VfB Stuttgart

Wer sind die Hauptakteure in der Daten-Affäre und welche Konsequenzen drohen?

Geschäftsstelle VfB Stuttgart, VfB, Symbolbild
Symbolbild. © Danny Galm

Die Affäre um mutmaßlich an Dritte weitergegebene Daten sorgt beim VfB Stuttgart für ordentlich Wirbel. Leitende VfB-Mitarbeiter sollen laut einem Kicker-Bericht im Vorfeld der Mitgliederversammlung im Sommer 2017 wiederholt Mitglieder-Daten an Dritte weitergegeben haben.

Per Mail sollen unter anderem Telefonnummern, Mailadressen und Infos zur Teilnahme an vergangenen Versammlungen von Mitgliedern weitergeschickt worden sein. Ziel soll gewesen sein, die - bei der Versammlung dann tatsächlich mit klarer Mehrheit beschlossene - Ausgliederung der Profiabteilung der Schwaben voranzutreiben. Wer sind die Hauptakteure in der Daten-Affäre und welche Konsequenzen drohen?

PR-Berater Andreas Schlittenhardt

Der PR-Unternehmer arbeitete rund drei Jahre für den VfB und gehörte in dieser Zeit zum engsten Beraterkreis des damaligen Präsidenten Wolfgang Dietrich. Laut dem Kicker-Bericht schloss der damalige VfB-Präsident Bernd Wahler im Frühjahr 2016 eine Kooperationsvereinbarung mit Schlittenhardts PR-Agentur, die sich eigentlich auf Lebensmittelkonzerne spezialisiert hatte. Wahler wollte das Ausgliederungs-Projekt vorantreiben und so wurde Schlittenhardt schließlich unter Wahlers Nachfolger Wolfgang Dietrich zum Kopf hinter der „Ja-zum-Erfolg-Kampagne“, die letztlich 2017 in der Ausgliederung der Profiabteilung in eine Aktiengesellschaft mündete.

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Im Zentrum der Daten-Affäre steht die 2015 von Schlittenhardt gegründete Facebook-Seite „Fokus VfB“. Die Fan-Seite – aktuell rund 32.600 Follower (Stand: 29.09./12.15 Uhr) – war ursprünglich eine von VfB-Anhänger Schlittenhardt organisierte Community. Im Zuge der Ausgliederungskampagne sollen über die Fokus-VfB-Seite dann allerdings vom Verein platzierte Inhalte ausgespielt worden sein. Das legt zumindest eine VfB-interne Präsentation aus dem Frühjahr 2016 nahe, die dem Kicker vorliegt. Darin wird eine Kampagne für „Glaubwürdiges Guerilla-Marketing - Fokus VfB“ skizziert. „Die als unabhängig wahrgenommene Plattform sollte subtil die Sichtweise des VfB transportieren“, schlussfolgert das Fachmagazin.

Kommunikationschef Oliver Schraft

Der gebürtige Stuttgarter steht seit rund einem Vierteljahrhundert in Diensten des VfB. Nach einem Studium der Verwaltungswissenschaften an der Universität Konstanz wurde Schraft 1998 Pressesprecher des Vereins und später Direktor für Medien und Kommunikation – einzig unterbrochen von einem kurzen Intermezzo beim VfL Wolfsburg (2012 bis 2014).

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Die Pressekonferenz nach der beschlossenen Ausgliederung. Von links nach rechts: Kommunikationschef Oliver Schraft, Aufsichtsrat Wilfried Porth, Präsident Wolfgang Dietrich und der damalige Aufsichtsratsvorsitzende Martin Schäfer. © Danny Galm


Laut einem Auftritt von Andreas Schlittenhardt im Podcast „VfBSTR“ erkannte Schraft das Potential der „Fokus-VfB-Facebook-Seite“ und skizzierte das geplante Vorgehen in der als „streng vertraulich“ eingestuften Präsentation. Der Kicker zitiert daraus: „(…) werden hier unter den Fans alle Aspekte und Inhalte der Ausgliederung hitzig und kritisch diskutiert. Dies alles im Hintergrund moderiert und gesteuert durch uns. (….) Kurz vor der Mitgliederversammlung wird „Fokus VfB“ eine Wahlempfehlung für die Ausgliederung aussprechen und zur Teilnahme an der Mitgliederversammlung aufrufen.“

Besonders brisant: Im Zuge der Zusammenarbeit mit Schlittenhardts Agentur soll Schraft rund 35.000 E-Mail-Adressen von VfB-Mitgliedern an den PR-Berater weitergeleitet haben. Man habe die Agentur als externen Dienstleister verpflichtet und dieser habe die Daten im Rahmen einer Auftragsverarbeitung erhalten, rechtfertigt der Verein das Vorgehen.

