VfB Stuttgart

Wolfgang Dietrich erklärt das Reschke-Aus

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Steht wegen den Quattrex-Verflechtungen unter Druck: VfB-Präsident Wolfgang Dietrich. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart. Am Dienstagnachmittag hat sich VfB-Präsident Wolfgang Dietrich auf einer Pressekonferenz zu den Gründen für das Aus von Michael Reschke als Sportvorstand geäußert. Die Entscheidung fiel demnach bereits am Montagabend in einer Sitzung des Aufsichtsrats, an der auch Reschkes Nachfolger Thomas Hitzlsperger teilnahm. Eine Kurzschlussreaktion war die Entlassung von Reschke nach dem desolaten Auftritt bei Aufsteiger Fortuna Düsseldorf laut Dietrich nicht. 

"Diese Entscheidung war einstimmig", erklärte Wolfgang Dietrich in einem Statement, das er von einem Zettel ablas. Im Anschluss dankte er Reschke für dessen Arbeit und den siebten Platz, den der VfB in der letzten Saison sensationell als Aufsteiger erreichte. In seiner Erklärung wurde allerdings auch klar, was letztendlich zur Entlassung Reschkes führte: Der ausbleibende sportliche Erfolg in der aktuellen Spielzeit trotz Transferausgaben in Millionenhöhe. "Er (Anm. d. Red.: Michael Reschke) hat mit seiner Expertise und seinem Netzwerk für die Saisonplanung 18/19 gesorgt, von der wir alle überzeugt waren. Leider hat seine Arbeit bislang nicht den gewünschten Erfolg gebracht und der Klassenerhalt in der Bundesliga ist nach den jüngsten Ergebnissen in erheblicher Gefahr." 

Ein weiterer Grund für das Aus von Reschke war laut Dietrich, dass die sportliche Kompetenz auf zu wenigen Schultern im Verein verteilt war. Das soll sich jetzt allerdings ändern: "Wir brauchen mehr Verantwortung im sportlichen Bereich und mehr Kompetenz. Und zwar nicht in der beratenden Rolle, sondern in der verantwortlichen. Das ist ein Punkt den wir uns zu Herzen nehmen wollen. Nach dem Klassenerhalt hat es oberste Prioritäten den Posten des Sportdirektors zu besetzen."

Und auch zu dieser eher ungewöhnlichen Lösung nahm Dietrich Stellung, schließlich sind es im Normalfall eher die Trainer, die bei ausbleibendem Erfolg gefeuert werden. "Die typische Reaktion wäre es den Trainer zu entlassen. Wir haben uns für eine andere Reaktion entschieden, weil wir denken, dass sie für den VfB Stuttgart besser ist", so Dietrich. 

Reschkes Entlassung war keine Reaktion auf den desolaten Auftritt in Düsseldorf

Doch wie kam es nun zu dem Entschluss, den Sportvorstand von seinen Aufgaben zu entbinden, nachdem Reschke am Montagvormittag noch Markus Weinzierl das Vertrauen aussprechen durfte?

Am Montagabend gab es eine Sitzung des Aufsichtsrats, an der auch Hitzlsperger teilnahm. "Es geht nicht um einen plötzlichen Sinneswandel. Die Variante, dass es zu dieser Entscheidung kommen kann, ist oft mit Michael Reschke in einem offenen Austausch diskutiert worden." Auch mit Hitzlsperger wurden schon länger Gespräche geführt, ob dieser sich die Rolle des Sportvorstandes vorstellen könne.

Dietrich erklärte, dass die Entlassung keine Kurzschlussreaktion nach dem desolaten Auftritt in Düsseldorf war ("Ich war genauso frustriert wie die Fans in der Kurve"), sondern "ein Prozess". Zwischen den Zeilen lies er zudem durchklingen, dass der nötige Zusammenhalt zwischen Trainerteam und Reschke nicht mehr gegeben war. "Wir brauchen einen absoluten Schulterschluss zwischen Vereinsführung, der Mannschaft und dem Trainer. Und ganz nebenbei gehört es dazu, die Mannschaft viel stärker in die Pflicht zu nehmen", sagte der 70-Jährige.

Dietrich sieht die Entlassung nicht als persönliche Niederlage

Da Michael Reschke nun nicht mehr Sportvorstand der Roten ist, wird aus Fankreisen der Ruf nach einer Entlassung Dietrichs lauter. Schließlich war er es, der Reschke als Nachfolger von Jan Schindelmeiser beim VfB als Sportvorstand installierte. Ob Dietrich nun selbst auch gescheitert ist? "Das sehe ich nicht. Ich sehe das nicht als persönliche Niederlage. Eine Niederlage wäre es, wenn man nicht den Mut dazu hätte, eine Entscheidung zu korrigieren", erklärte er auf Nachfrage. "Gescheitert ist sicher die Kaderplanung von der wir alle überzeugt waren. Sie hat nicht den erforderlichen Erfolg gebracht. Und Erfolg ist in diesem schnelllebigen Geschäft das oberste Gebot."

Noch im Sommer lies Dietrich eine Kündigungsklausel aus dem Vertrag von Reschke streichen. Ob die Trennung für den VfB nun teuer wird? "Überhaupt nicht. Machen Sie sich da keine Sorgen", erklärte Dietrich und fügte hinzu: "Wir werden eine gute Lösung finden."

Wie sehr die Situation dem Clubpräsidenten nahe geht, wurde deutlich, als es eine Nachfrage zu Hitzlspergers Vertragslänge gab. Dietrich konnte daraufhin keine Jahreszahl nennen, sondern sagte mit einem müden Lächeln: "Dreieinhalb Jahre. Im Kopfrechnen bin ich gerade schwach." Es war wohl eine lange Aufsichtsratssitzung am Montagabend. 


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