VfB Stuttgart

Was die Schwaben beim SV Darmstadt 98 erwartet

Hannover 96 - Darmstadt 98
Lilien-Torschütze Tobias Kempe (M) stellte die Weichen auf Darmstadt-Sieg in Hannover. Foto: Peter Steffen/dpa © dpa
Darmstadt/Stuttgart.

Der VfB Stuttgart zeigt in dieser Saison bislang zwei Gesichter: Nach dem verdienten 3:1-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg sind die Schwaben aktuell das stärkste Heimteam der Liga (21 Punkte), auf fremden Plätzen schafft es die Walter-Elf dagegen häufig nicht, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. Zuletzt 2:6 in Hamburg, 0:1 in Osnabrück und 1:2 in Sandhausen – macht unter dem Strich Platz elf in der Auswärtstabelle. Seit Ende September (2:1-Sieg in Bielefeld) warten die Schwaben auf einen Dreier in der Fremde. Am Montagabend steht nun die schwere Partie beim SV Darmstadt 98 an (20.30 Uhr/ZVW-Liveticker). Der kommende Gegner des VfB im Check:

Der bisherige Saisonverlauf der "Lilien"

Aktuell steht die Mannschaft von Dimitrios Grammozis voll im Soll. Mit 19 Punkten nach 16 Spieltagen haben die Hessen bisher zwar keine Bäume ausgerissen, stehen auf Platz 13 aber vier Punkte über dem Strich. Vor der Saison hatten die „Lilien“ einen Platz im Mittelfeld der Tabelle als Ziel ausgegeben - auf einem solchen steht der SV Darmstadt seit dem dritten Spieltag durchgängig. Von Mitte August bis Anfang Oktober durchlebten die Darmstädter eine Phase mit sieben Spielen ohne Sieg. Von dieser zwischenzeitlichen Durststrecke hat sich die Mannschaft aber gut erholt und anschließend knappe Siege gegen St. Pauli und Aue (jeweils 1:0) eingefahren. Auch wenn die Grammozis-Elf sehr minimalistisch unterwegs ist, zeichnet sie eines besonders aus: die Moral. Nach einer Niederlage konnten die Hessen im anschließenden Spiel immer punkten. 

Trainer-Novize Grammozis leistet hervorragende Arbeit

Mit Dimitrios Grammozis sitzt aktuell ein relativ unerfahrener Trainer auf der Bank der Darmstädter. Für den 41-jährigen Fußballlehrer sind die „Lilien“ erst die zweite Station im Profifußball – nach dem VfL Bochum, wo Grammozis vorwiegend für die Jugend- und Reservemannschaften tätig war.
Erst im März vergangenen Jahres bekam der Wuppertaler die Trainer-Lizenz überreicht, um bereits ein Jahr später als Chefcoach bei den Darmstädtern einzusteigen. Zu diesem Zeitpunkt (Februar 2019) waren die „Lilien“ akut abstiegsgefährdet. 
Mit dem jungen Grammozis auf der Bank hielt der Verein am Ende souverän die Klasse. Mit Teamgeist und taktischer Disziplin führten die Verantwortlichen den SV Darmstadt auf den 10. Tabellenplatz – mit ganzen elf Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge.

Als Spieler wurde Grammozis häufig als „Wandervogel“ bezeichnet, da er einige Vereine in seiner Vita stehen hat. Der ehemalige Abwehrspieler stand unter anderem in Uerdingen, Hamburg, Kaiserslautern und Köln unter Vertrag. In seiner Zeit beim Hamburger SV brachte es der Grieche auf 32 Spiele in der ersten Liga, in denen ihm ein Tor gelang. Die Tugenden eines beinharten Verteidigers versucht Grammozis heute seinen Spielern zu vermitteln. 

Defensive ist Trumpf, Offensive noch ausbaufähig

Bei einem ehemaligen Defensivspieler als Trainer ist es kein Wunder, dass die Abwehr der „Lilien“ nur schwer zu überwinden ist. Mit gerade einmal 22 Gegentoren steht die Viererkette um Kapitän Fabian Holland sehr sicher und gehört zu den besten aller Teams in der zweiten Tabellenhälfte.
In der Offensive stockt dagegen häufig der Motor. Gerade einmal 17 Treffer nach 16 Spieltagen stellen den schwächsten Wert der Liga dar – gemeinsam mit dem Tabellenletzten aus Dresden. Aus der Kreativzentrale um die Mittelfeldspieler Tobias Kempe und Marvin Mehlem kommen zu wenige Impulse nach vorne. 
Einzig Top-Stürmer Serdar Dursun konnte in den letzten Wochen seinen Torriecher unter Beweis stellen: Der Deutsch-Türke kommt auf fünf Treffer und zwei Vorlagen.

Auch das enge Stadion am Böllenfalltor galt in den letzten Jahren als wahre Festung für die Darmstädter. Mit seinem besonderen Charme und der Lautstärke ist das alte Stadion bereits für den ein oder anderen Favoriten zum Stolperstein geworden. Gerade nach den jüngsten Auftritten in der Fremde sollten die Stuttgarter die Bedingungen vor Ort keineswegs auf die leichte Schulter nehmen – auch wenn die Hessen in dieser Spielzeit erst zwei Heimsiege feiern konnten. 

VfB-Trainer Walter: „Uns fehlen aktuell Stabilität und Konstanz“

Auch Tim Walter weiß um die Tatsache, dass seine Mannschaft zuletzt einem Heimsieg meist eine Niederlage bei vermeintlich kleinen Teams folgen ließ. Wie beispielsweise die Resultate in Osnabrück oder Sandhausen in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, ist nicht nach dem Gusto des Stuttgarter Coaches: „Selbst wenn man gewinnt, ist nicht alles positiv. Im Umkehrschluss darf bei einer Niederlage aber auch nicht alles schlechtgeredet werden“, so Walter.

Losgelöst vom reinen Ergebnis wolle man bei den Schwaben „den eingeschlagenen Weg weitergehen, ohne immer zurück zu schauen.“ Was der VfB Stuttgart benötigt, um die spielerische Überlegenheit noch häufiger in Punkte umzumünzen, macht Walter an zwei Begriffen fest: „Wir brauchen insgesamt mehr Stabilität und Konstanz in unseren Leistungen.“ Am Besten schon am Montagabend in Darmstadt, um dem eigenen „Anspruch zu gewinnen“ auch mal wieder in der Fremde gerecht zu werden.