VfB Stuttgart

Warum Ex-Trainer Wolf beim VfB scheiterte

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„Insgesamt war das eine ganz schlechte Woche für uns“, erklärte ein zerknirschter Hannes Wolf nach dem Test-Kick in Großaspach. © Danny Galm

Stuttgart.
Nach seiner Entlassung als Trainer des VfB Stuttgart vor einem Monat erklärt Hannes Wolf die Gründe seines Scheiterns. In einem Interview mit dem Sportmagazin "Kicker" äußert sich der 36-Jährige erstmals über die Umstände der Trennung vom Klub, der unter Nachfolger Tayfun Korkut in vier Spielen zehn Punkte sammelte.

Defensivarbeit vernachlässigt

In den letzten Spielen der Hinrunde habe noch das nötige Quäntchen Glück gefehlt, in der Rückrunde sei auf der Suche nach Lösungen für die Offensive auch "die nötige Schärfe und Konsequenz im Verteidigen" verloren gegangen. "Da hätten wir die Schwerpunkte in der Wintervorbereitung anders akzentuieren können." Sich über die Angriffsschwäche Gedanken zu machen, war nach Wolfs Einschätzung angebracht, dennoch: "Mit dem Blick zurück würde ich wahrscheinlich etwas anders machen." Über die aktuelle 1:0-Serie freut sich der Ex-Trainer: "Die Mannschaft hat die defensive Stabilität verinnerlicht. Es ist cool, das zu sehen."

Der Versuch, auf eine variablere Offensive umzustellen, habe bei dem einen oder anderen Spieler zu Enttäuschungen geführt.  Trotzdem sei das Verhältnis zur Mannschaft bis zuletzt gut gewesen.  Trainerwechsel könnten helfen, Festgefahrenes aufzubrechen und eine neue Dynamik auszulösen: "Wenn man lange mit einer Mannschaft zusammenarbeitet, gibt es Rollen, in denen sich Menschen befinden (...) Wenn Rollen aufgebrochen werden, das sieht man jetzt auch unter Tayfun Korkut, dann setzt das Energie frei. Weil jeder eine neue Chance bekommt, sich neue Perspektiven eröffnen. Darin steckt eine Kraft, die man nutzen kann." Bei der eigenen Arbeit war sich Wolf zuletzt nicht mehr sicher, ob es zielführend war, die Rollen weiter aufzubrechen.

Milde Kritik an Reschke

Als er das Gespräch mit der Klubführung  suchte, um die Situation zu analysieren, war dem Trainer klar, dass es auf seine Entlassung hinlaufen könnte. "Diesbezüglich habe ich mir nichts vorgemacht." Zu Präsident Wolfgang Dietrich pflege er bis heute ein Vertrauensverhältnis. insgesamt habe er immer die Unterstützung gespürt, auch von Sportvorstand Michael Reschke. Milde Kritik übt Wolf freilich an dessen öffentlicher Aussage "Wir müssen uns in der Woche noch mal zusammensetzen, um uns taktische und spielerische Alternativen zu überlegen."  Das sei zwar anders gemeint gewesen, als es aufgenomen wurde. Dennoch: "Die Sache war unglücklich und anschließend medial schwierig wieder einzufangen."

Unterm Strich ist der Aufstiegstrainer mit seiner Bilanz in Stuttgart zufrieden: "Wir haben die Mannschaft, den Verein in einem besseren Zustand übergeben, als wir ihn vorgefunden haben. Darauf sind wir stolz. Deswegen ist auch die Verbundenheit zum VfB weiterhin da."