VfB Stuttgart

Was Claus Vogt als Präsident umsetzen will

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Claus Vogt wurde am Sonntag zum neuen Präsidenten des VfB Stuttgart gewählt. © ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Es könnte durchaus sein, dass man Claus Vogt bei den Spielen des VfB Stuttgart künftig gar nicht erkennt. Der neue Präsident des Fußball-Zweitligisten dürfte zwar allein anhand seiner weißen Zähne und des breiten Lächelns relativ leicht zu identifizieren sein. Aber der 50 Jahre alte Unternehmer möchte auch als neuer Clubchef weder im Vordergrund noch im Mittelpunkt stehen. Zum Auswärtsspiel der Schwaben am Montag (20.30 Uhr / ZVW-Liveticker) beim SV Darmstadt 98 wollte er aus diesem Grund sogar "vielleicht inkognito" reisen, um besser nicht entdeckt zu werden.

Vogt will den Fans mehr Gewicht verleihen

Vogt meinte das natürlich scherzhaft, trotzdem sagt es viel über ihn aus. Er will den Fans des Traditionsclubs mehr Gewicht verleihen, und sich selbst zurücknehmen. Er will den VfB transparenter und glaubwürdiger machen. Er bot schon auf der Mitgliederversammlung am Sonntag an, dass er im permanenten Austausch mit den Anhängern bleiben wolle. Und eine Sache sagte er zwar nicht, aber sie wurde mit jedem seiner Sätze deutlich: Er will anders sein als sein Vorgänger Wolfgang Dietrich, dem nach seinem Rücktritt im vergangenen Sommer die Entlastung auf der außerordentlichen Versammlung in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle deutlich verwehrt blieb.Ab Montag wird Vogt nun an all dem gemessen, was er mit seinem Herzensclub so vorhat. Um 11 Uhr stand für ihn das erste Treffen mit dem mächtigen Aufsichtsrat an, zu dessen Vorsitzendem er nun ebenfalls aufsteigt. Sein wichtigster Job wird es sein, die durch Dietrich tief gespaltene Anhängerschaft wieder zusammenzuführen. Vogt will dafür Gesprächspartner und Zuhörer sein, sein Einfluss auf das operative Geschäft ist ohnehin begrenzt. Denn die Macht liegt seit Mitte Oktober beim Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger, dem es zumindest nicht missfallen haben dürfte, dass Vogt sich eher im Hintergrund aufhalten möchte.

Einsatz für Fan-Interessen und Integrität im Profifußball

Seine Amtszeit ist ohnehin erst mal bis zum Herbst 2020 begrenzt. Dann steht erneut eine Mitgliederversammlung an, auf der er unbedingt als Präsident bestätigt werden möchte. Ob es erneut einen Gegenkandidaten gibt, ist derzeit noch unklar. "Ich hoffe es nicht", sagte Vogt. "Wenn ja, dann wird ein Wahlkampf beginnen." Wie ein solcher funktioniert, weiß er ja bereits. Dass er sich gegen seinen unterlegenen Konkurrenten Christian Riethmüller durchsetzte, hat möglicherweise auch mit seinem bei Fans beliebten Einsatz gegen eine zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs zu tun.

Mit dem von ihm gegründeten Verein "FC PlayFair!" setzt er sich schon länger für Integrität im Profifußball und für Fan-Interessen ein. Als VfB-Präsident kann er nun als aktiver Teil dieses Business beweisen, wie ernst es ihm damit ist. Über allem steht aber auch für Vogt die Rückkehr der Stuttgarter in die Bundesliga im nächsten Sommer. Sollte das nicht gelingen, dürfte auch er früher oder später in die Kritik geraten. Aber da er ja eher im Hintergrund werkeln möchte, stünden im Misserfolgsfall wohl zunächst "Spieler, Trainer, Scouting oder Vorstandschef" am Pranger, vermutet Vogt: "Und ganz am Schluss der Präsident bestimmt auch."