VfB Stuttgart

Warum sich der VfB Stuttgart neu orientieren muss

VfB Stuttgart gegen Hannover 96_9
Der VfB Stuttgart überrollt hilflos unterlegene Hannoveraner im Abstiegsduell mit 5:1. © ZVW/Felix Arnold

Stuttgart. Ein volles Stadion, große Tradition und erfolgreiche Unternehmen in der Nachbarschaft: Viele Fans können sich nur schwer erklären, warum der VfB Stuttgart aktuell nicht mehr im Konzert der Großen mitspielt. Der neue Vorstandsvorsitzende Thomas Hitzlsperger will den Verein neu ausrichten und dafür alte Denkmuster aufbrechen. Seine schonungslose Analyse des Ist-Zustandes: „Das, was wir aktuell einsetzen können, reicht nicht mehr, um ganz oben mitzuspielen.“

Als neuer Vorstandsvorsitzender trägt Thomas Hitzlsperger seit dem 15. Oktober die Hauptverantwortung für den gesamten Profibereich des Zweitligisten. Er ist der Kopf des VfB für wirtschaftliche, personelle und vor allem sportliche Belange - und für den Ex-Profi ist klar: Der VfB muss sich neu orientieren. Dafür will der 52-fache Nationalspieler alte Denkmuster aufbrechen. Allen voran die Erwartungshaltung rund um den Traditionsclub aus Bad Cannstatt.

„Ich hatte auch einige Zeit dieses Bild“

„Viele sehen ein volles Stadion und eine Region, die gespickt ist mit erfolgreichen und finanzstarken Unternehmen, und übertragen das eins zu eins auf den VfB. Das läuft so aber nicht mehr“, sagt Hitzlsperger. „Ich hatte auch einige Zeit dieses Bild“, räumt der neue Vorstandsboss ein, „aber dann habe ich die Vergleichszahlen aus der Bundesliga gesehen. Das war ein Reality-Check.“

Die Fußballwelt hat sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt. Immer größere Summen sind im Umlauf, immer mehr Geld wird in die Kader gepumpt. „Es gibt mittlerweile viele Vereine im deutschen Fußball, die für Spieler und Trainer sehr viel mehr Geld ausgeben können als wir“, so Hitzlsperger. Seine schonungslose Analyse des Ist-Zustandes: „Das, was wir aktuell einsetzen können, reicht nicht mehr, um oben mitzuspielen.“

Mehr Geld gleich mehr sportlicher Erfolg?

Doch wie konnte das passieren? Wie wurde der stolze Club aus dem Schwabenland aus dem Konzert der Großen verdrängt? „Viele Vereine haben in den letzten Jahren gut gearbeitet oder haben weniger Fehler gemacht als wir – und sind an uns vorbeigezogen“, sagt Thomas Hitzlsperger. „Das Geld spielt dabei eine große Rolle. Was ein Verein in seinen Kader investiert, daran kann man mit wenigen Ausschlägen nach oben und unten relativ gut ablesen, was die voraussichtliche Endplatzierung sein wird.“

Im Blick hat der 37-Jährige dabei weniger die Transferausgaben, sondern vor allem den Etat der Mannschaft. Der beläuft sich in dieser Saison auf rund 40 Millionen Euro. Zum Vergleich: In der Bundesliga pumpten zuletzt (Zahlen zum Geschäftsjahr 2017) der FC Bayern München 257 Millionen Euro und Borussia Dortmund 169 Millionen Euro in ihren Kader. „Die meisten Bundesligaclubs kriegen das, was sie einsetzen“, sagt Hitzlsperger - Sprich, die Meisterschaft (Bayern) und die Champions League (Dortmund).

Mehr Geld also gleich mehr sportlicher Erfolg? Die Gleichung geht nicht immer auf. Diese Erfahrung haben die Schwaben jüngst in der Abstiegssaison 2018/19 gemacht, als viel Geld in den VfB-Kader gesteckt wurde und am Ende der zweite Abstieg innerhalb von drei Jahren stand. Oder wie es Thomas Hitzlsperger formuliert: „Bei uns war es leider ein paar Mal so, dass wir weniger erreicht haben, als wir eingesetzt haben.“

„Wir tun schon mal gut daran, entscheidende Fehler zu vermeiden“

Die aktuelle Wirklichkeit für die Stuttgarter ist deshalb der knochenharte Alltag in der 2. Liga. Das hat die Mannschaft von Trainer Tim Walter zuletzt bei den Heimpleiten gegen Wiesbaden (1:2) und Kiel (0:1) zu spüren bekommen. Das Saisonziel ist klar definiert: der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga. Hitzlsperger: „Wir wollen aufsteigen und haben die Mittel dafür eingesetzt. Das ist unser Anspruch. Und wenn uns das gelingt, dann müssen wir realistisch bleiben und in den nächsten Jahren klug agieren.“

Vollmundige Aussagen wie zum Beispiel von Ex-Präsident Wolfgang Dietrich, der nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga 2017 verkündete: „Mein Traum ist, dass wir uns dann im oberen Drittel der Tabelle etabliert haben und bestenfalls nur zwei Vereine größer sind als wir“, soll es künftig nicht mehr geben. „Ich werde nicht sagen: Wir wollen in drei Jahren vorne mitspielen. Das bringt uns gar nichts. Wir sind aktuell in der 2. Liga und tun schon mal gut daran, entscheidende Fehler zu vermeiden. Das ist der erste Schritt.“

Jetzt, als Sportvorstand und Vorstandsboss in Personalunion, plädiert Hitzlsperger für einen neuen Realismus rund um den VfB: „Man muss vielleicht mal den Gedanken aus den Köpfen bringen, dass der VfB eigentlich international spielen muss.“ Stehen die Stuttgarter also im Herbst 2019 genau da, wo sie auch hingehören? „Wahrscheinlich ist es so“, sagt Thomas Hitzlsperger. „In der Vergangenheit wurden Fehler gemacht, die zu den zwei Abstiegen geführt haben. Das müssen wir jetzt akzeptieren, aber es gibt keinen Grund zum Jammern. Wir können optimistisch nach vorne schauen. Die Basis passt, das Gerüst ist gut.“


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