VfB Stuttgart

"Wir werden einen anderen VfB sehen" 

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Timo Hildebrand: "Die Fans wollen eine mutige Mannschaft sehen, die mit Leidenschaft auf dem Platz ist." © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Der VfB Stuttgart hat in dieser Woche mal wieder einen neuen Trainer vorgestellt. Der elfte Cheftrainer in den letzten fünf Jahren. Zahlen, bei denen auch Meistertorhüter Timo Hildebrand die Stirn in Falten legt. Die Entlassung von Tayfun Korkut sei dennoch die richtige Entscheidung gewesen, betont der Ex-VfB-Keeper im Interview mit unserer Redaktion. Vom neuen Coach Markus Weinzierl erhofft er sich eine mutigere Spielweise und ist sich sicher: "Wir werden in den nächsten Spielen einen anderen VfB sehen." 

Herr Hildebrand, wie haben Sie die letzten Tage rund um die Entlassung von Trainer Tayfun Korkut wahrgenommen?

Tja, mal wieder ein Trainerwechsel beim VfB. Ich würde mir schon wünschen, dass wir endlich mal wieder einen Cheftrainer haben, der länger da ist als nur acht oder neun Monate. Kontinuität auf dieser Position ist das Wichtigste. Das macht erfolgreiche Vereine aus.

War es die richtige Entscheidung, Tayfun Korkut zu entlassen?

Im Endeffekt glaube ich schon, dass es jetzt die richtige Entscheidung war - auch, dass man jetzt schnell reagiert hat. Wir haben sehr defensiv gespielt und die Ergebnisse sind ausgeblieben.

Markus Weinzierl hat jetzt das Ruder übernommen. Was erwarten Sie sich vom neuen Cheftrainer?

Ich hoffe, dass es einen Aufwind gibt. Jeder Trainer hat seine eigene Philosophie und ich hoffe, dass die Mannschaft wieder ein bisschen mutiger nach vorne spielt. In den letzten Wochen habe ich mich selbst immer wieder gefragt, warum nur ein oder zwei Offensivspieler auf dem Platz standen. Ich glaube schon, dass wir in den nächsten Spielen einen anderen VfB sehen werden. 

Aber die ersten Partien haben es direkt in sich.

Gegen Dortmund und Hoffenheim wird es nicht einfach. Aber die Fans wollen eine mutige Mannschaft sehen, die mit Leidenschaft auf dem Platz ist - dann kann man auch mal ein Spiel verlieren.

Auf was kommt es jetzt in dieser Phase an?

Es ist immer schwierig, wenn ein Trainer eine Mannschaft mitten in der Saison übernimmt. Er hat dann keine Vorbereitung, um die Jungs kennenzulernen. Markus Weinzierl hat jetzt schon ein paar Vereine trainiert und so ist das Business. Er wird sich schnell eingewöhnen und die Truppe kennenlernen. Es muss jetzt über Leidenschaft und einen guten Zusammenhalt laufen.

Die Mannschaft hat das Potenzial, um da unten wieder rauszukommen…

…klar! Es ist noch früh in der Saison. Das ist das Positive. Der Abstand zu den anderen Mannschaften ist noch nicht so groß, aber man darf nicht immer wieder hinterherrennen. Ich hoffe nicht, dass wir nochmal so eine Rückrunde brauchen, wie in der letzten Saison. So einen Kraftakt schafft man nicht jedes Jahr. Deswegen hoffe ich, dass wir frühzeitig da unten raus kommen und die Mannschaft sich im sicheren Mittelfeld stabilisiert.


Meistertorhüter und Bundesliga-Rekordhalter

Timo Hildebrand (39), geboren in Worms, absolvierte insgesamt 292 Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart und stand sieben Mal im Tor der DFB-Elf.

Mit den Schwaben feierte er unter Trainer Armin Veh die Deutsche Meisterschaft (2007) und in Spanien holte er mit dem FC Valencia die Copa del Rey (2008).

Hildebrand hält bis heute den Rekord für die längste Serie ohne Gegentor der Bundesliga-Geschichte: In der Meisersaison hielt der 1,85 Meter große Torhüter seinen Kasten 884 Minuten sauber.

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere im März 2016 möchte er in Zukunft im Marketing- und Sponsoringbereich Fuß fassen. Zudem engagiert sich Hildebrand für soziale Projekte, schreibt eine lesenswerte Torhüter-Kolumne und ist als Botschafter für den VfB Stuttgart und die Sepp-Herberger-Stiftung des DFB unterwegs.