VfB Stuttgart

Warnung vor dem "Mia-san-Mia-Gefühl"

VfB-Training 21.11.16_0
VfB-Cheftrainer Hannes Wolf ordnete das Remis in Berlin einen Tag später realistisch ein: „Wenn man die zweite Liga ernst nimmt, dann darf man über das 1:1 von Berlin nicht todtraurig sein." © Danny Galm

Stuttgart.
Nach dem 1:1 beim FC Union Berlin, durften die VfB-Profis am Dienstag die Beine hochlegen. Erst am Mittwoch um 14:30 Uhr bittet Hannes Wolf seine Jungs wieder auf den Trainingsplatz. Dann werden die Sinne für das nächste Heimspiel (Montag, 28.11.) gegen den 1. FC Nürnberg geschärft.

„Wir haben kein Alleinstellungsmerkmal“

Vier Spiele haben die Stuttgarter im Kalenderjahr 2016 noch zu absolvieren. Als Tabellenzweiter geht der VfB in den Jahresendspurt. Kapitän Christian Gentner zur aktuellen Tabellensituation: „Wir sind ganz oben mit dabei. Aber wir haben kein Alleinstellungsmerkmal. Wir wollen oder müssen – mehr oder weniger – aufsteigen. Aus der Rolle wollen wir uns auch gar nicht rausstehlen. Aber wir sind nicht alleine.“

Ist für den großen Aufstiegsfavoriten ein 1:1 beim FC Union Berlin nicht zu wenig? Während VfB-Keeper Langerak, dessen Patzer die „Eisernen“ zurück ins Spiel brachte, diese Aussage bejaht („Es tut ein bisschen weh, dass wir zwei Punkte verloren haben, aber wir haben noch Zeit das zu korrigieren"), können Sportvorstand Schindelmeiser und auch Coach Hannes Wolf mit der Punkteteilung gut leben.

Der Mannschaft taktisch einiges abverlangt

Vor allem die Art und Weise, wie seine Jungs in der hitzigen Atmosphäre in der Alten Försterei auftraten, gefiel Cheftrainer Wolf: „Mit der Art, wie wir Fußball gespielt haben kann ich gut leben. Wir kommen mit den Spielern also inhaltlich gut voran.“ Den Spielern hatte der Trainer in Berlin mit dem erstmals erprobten 3-2-4-1-System zudem taktisch einiges abverlangt.

Die Stimmung bei den Fans ist hingegen zweigespalten: Auf der einen Seite loben die VfB-Fans den couragierten und disziplinierten Auftritt ihrer Truppe bei einem Mitkonkurrenten um den Aufstieg und auf der anderen Seite bleibt den treuen Anhängern auch nicht verborgen, dass es ihr Verein nicht schafft einen Gegner über die vollen 90 Minuten zu dominieren.

„Wir sind keine Übermannschaft“

Konnte Hannes Wolf nur mit Leistung in der zweiten Halbzeit im Heimspiel gegen Bielefeld gut leben (3:1), so waren es bei den "Eisernen" nur die ersten 60 Minuten der Partie. Auch Kapitän Gentner erklärte in der Bild-Zeitung: „Wir sind keine Übermannschaft.“ Nach der montäglichen Trainingseinheit ärgerte sich auch Trainer Hannes Wolf ein wenig: „Nach dem Gegentreffer haben wir uns defensiv verloren. Das müssen wir uns vorwerfen lassen. Offensiv war es weiter gut.“

Aus den letzten vier Partien holten sich die Stuttgarter zehn Punkte. Eine mehr als ordentliche Ausbeute. Der VfB also auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel. Der Jahresendspurt hält für den VfB Stuttgart nun noch vier dicke Bretter bereit:

  • 14. Spieltag: Montag, 28.11. VfB – 1- FC Nürnberg
  • 15. Spieltag: Sonntag, 04.12. Erzgebirge Aue – VfB
  • 16. Spieltag: Montag, 12.12. VfB – Hannover 96
  • 17. Spieltag: Sonntag, 18.12. Würzburger Kickers - VfB

Am nächsten Montag geht es unter Flutlicht gegen den Vorjahresdritten aus Nürnberg. Es folgt die Auswärtspartie bei Erzgebirge Aue. Am 12. Dezember erwartet der VfB dann den Mitabsteiger aus Hannover zum absoluten Top-Spiel in der heimischen Arena. Den Jahresabschluss bestreiten die Schwaben am 18. Dezember beim heimstarken Aufsteiger in Würzburg. Vier Partien, die viermal volle Konzentration erfordern.

Platz eins und acht trennen nur sechs Zähler

Fakt ist: Im Ringen um die Aufstiegsränge wird es bis zuletzt einen heißen Kampf geben. Aktuell liegt der VfB Stuttgart nur einen Punkt hinter Tabellenführer Braunschweig. Der Blick auf die Tabelle zeigt: Platz eins und acht trennen aber gerade einmal sechs Zähler:

Platz Verein Spiele Tordifferenz Punkte
1. Eintracht Braunschweig 13 +11 27
2. VfB Stuttgart 13 +7 26
3. Hannover 96 13 +10 24
4. 1. FC Heidenheim 13 +7 22
5. Fortuna Düsseldorf 13 +6 22
6. Dynamo Dresden 13 +5 22
7. 1. FC Union Berlin 13 +6 21
8. Würzburger Kickers 13 +4 21

(Stand 22.11.)

Die Blogger vom VfB-Blog "Vertikalpass.de" sind der Meinung: "Individuell und spieltaktisch war der VfB allen seinen bisherigen Gegnern überlegen. Was fehlte, war der unbedingte Wille, das auch auf den Platz zu bringen." Nicht 20, 30 Minuten oder 45 Minuten, sondern 90 plus Nachspielzeit. Ähnlich denkt auch Sportvorstand Jan Schindelmeiser: „Wenn wir in ein Spiel nur 10 Prozent weniger reinlegen, dann reicht es nicht.“ Der erwartet von der Mannschaft aber auch nicht den direkten Wiederaufstieg mit 34 Siegen aus 34 Spielen. „Die Stärken von Gegnern wie Union Berlin nicht zur Kenntnis zu nehmen“, sagt der Sportvorstand, „das wäre arrogant und wenig respektvoll gegenüber der Konkurrenz.“

Cheftrainer Wolf vertritt die gleichen Ansichten: „Wenn man aber die zweite Liga ernst nimmt, dann darf man über das 1:1 von Berlin nicht todtraurig sein. Das ist eben der Fußball.“ Jan Schindelmeiser warnt vor einer Art schwäbischem „Mia-san-Mia-Gefühl“ und einer damit einhergehenden Arroganz: „Wir müssen uns auch noch über einen Sieg gegen Sandhausen freuen dürfen.“