VfB Stuttgart

Wie der VfB das Thema Nachhaltigkeit angehen will

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VfB-Vorstandschef Thomas Hitzlsperger. © ZVW/Benjamin Büttner
Stuttgart.

Im Oktober 2019 musste der VfB Stuttgart innerhalb von vier Tagen zweimal beim Hamburger SV antreten. Einmal in der Liga und einmal im DFB-Pokal. Statt für den HSV-Doppelpack ein verlängertes Wochenende in der Hansestadt zu verbringen, entschieden die Schwaben, zwischen den Spielen wieder zurück nach Stuttgart zu fliegen. Von vielen Seiten hagelte es daraufhin Kritik. Vier Flüge in nicht einmal 100 Stunden? Mit nachhaltigem Handeln habe das nichts zu tun.

Der Fußball hat noch großen Nachholbedarf

Für VfB-Vorstandsboss Thomas Hitzlsperger ist klar, dass sich der größte Sportverein in Baden-Württemberg dem Thema Nachhaltigkeit nicht länger verschließen darf. „Wir beschäftigen uns mit dem Thema.“ Bereits auf der Mitgliederversammlung im Dezember hatte der 37-Jährige verkündet, dass sich der Verein um eine entsprechende Zertifizierung durch die Prüfgesellschaft Dekra bemühen wolle. Im tosenden Jubel über den neuen regionalen Bierpartner ging dieser Aspekt seiner Rede allerdings an vielen vorbei.

Profifußballvereine und das Thema Nachhaltigkeit: Geht das überhaupt zusammen? Der ökologische Fußabdruck von Roberto Firmino dürfte in jedem Fall so manchen Klimaschützer verzweifeln lassen. Der frühere Hoffenheimer Bundesliga-Profi, inzwischen beim amtierenden Champions-League-Sieger FC Liverpool unter Vertrag, legte allein im Jahr 2019 rund 100.000 Kilometer mit dem Flugzeug zurück. Nach der Studie eines Klimaforschers der Universität Manchester entspricht allein das einer CO2-Emission von fast 50 Tonnen. Zu dem von reisenden Profis erzeugten CO2-Ausstoß kommen noch der Transport und der Konsum der Fans an einem Spieltag. Fakt ist: Der Fußball hat beim Thema Nachhaltigkeit noch großen Nachholbedarf. Die Vereine in Deutschland begegnen dem Problem nach Meinung vieler Klimaschutz-Experten noch zu halbherzig.

„Nachhaltigkeit heißt nicht in jeder Sekunde die Welt besser machen. Sondern bewusster zu handeln und abzuwägen“, sagt Thomas Hitzlsperger, der seinen Verein vor allem aufgrund seiner herausragenden Stellung in der öffentlichen Debatte in der Verantwortung sieht. „Wir müssen ein Bewusstsein schaffen und haben das Thema auf der Agenda.“ Auch der neue Präsident Claus Vogt erklärte schon vor seiner Wahl im Interview mit unserer Redaktion: „Jeder Konzern hat heutzutage einen eigenen Bereich für Nachhaltigkeit. Beim VfB ist das momentan noch nicht so sehr im Fokus. Das möchte ich gerne ändern.“

Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung

In Deutschland gehen ein paar Vereine bereits mit gutem Beispiel voran. So wurde im September 2019 auf Initiative der Bundesligisten TSG Hoffenheim und Werder Bremen sowie des Zweitligisten VfL Osnabrück das Bündnis „Sports for Future“ auf die Beine gestellt, um sich aktiv in die Klimadebatte einzubringen. Der VfB Stuttgart bemüht sich nun in einem ersten Schritt um ein Dekra-Zertifikat, das 2016 als erstem Verein in Deutschland dem VfL Wolfsburg verliehen wurde. Ebenfalls Teil des Pilotprojekts sind der SV Werder Bremen, Bayer 04 Leverkusen, der FC St. Pauli und der SC Paderborn.

Das Label „Sustainclub“ ist das erste seiner Art für Nachhaltigkeit im Profisport. Der Kriterienkatalog wurde von der Beratungsagentur „Sustainable Sports“ aus der Schweiz gemeinsam mit den Prüf-Experten der Dekra entwickelt und umfasst rund 180 Bewertungsfelder. „Unter die Lupe genommen wird die Nachhaltigkeit dabei aber nicht nur in Sachen Ökologie, sondern auch in Bezug auf die Ökonomie und die soziale Verantwortung“, so Fabian Putzing, der Geschäftsführer von „Sustainable Sports“. Verliehen werden die Zertifikate in Bronze, Silber und Gold. Dem VfL Wolfsburg wurde mit 274 von 344 möglichen Punkten das Label in Gold verliehen. Der VfB erhält sein Ergebnis voraussichtlich Ende März/Anfang April.

Thomas Hitzlsperger ist in jedem Fall gespannt und verspricht: „Auch ich werde meinen Beitrag leisten.“ Wie der zum Beispiel aussehen könnte, zeigte der CEO der Schwaben bereits auf Twitter: