Verein eine Mitgliederversammlung einberufen, auf der 75 Prozent der anwesenden Mitglieder für eine Ausgliederung stimmen.

Daimler steht bereit

Maximal 24,9 Prozent der Anteile möchte der VfB im Falle einer Ausgliederung an Investoren vergeben. Der große Nachbar, die Daimler AG, steht als Partner bereit. Auch der Präsident hofft, dass die Ausgliederung zustande kommt. Dennoch ist es Wolfgang Dietrich wichtig zu betonen, „dass wir den Verein auch ohne Ausgliederung in ruhigem Fahrwasser halten werden, nur halt anders.“

Die Ausgliederung der Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft ist nach Ansicht des Finanz- und Sportexperten Roland Häussermann eine wichtige Voraussetzung für die sportliche Weiterentwicklung des Vereins. Die Aktiengesellschaft bringe „Geld, das der Verein in seine Zukunft investieren kann, ohne dass er seinen bestimmenden Einfluss verliert“, sagte Häussermann vor einigen Wochen im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten. Ohne einen solchen Schritt werde der Verein früher oder später an „harte Grenzen stoßen“.

Wichtige Prozesse angestoßen und umgesetzt

Bei den Fans ist das Thema hingegen äußerst umstritten. Der Sportwissenschaftler Harald Lange rät dem VfB, die geplante Ausgliederung aufzugeben. Fans hätten bei solchen Projekten Angst, "dass sie abgehängt werden und sich irgendwann nicht mehr mit ihrem Verein identifizieren können. Das kann individuell so hart empfunden werden wie das Scheitern in einer Beziehung", sagte der Direktor des Instituts für Fankultur in Würzburg und Frankfurt.

Aber auch abseits der  Frage, ob den nun „ausgegliedert“ werden soll oder nicht, hat Wolfgang Dietrich beim VfB Stuttgart wichtige Prozesse angestoßen und teilweise schon umgesetzt. Dem Präsident ist klar: "Wir brauchen keine Visionen, wir müssen liefern."


Zum Beispiel im Nachwuchsbereich der Schwaben: Dort hat der Vorstand des VfB - bestehend aus Präsident Wolfgang Dietrich, Marketingvorstand Jochen Röttgermann, Finanzvorstand Stefan Heim und Sportvorstand Jan Schindelmeiser – Ex-Profi Marc Kienle als Sportkoordinator installiert. „Wir haben zu früh Spieler verloren“, sagt Wolfgang Dietrich und diesem Trend möchte der Verein entgegenwirken und an die erfolgreichen Tage der einst so glorreichen Stuttgarter Kaderschmiede anknüpfen.

Es ist dem gebürtigen Stettener ein Herzensanliegen, dass der Nachwuchs des VfB wieder zu den besten Adressen im deutschen Profifußball gezählt wird. Hier wurde der Verein in den letzten Jahren von anderen Clubs (u.a. Leipzig und Hoffenheim) überholt und das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) des VfB hat mittlerweile einiges aufzuholen.

Sportliches Know-how ist zu RB Leipzig abgewandert

Nicht nur Spieler, wie erst am Donnerstag Torwarttalent Philip Köhn, sondern auch sportliches Know-how sind zu RB Leipzig abgewandert: Die Jugendleiter Frieder Schrof und Thomas Albeck, die Scouts Helmut Groß und Wolfgang Geiger, die Nachwuchstrainer Frank Leicht oder Alexander Blessin - alle waren früher beim VfB, auch die aktuellen RB-Spieler Marvin Compper und Ken Gipson, oder Rani Khedira und der gebürtige Schorndorfer Davie Selke.

Porsche fungiert künftig als Hauptsponsor der VfB-Fußballschule (F: Galm / ZVW)

Bis zum Ende des Jahres soll das NLZ des VfB Stuttgart finanziell auf eigenen Beinen stehen. „Ein erster kleiner Schritt“, so Finanzvorstand Heim, wurde bereits gemacht: Der VfB und Porsche erweitern ihre Zusammenarbeit und der Sportwagenhersteller aus Zuffenhausen ist zukünftig der Hauptpartner der VfB-Fußballschule.

