VfB Stuttgart

Wie VfB-Legende Klinsmann die Hertha retten will

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Jürgen Klinsmann
Soll Hertha BSC wieder aufbauen: Jürgen Klinsmann übernimmt bis Saisonende das Traineramt beim angeschlagenen Bundesligisten. Foto: Britta Pedersen/dpa © dpa
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Neuer Stab
Herthas neuer Trainer-Stab: Co-Trainer Alexander Nouri (l-r), Co-Trainer Markus Feldhoff, Trainer Jürgen Klinsmann und Athletiktrainer Henrik Kuchno. Foto: Andreas Gora/dpa © Andreas Gora
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Im Fokus
Jürgen Klinsmann (r) ist zurück in der Bundesliga. Der ehemalige Stürmerstar und Bundestrainer übernimmt bis Saisonende das Traineramt beim angeschlagenen Fußball-Bundesligisten Hertha BSC. Foto: Andreas Gora/dpa © Andreas Gora
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Presskonferenz
Jürgen Klinsmann (l) wird von Hertha-Manager Michael Preetz bei einer Pressekonferenz als Trainer präsentiert. Foto: Britta Pedersen/dpa © Britta Pedersen
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Training
Erstes Training nach dem Trainerwechsel: Jürgen Klinsmann steht mit Torwartcoach Andreas Köpke (r) im Regen auf dem Spielfeld. Foto: Andreas Gora/dpa © Andreas Gora

Berlin. Der Fußball-Erneuerer und -Experte Jürgen Klinsmann ist zurück in der Bundesliga. Der Job als Retter bei Hertha BSC ist neu für den ehemaligen Stürmer des VfB Stuttgart. Fest steht bereits: Die alte Dame Hertha wird mit Klinsmanns Engagement runderneuert. Und auch der DFB hilft mit.

Eine lange Ansprache auf dem Trainingsplatz gab es nicht, Buddha-Figuren waren im Berliner Regen nicht zu sehen: Jürgen Klinsmann bat die verunsicherten Profis von Hertha BSC sofort zur Maloche. "Selbst wenn alles über Nacht passiert, bin ich vorbereitet. Mein Stab war auf Abruf", erklärte der neue Cheftrainer des kriselnden Berliner Fußball-Bundesligisten am Mittwoch bei seiner Vorstellung in der Hauptstadt. "Das Allerwichtigste ist, so schnell wie möglich nach oben zu klettern", definierte der ehemalige Weltmeister und Bundestrainer das übergeordnete Ziel.

Klinsmann sieht sich trotz seines Blitzengagements sofort bereit für seine neue Aufgabe. 200 Fans waren nach der Nachricht über seine Verpflichtung ins Amateurstadion geeilt. Hertha ist in der Bundesliga-Tabelle mit nur elf Punkten auf Platz 15 und damit nah an die gefürchtete Abstiegszone herangerückt. Der neue Hoffnungsträger outete sich zunächst noch einmal als Fan seines glücklosen Vorgängers Ante Covic: "Mein Sohn Jonathan hat unter ihm in der U23 viele Spiele gemacht." Jetzt habe es im ersten Anlauf als Bundesliga-Coach nicht geklappt, aber Klinsmann sieht durchaus eine Zukunft für den 44-Jährigen im Oberhaus.

"Es wird kein leichter Weg, aber das wäre ja auch langweilig"

Drei Tage nach der blamablen 0:4-Niederlage beim FC Augsburg beendete Hertha-Manager Michael Preetz das gescheiterte Experiment mit Covic. "Es ist keine einfache Aufgabe. Aber wenn ich so was übernehme, mache ich das nicht halb, sondern hundertprozentig", betonte Nachfolger Klinsmann, der schon am Mittwochnachmittag die erste Trainingseinheit leitete, die Übungsgestaltung aber seinen Co-Trainern überließ: "Es wird kein leichter Weg, aber das wäre ja auch langweilig."

