VfB Stuttgart

Warum Geisterspiele für viele Fans keine Lösung sind

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Symbolbild. © Pixabay.com

Der Plan der Deutschen Fußball Liga (DFL) sieht es vor, die wegen der Coronavirus-Pandemie unterbrochene Spielzeit ab Anfang Mai mit Spielen vor leeren Rängen zu Ende zu bringen. Nur so kommen die 36 Clubs der 1. und 2. Bundesliga an die noch zu verteilenden TV- und Sponsoren-Einnahmen, die viele Vereine zum wirtschaftlichen Überleben benötigen. Viele Fans können mit diesen Planungen der DFL allerdings nur wenig anfangen. „Die Wiederaufnahme des Fußballs, auch in Form von Geisterspielen, ist in der aktuellen Situation nicht vertretbar – schon gar nicht unter dem Deckmantel der gesellschaftlichen Verantwortung“, schreiben die Fanszenen Deutschlands, zu denen auch die VfB-Ultragruppierung "Commando Cannstatt 97" gehört, in einer am Donnerstag veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme.Dort heißt es weiter: „Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne.“ In keinem Fall dürfe es ein „Lex Bundesliga“ geben, der Fußball in Deutschland habe zwar eine „herausgehobene Bedeutung, systemrelevant ist er jedoch ganz sicher nicht.“ Aus Sicht der Anhänger offenbart die Corona-Krise die tiefgreifenden Probleme der Branche: „Ein System, in das in den letzten Jahren Geldsummen jenseits der Vorstellungskraft vieler Menschen geflossen sind, steht innerhalb eines Monats vor dem Kollaps. Der Erhalt der Strukturen ist vollkommen vom Fluss der Fernsehgelder abhängig, die Vereine existieren nur noch in totaler Abhängigkeit von den Rechteinhabern.“ 

Seit Jahren fordern die Fans Reformen für eine gerechtere Verteilung der TV-Einnahmen und kritisieren die mangelnde Solidarität zwischen großen und kleinen Vereinen. Spätestens jetzt sei es aus ihrer Sicht nötig, „dass sich Fußballfunktionäre ernsthaft mit diesen Punkten auseinandersetzen.“ Die Fan-Vereinigung sieht die Corona-Krise deshalb auch als eine Chance für einen Neuanfang: „Die jetzige Herausforderung ist auch eine Chance: Die Verbände sollten diese Krise als solche begreifen und die Strukturen des modernen Fußballs grundlegend verändern. Es ist höchste Zeit!“


Die zentralen Forderungen der Fans: 

  • „Der aktuelle Plan der DFL, den Spielbetrieb im Mai in Form von Geisterspielen wieder aufzunehmen, darf nicht umgesetzt werden. Wir maßen uns nicht an, zu entscheiden, ab wann der Ball wieder rollen darf. In einer Situation, in der sich der Fußball auf diese Weise so dermaßen vom Rest der Gesellschaft entkoppeln würde, darf es jedoch nicht passieren. 
  • Eine sachliche Auseinandersetzung mit der aktuellen Lage muss forciert und eine Abkehr vom blinden Retten der TV-Gelder vollzogen werden. Auch ein möglicher Abbruch der Saison darf kein Tabu sein, wenn die gesellschaftlichen Umstände es nicht anders zulassen. In diesem Fall sollten nicht nur Horrorszenarien in Form von drohenden Insolvenzen skizziert werden, sondern Lösungsmöglichkeiten in Form von Förderdarlehen, erweiterten Insolvenzfristen und anderen Kriseninstrumenten, denen sich auch die restliche Wirtschaft stellt, diskutiert werden. 
  • Eine kommende Lösung muss maximal solidarisch sein. Es darf unter den Vereinen keine Krisengewinner – und verlierer geben. Die Schere zwischen ,,groß‘‘ und ,,klein‘‘ darf nicht noch weiter auseinandergehen. Ausdrücklich schließen wir damit auch die Vereine der dritten Liga und der Regionalligen mit ein, für die Geisterspiele ohnehin keine Option sind.
  • Die Diskussion über grundlegende Reformen, um den Profifußball nachhaltiger und wirtschaftlich krisensicherer zu gestalten, muss jetzt beginnen. Sie darf nicht nur von Fans und Journalisten geführt werden, sondern ist die zentrale Aufgabe der Verantwortlichen der Clubs und Verbände.Strukturen und Vereine müssen auf einen finanziell und ideell sicheren Boden zurückgeholt werden. Dabei muss die 50+1-Regel weiterhin unberührt bleiben.“