VfB Stuttgart

Wie Trainer Pellegrino Matarazzo die große Unsicherheit der VfB-Profis angehen will

Fußball VfB Stuttgart vs. Eintracht Frankfurt
Mit hängenden Köpfen und leeren Blicken traten Sasa Kalajdzic und Co. nach der Frankfurt-Niederlage den Gang in die Cannstatter Kurve an. Für den VfB Stuttgart wird es immer enger. © Pressefoto Baumann

Sechs Spiele in Folge ohne Sieg: Die Luft im Abstiegskampf wird für den VfB Stuttgart immer dünner. Trotz zwei Wochen Vorbereitung und einem Kurz-Trainingslager in Marbella setzte es gegen Eintracht Frankfurt eine schmerzhafte 2:3-Niederlage. Trainer Pellegrino Matarazzo machte auf der Pressekonferenz vor dem kommenden Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen vor allem einen Faktor für die erneute Pleite aus: die Unsicherheit der Stuttgarter Profis.

Keine Frage der Motivation: "Die Jungs wollten zu viel"

Die Szene, die der VfB-Coach mit dieser Aussage verbindet, ereignete sich kurz vor Anpfiff der zweiten Halbzeit gegen Eintracht Frankfurt. „Ich habe selten in einer Pause so eine Energie gespürt. Das Geschrei war fast elektrisierend“, schildert der Trainer seine Eindrücke. Als die Mannschaft dann wieder aufs Feld kam, war davon aber rein gar nichts mehr zu spüren. „Wir haben die Übertragung der Emotionen auf den Platz nicht hinbekommen“, so Matarazzo.

Das Problem: „Die Jungs wollten zu viel. Es war keine Frage der Motivation, sondern eher eine Frage der Ruhe.“ Dadurch sei die Mannschaft nicht in der Lage gewesen, gegen Widerstände anzukämpfen, meint Pellegrino Matarazzo. „Wir brauchen die Ruhe, um unsere Aufgabe auf dem Platz zu 100 Prozent lösen zu können.“ Dafür sollte die Mannschaft ihre Energie aufbringen und nicht „in das Geschreie in der Halbzeitpause“, so der Trainer. Mit anderen Worten: Das Team war übermotiviert – und auf dem Feld brach es unter dem eigenen Druck zusammen. Deshalb hagelte es gegen Frankfurt die dritte Niederlage in Folge.

Matarazzo treibt in der Fehleranalyse vor allem eine Frage um: „Wieso haben wir uns so schnell verunsichern lassen?“ Schon nach den ersten paar Aktionen und den ersten Standards, die nicht sauber verteidigt wurden, habe sich Unsicherheit ausgebreitet. „Das hat nichts mit Taktik, sondern nur mit der Haltung und den Fähigkeiten der Spieler zu tun.“ Beim ersten Fehler, den seine Mannschaft gemacht habe, wurde sofort an die negative Konsequenz gedacht. „Dabei haben wir unseren Fokus für die Aufgabe sowie unsere Energie verloren“, erklärt der Trainer.

Lage im Tabellenkeller prekär - was macht da noch Hoffnung?

Das Augenmerk müsse vor allem darauf liegen, mehr Stabilität und Ruhe in die Mannschaft zu bekommen. „Wie können wir die Stabilität bei defensiven Standards steigern? Und wie können wir bei den Spielern das Bewusstsein schärfen?“ Für Pellegrino Matarazzo sind das die entscheidenden Fragen, um die Probleme der Schwaben in den Griff zu kriegen. Die Liste, die es aufzuarbeiten gilt, scheint lang zu sein.

Doch ausgerechnet jetzt muss der VfB Stuttgart bei Bayer 04 Leverkusen antreten. Die Werkself erzielte in den letzten zwei Partien jeweils fünf Treffer. „Das ist eine sehr gute Mannschaft, die sich sehr gut ergänzt.“ Vor allem mit ihrem enormen Speed und Konterfußball sei die Bayer-Elf um Stürmer Patrik Schick brandgefährlich. Leverkusen sei „die Mannschaft der Stunde“, so Matarazzo.

Sollte der VfB in Leverkusen erneut verlieren, wird die Lage im Tabellenkeller immer prekärer. Bereits jetzt haben die Schwaben vier Punkte Rückstand auf das rettende Ufer. Was macht da noch Hoffnung auf den Klassenverbleib? „In der Mannschaft ist der Abstieg kein Thema. Auch ich will nicht über dieses Thema sprechen, dafür ist es viel zu früh“, so Matarazzo. Warum? Weil der VfB-Coach zwei Hoffnungsschimmer am Horizont sieht.

Matarazzo spürt, dass in seinem Team noch Leben steckt

Zum einen: Die Ansätze, die im Trainingslager trainiert wurden und gegen Frankfurt noch nicht funktioniert haben, sollen weiter umgesetzt werden. „Es gibt in jeder Hinsicht noch Luft nach oben, in der Offensive wie in der Defensive. Wir wollen unsere Änderungen fortführen und die Abläufe intensivieren, die wir ausgearbeitet haben“, erklärt der VfB-Coach. „Nur weil die Ansätze an einem Spieltag nicht funktionieren, heißt das nicht, dass wir diese wieder verwerfen.“ Als Beispiel nannte er die Systemumstellung hin zur Viererkette.

Zum anderen: Pellegrino Matarazzo spürt, das in seiner Mannschaft noch viel Leben steckt. „Wir wollen alle unser Ziel erreichen. Wenn ich den Jungs in der Kabine in die Augen schaue und sehe, dass sie an Bord sind – das motiviert mich.“ Außerdem habe er ein Trainerteam, das ständig neue Ideen einbringt. „Diese Einheit gibt Kraft, um jeden Tag auf das Trainingsgelände zu kommen und zu arbeiten. Das spüre ich täglich und das ist ein Grund, warum ich sehr optimistisch sein kann.“

Die Strohhalme, an die sich der Pellegrino Matarazzo aktuell klammert, sind dünn. Aber was bleibt ihm auch anderes übrig? „Ich wollte nie weg und will diese Aufgabe erfolgreich gestalten. Egal wie lange sie dauert, ich renne nie weg“, so der Trainer. Denn: „The harder it gets, the harder you fight – until you win.“