VfB Stuttgart

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

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Sucht noch nach seiner Rolle beim VfB Stuttgart: Gonzalo Castro. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart. Er kam im Sommer als vielversprechender Neuzugang zum VfB Stuttgart, doch die erste Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus. Mittelfeldspieler Gonzalo Castro verlebt aktuell schwere Zeiten und kam zuletzt auch unter dem neuen Trainer Markus Weinzierl kaum zum Zug. Zwischen seinen eigenen Ansprüchen und der Wirklichkeit auf dem Platz klafft eine riesige Lücke. Bekommt der Routinier nun aber am Freitag gegen seinen Ex-Verein eine neue Chance?

Als „wichtigen Mosaikstein in unserer Kaderplanung“ bezeichnete Sportvorstand Michael Reschke den zentralen Mittelfeldspieler bei dessen Vorstellung Ende Juni. Er sei sich absolut sicher, „dass Gonzalo Castro unsere Mannschaft besser macht.“

Castro selbst verkündete im Trainingslager am Chiemsee, dass er „vorne weg gehen“ und den „jungen Spielern helfen“ wolle. Mit seiner Erfahrung aus fast 400 Bundesliga-Spielen für Leverkusen und Dortmund wollte er in Stuttgart ein echter Leitwolf sein.

Castro: „Was ich bisher gezeigt habe, ist definitiv nicht mein Anspruch“

Knapp fünf Monate später fällt die erste Zwischenbilanz des Sechs-Millionen-Euro-Neuzugangs allerdings ernüchternd aus: Nur in sechs von elf Bundesliga-Spielen stand er in der Startelf.

Zuletzt wurde Castro nicht einmal mehr eingewechselt (gegen Nürnberg) oder kam nur für die letzten Minuten auf den Rasen (gegen Frankfurt). Zwischen seinen eigenen Ansprüchen und den gezeigten Leistungen auf den Platz lagen bisweilen Welten.

Folgerichtig ist der 31-Jährige mit seiner aktuellen Situation alles andere als zufrieden. "Das, was ich bisher gezeigt habe, ist definitiv nicht mein Anspruch", zog Castro Mitte Oktober im Interview mit der Bild-Zeitung ein erstes selbstkritisches Fazit. “Jetzt gilt es aber erstmal, den Karren aus dem Dreck zu ziehen und so schnell wie möglich Platz 18 zu verlassen.“

Auch sein einstiger Mentor und heutiger Sportvorstand Michael Reschke scheint schwer enttäuscht von seinem Neuzugang. Nach der 0:3-Pleite gegen Eintracht Frankfurt soll Reschke den einstigen U-21-Europameister vor versammelter Mannschaft in den Senkel gestellt haben. Er sei bislang enttäuscht und erwarte deutlich mehr von ihm. 

Weinzierl: „Er wird seine Chance bekommen“

Vor dem Duell mit seinem Ex-Club Bayer Leverkusen am Freitagabend (20.30 Uhr/ZVW-Liveticker) hat sich nun auch sein Trainer Markus Weinzierl zu Wort gemeldet. „Es steht außer Frage, dass er hier in Stuttgart noch nicht seine beste Leistung abgeliefert hat", sagte Weinzierl am Mittwoch auf der Pressekonferenz vor dem Duell mit der Werkself.

In Weinzierls erstem Spiel auf der VfB-Trainerbank stand Castro noch in der Startelf. Gegen den BVB lieferte er auf der zentralen Position vor der Abwehr aber eine schwache Vorstellung ab und musste zur Pause runter. Weinzierl: „Da war er nicht ganz so stabil. Aber das lag nicht nur an ihm, sondern an der gesamten Mannschaft.“ 

Danach war Castro fürs Erste raus aus der ersten Elf. Beim 0:4 in Sinsheim saß er 90 Minuten auf der Bank, gegen Frankfurt wurde er in den letzten fünf Minuten eingewechselt und beim 2:0-Sieg in Nürnberg schmorte der 31-Jährige auf der Ersatzbank. Schlechte Trainingsleistungen sind dabei laut Trainer Weinzierl kein Grund für Castros Reservistenrolle: „Er arbeitet gut und wird seine Chance bekommen."

Bekommt Castro gegen Leverkusen eine neue Chance?

Dass der erfahrenste Spieler im Stuttgarter Kader bislang unter seinen Möglichkeiten geblieben ist, erklärt sich Weinzierl auch mit der Gesamtsituation rund um den kriselnden VfB. „Bis jetzt ist es in der Mannschaft noch nicht einhundert prozentig gelaufen und natürlich auch für ihn nicht“, sagt der Stuttgarter Trainer. Gleichzeitig nimmt er den Routinier aber auch in die Pflicht: „Wir erwarten natürlich auch einen Sprung nach vorne. Wir wissen, dass er es kann.“

Vielleicht bekommt der gebürtige Wuppertaler am Freitagabend an seiner alten Wirkungsstätte eine neue Chance. Der etatmäßige Sechser Santiago Ascacibar war mit der argentinischen Nationalmannschaft auf einer langen Länderspielreise und wird vor dem Flutlichtspiel unterm Bayerkreuz nicht mehr mit der Mannschaft trainieren können.

Ist das wiederum die Gelegenheit für Castro? „Er kennt sich in Leverkusen sehr gut aus und ist eine Option“, sagte Markus Weinzierl am Mittwoch und ergänzte vielsagend: „Ich stelle nach Leistung auf und da ist er definitiv ein Kandidat für Freitag.“


Zur Person:

  • Gonzalo Castro hat in seiner bisherigen Karriere 366 Bundesliga-Spiele bestritten, in denen er 32 Tore erzielte und 74 Treffer vorbereitete. Zudem lief er für seine ehemaligen Clubs Bayer 04 Leverkusen und Borussia Dortmund insgesamt 84 Mal in internationalen Wettbewerben auf – Champions und Europa League (sieben Tore, elf Vorlagen).
  • Das Trikot der deutschen Nationalmannschaft streifte er fünf Mal über und mit der deutschen U-21-Nationalmannschaft gewann er 2009 den EM-Titel.
  • Von 2015 bis 2018 spielte er für die Borussia aus Dortmund, mit der er den DFB-Pokal in der Saison 2016/2017 gewann. 
  • Sein Vertrag beim VfB Stuttgart läuft bis zum 30. Juni 2021.