Der VfB erhofft sich Planungssicherheit

Durch die Loslösung des Nachwuchsbereichs von den Geldströmen der Profiabteilung, erhoff man sich beim VfB eine größere Planungssicherheit und langfristigen mehr Talente, die den Sprung in die Profimannschaft der Schwaben schaffen.

Zwar tummelt sich um den Stuttgarter Cheftrainer Hannes Wolf wieder eine echte Rasselbande, aber ausgebildet wurden von den aktuellen Youngsters nur Timo Baumgartl beim VfB. "Jan Schindelmeiser ist es gelungen, genau die Spieler zu finden, die den VfB Stuttgart weiterbringen. Die hoffentlich nicht nur helfen aufzusteigen, sondern auch zukünftig helfen werden, den Verein dort hinzubringen, wo er eigentlich hingehört. Nämlich in die erste Liga. Und dort nicht nur ins Mittelfeld, sondern nach vorne", so Wolfgang Dietrich im Interview mit dem SWR.

Mitglieder-Ausschüsse für Vereins- und Mitgliederentwicklung

Nachdem Wolfgang Dietrich bei seiner Rede auf der VfB Mitgliederversammlung im vergangenen Oktober angekündigt hatte, auf Basis der Satzung zu bestimmten Themen Mitglieder-Ausschüsse einzusetzen, tagte in dieser Woche erstmals einer der drei vom Vorstand eingesetzten Mitglieder-Ausschüsse (Vereinsentwicklung, Mitgliederentwicklung und ab Mitte 2017 ein Ausschuss für die Entwicklung des NLZs).

„Wir versprechen uns davon die vorhandenen Ressourcen unserer Mitglieder zu Fachthemen besser nutzen zu können“, so der Präsident. Die Ausschüsse werden einen ähnlichen Status wie der bereits seit vielen Jahren bestehende Fan-Ausschuss haben. Die Ausschüsse sind ausschließlich beratende Expertengruppen und treffen keine Entscheidungen.


Dass die aktuelle Mannschaft des VfB Stuttgart in der 2. Liga derzeit von Erfolg zu Erfolg eilt, ist auch der klugen Transferpolitik von Sportvorstand Jan Schindelmeiser zu verdanken. Schindelmeiser musste an der Mercedesstraße eine heikle Kehrtwende in Sachen Transferpolitik vollziehen und hat das Manöver offenbar souverän gemeistert.

Die "Jungen Wilden" reloaded

In der Startelf des vergangenen Spieltages waren fünf VfB-Profis maximal 22 Jahre alt. Timo Baumgartl, Anto Grgic, Julian Green, Takuma Asano und Carlos Mané sind aktuell die neuen „Jungen Wilden“. Zudem hat Schindelmeiser dem Kader in der Winterpause mit Josip Brekalo, Jérôme Onguéné und Ebenezer Ofori weitere Qualität von außen zugeführt. „Die jungen Spieler geben dem VfB Stuttgart wieder ein Gesicht“, lobte Wolfgang Dietrich gegenüber dem SWR die Arbeit seines Sportvorstands.

Sportvorstand Jan Schindelmeiser hat beim VfB eine neue Transferstrategie etabliert (F: Galm / ZVW)

Brakalo,Green, Onguéné, Ofori, Asano - die „Schindelmeiser-Neuzugänge“ wurden nicht beim VFB Stuttgart ausgebildet und sind der Beleg für eine neue Transferstrategie bei den Stuttgartern: Aus dem eigenen Nachwuchs hat aktuell kein Spieler die Qualität, um der ersten Mannschaft beim Projekt Wiederaufstieg zu helfen.

Talente weiterentwickln und Werte schaffen

Sportvorstand Schindelmeiser muss beim Zweitligisten kluge Transfers tätigen und hat bislang einige junge, entwicklungsfähige und vor allen Dingen günstige Talente verpflichtet oder zunächst ausgeliehen. Die neue schwäbische Transferstrategie sieht vor, diese Spieler beim VfB weiter zu veredeln und zu gegebener Zeit für großes Geld an große Clubs zu veräußern.  

Schindelmeiser sieht aktuell keinerlei Chance ohne Leihgeschäfte an Spieler mit hoher Qualität zu kommen. Es sei die Aufgabe des VfB, Talente weiterzuentwickln und so Werte zu schaffen - in sportlicher, wie auch in finanzieller Hinsicht.