VfB Stuttgart

Wie Präsident Claus Vogt in der Corona-Krise agiert

Claus Vogt_0
Claus Vogt muss eine Krise bewältigen, die auch der VfB in seiner langen Geschichte noch nie erlebt hat. © Joachim Mogck

Stuttgart.
Äußerlich verändert hat sich Claus Vogt während seiner ersten 100 Tage als Präsident des VfB Stuttgart nicht. Aber spurlos ging diese turbulente Zeit auch an dem 50-Jährigen nicht vorbei. Vogt war gerade mal acht Tage im Amt, als sich der VfB einen Tag vor Heiligabend von Trainer Tim Walter trennte. Er war 15 Tage im Amt, als der Fußball-Zweitligist Pellegrino Matarazzo als Walter-Nachfolger verpflichtete. Und jetzt muss Vogt durch die Coronavirus-Pandemie in verantwortlicher Position eine Krise bewältigen, die auch der VfB in seiner langen Geschichte noch nie erlebt hat.

VfBler mit gesundem Wertekompass

„Diese 100 Tage fühlen sich an wie ein paar Jahre“, erzählte Vogt am Telefon. Man hört ihn lächeln, als er das sagt. Vogt erweckt nicht den Eindruck, als würde die ungewisse Zukunft auch seines Vereins ihn seiner positiven Art berauben. Fast den ganzen Tag kümmert er sich im Moment um den VfB. Nur morgens und abends nimmt er sich noch etwas Zeit für sein Gebäudemanagement-Unternehmen in Böblingen, das ebenfalls die Auswirkungen der Krise spürt. Die Hauptrolle in seinem Leben spielt aber sein Verein: „Was ich in dieser ersten Zeit erlebt habe, das erleben manche wahrscheinlich nicht in ihrem ganzen Fußball-Leben.“

Eine solche Phase hat sowieso noch niemand erlebt. Als Vogt vor Monaten seine Kandidatur für die Nachfolge von Wolfgang Dietrich bekannt gegeben hatte, punktete er bei den Mitgliedern der Schwaben nicht zuletzt mit glaubhafter Kritik an einer zunehmenden Kommerzialisierung des Profifußballs. Vogt sei „ein VfBler durch und durch, hat einen gesunden Wertekompass und führt ein erfolgreiches Unternehmen“, sagte vor einigen Monaten der Grünen-Politiker Cem Özdemir, der einen engen Draht zu Vogt hat. Anders als seine Vorgänger drängt es den verheirateten Familienvater nicht in den Vordergrund.

Vogt sieht seine Rolle im Vergleich zum mächtigen Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger anders. „Man könnte Thomas Hitzlsperger als VfB-Bundeskanzler und mich als VfB-Bundespräsident bezeichnen“, zieht er den Vergleich zur Politik.

Bei einem Saisonabbruch drohen auch dem VfB existenziellen Probleme

Lediglich repräsentative Aufgaben nimmt Vogt aber nicht wahr. Neben seinem Job als Präsident kontrolliert er als Aufsichtsratsvorsitzender die Entscheidungen der sportlichen Führung um Hitzlsperger. Operative Beschlüsse trifft er selbst aber nicht. Vogt agierte bislang eher im Hintergrund. Die aktuelle Situation rückt aber nun auch ihn schneller in den Fokus, als er es vermutet hatte. Nach der Anmeldung zur Kurzarbeit dürften sich die rund 300 Mitarbeiter des VfB von Hitzlsperger und auch ihm Antworten erhoffen, wie es langfristig weitergeht.

Ein Abbruch der derzeit ausgesetzten Saison hätte auch für den VfB extreme wirtschaftliche Folgen. „Ein Saisonabbruch wäre mit existenziellen Problemen für die Clubs verbunden, auch für den VfB“, sagte Vogt der Bild-Zeitung. Aufgrund der Ausweitung des Coronavirus und der Kontaktbeschränkungen hatte das Präsidium der Deutschen Fußball Liga empfohlen, den Spielbetrieb in der Bundesliga bis zum 30. April auszusetzen. Die Vereine und die Liga hoffen, die Saison danach doch noch irgendwie zu Ende spielen zu können, um auf TV-Einnahmen und Sponsorengelder bauen zu können.

„Es ist extrem schwer, diese Situation perfekt zu managen, weil keiner beim VfB, egal ob Thomas Hitzlsperger oder ich, jemals so eine Situation erlebt haben“, sagte er. Sie stellt nicht nur für die beiden Clubchefs eine niemals geahnte Herausforderung dar. Es könnte daher gut sein, dass sich auch die nächsten 100 Tage von Claus Vogt wieder wie ein paar Jahre anfühlen werden.