„Ich habe erhebliche Zweifel an einer Rechtsgrundlage für die Übermittlung von Mitglieder- und Forennutzerdaten durch den VfB Stuttgart an Dritte“, meint dazu der Mainzer IT- und Datenschutzexperte Stephan Schmidt.

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Er empfiehlt den Mitgliedern, das Auskunftsrecht aus Artikel 15 der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) zu nutzen, „um zu erfahren, welche Daten, an wen und zu welchem Zweck weitergeben wurden.“

Marketingleiter Uwe Fischer

Fischer ist seit rund fünf Jahren beim VfB Stuttgart tätig und verantwortetet den Bereich Marketing und Kommunikation. Zuvor arbeitete er für den TSV 1860 München, den DFB und den FC Augsburg.

In der Affäre um die Weitergabe der Mitglieder-Daten taucht auch sein Name auf. So soll Fischer im Vorfeld der Mitgliederversammlung 2017 ebenfalls tausende E-Mail-Adressen von VfB-Mitgliedern an Schlittenhardt weitergeleitet haben.

Wie der Kicker weiter berichtet, soll Fischer im Oktober 2018 zudem eine Liste mit dem Namen „VfB Forum“ an Schlittenhardt geschickt haben. Der Inhalt: Klarnamen, Adressen, Geburtsdaten und Kundennummern, die den Nutzern des clubeigenen Forums zugeordnet werden. Brisant ist Fischers Anmerkung: „Wie von OS gewünscht, zur Säuberung.“

Vorstandsvorsitzender Thomas Hitzlsperger

Der VfB-Boss hat sich nach der Kicker-Veröffentlichung schnell via Twitter zu Wort gemeldet und Aufklärung versprochen. Man nehme das Thema „sehr ernst“ und werde inhaltlich Stellung beziehen, sobald „uns entsprechende Informationen zur Verfügung stehen.“ 

Die Aufklärung der Daten-Affäre soll einzig im Interesse des Vereins geschehen. Auf vergangene Verdienste könne keine Rücksicht genommen werden – so auch nicht auf Oliver Schraft. Den Mann, der seit Ende der 90er-Jahre für den VfB tätig ist und auf dessen Initiative nach dem Abstieg 2016 der heutige Vorstandschef Thomas Hitzlsperger zunächst als externen Berater zurückgeholt wurde.

Mögliche Folgen und Konsequenzen für den Verein

Stefan Brink, der Beauftragte für den Datenschutz des Landes Baden-Württemberg, hat bereits ein sogenanntes Auskunftsverfahren eingeleitet und eine Stellungnahme vom Verein eingefordert. Mit zwei- bis vierwöchiger Frist werden die Verantwortlichen des Clubs darin aufgefordert, sich zu den Vorwürfen zu erklären.

Sollte sich herausstellen, dass die Mitglieder-Daten rechtswidrig an Dritte weitergegeben wurden, droht dem Verein eine empfindliche Strafe. Die Weitergabe der Mitglieder-Daten an Schlittenhardt fällt in die Jahre 2016 und 2017. Bis dahin galt das Bundesdatenschutzgesetz (BDSG), das deutlich geringere Sanktionen als die seit Mai 2018 gültige DSGVO vorsieht. Doch die Vorfälle aus dem Oktober 2018 könnten den Verein teuer zu stehen bekommen: Bei Verstößen drohen Bußgelder in Millionenhöhe.

Auch personell könnte die Affäre Folgen haben: Sind Kommunikationschef Schraft und Marketing-Leiter Fischer noch haltbar? Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, wohl kaum. Fest steht bereits jetzt: Abgesehen vom drohenden juristischen Nachspiel hat sich der Verein einen gehörigen Imageschaden eingehandelt – und gegenüber seinen Mitgliedern einiges an Vertrauen verspielt.