Für den 55 Jahre alten Klinsmann ist Berlin seine zweite Trainerstation in der Bundesliga. Als Cheftrainer des FC Bayern München 2008/09 war er schon vor Ablauf der Saison gescheitert. Dennoch sagte der gebürtige Göppinger jetzt: "Ich bin sehr dankbar für das eine Jahr beim FC Bayern, weil ich unglaublich viel gelernt habe." Mit den damals für viel Diskussionen sorgenden Buddha-Statuen auf dem Bayern-Vereinsgelände habe er "nie etwas zu tun gehabt", betonte Klinsmann und fügte scherzhaft an: "Ich habe in meinem Koffer, der nicht so groß ist, keine Mitbringsel dabei, die ich installieren möchte."

Nach vielen «Anrufen hin und her und einem Anruf zu Hause, ob es in Ordnung wäre», sagte Klinsmann Hertha als Nottrainer zu. Frau Debbie gab ihr Okay. In seiner Rolle als Aufsichtsratsmitglied und Vertrauter des neuen Hertha-Investors Lars Windhorst, der mit 224 Millionen Euro 49,9 Prozent der Anteile der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA übernommen hatte, stand Klinsmann in den vergangenen Wochen schon im intensiven Austausch mit Michael Preetz. "Es brauchte noch einen kleinen Anschubser", dass Klinsmann nun in der Trainer-Rolle Hertha helfen will, berichtete der Manager.

Bei seinen zahlreichen Besuchen bei Hertha in den vergangenen Monaten - sein Sohn Jonathan stand als Torwart zwei Jahre bei Hertha unter Vertrag - habe er bei den Leuten immer wieder gespürt: "Berlin wartet auf etwas Großes, hat das Potenzial." Aber irgendwie komme es nicht so richtig voran. "Lars Windhorst hat da einen riesigen Schubser gegeben", bemerkte Klinsmann. Manager Preetz muss sich auf eine Zeitenwende und auch auf neuen Druck für seine Arbeit einstellen - auch wenn er sagte: "Nein, es ist keine Machtübernahme. Es ist ein Miteinander."

Bundestrainer Joachim Löw hat mit Überraschung auf die neue Rolle seines früheren Chefs reagiert. "Das ist eine Nachricht, die auch ich nicht unbedingt erwartet hatte", sagte Löw: "Mich freut, dass ein solcher Hochkaräter zurück in die Bundesliga kehrt und sein Wissen damit auch wieder im deutschen Fußball einbringt."

"Haudegen" und Weggefährten: Klinsmanns neuer Hertha-Stab

Eine Übersicht der Klinsmann-Gefolgsleute, ihre Verbindung zu dem 55-Jährigen - und ihre Aufgaben bei Hertha.

Co-Trainer Alexander Nouri: Genau ein Jahr und einen Tag vor dem Engagement bei den Berlinern wurde Nouri als Chefcoach beim damaligen Zweitligisten FC Ingolstadt freigestellt. Zuvor hatte der Ex-Trainer von Werder Bremen eine fußballerische Bildungsreise an die Westküste der USA übernommen, bei mehreren MLS-Clubs hospitiert. Dabei traf der heute 40-Jährige auch auf den Wahl-Kalifornier Klinsmann und beeindruckte diesen. "Was mich an ihm begeistert, ist seine Energie, die Art und Weise seiner Kommunikation", berichtete Klinsmann über den "sehr wissbegierigen" Trainer. Nouri ist nun in einer ähnlichen Rolle wie Joachim Löw bei der Heim-WM 2006.

Co-Trainer Markus Feldhoff: Im Oktober 2016 kam der frühere Bundesligastürmer als Co-Trainer von Nouri nach Bremen - und musste wie sein Chef ein Jahr später gehen. Auch in Ingolstadt arbeitete das Duo zusammen. Ihnen kommt nun der Hauptteil der Vorbereitung der Trainingseinheiten zu. Er wolle sich zwar einmischen, habe es aber gerne, wenn die Assistenten auf dem Platz das "laute Wort" hätten, sagte Klinsmann zu seinem Rollenverständnis.

Torwart-Trainer Andreas Köpke: Um diesen Weggefährten an seiner Seite zu haben, holte sich Klinsmann die Erlaubnis bei Joachim Löw und Oliver Bierhoff. Bis Jahresende betreut Bundestorwarttrainer Köpke die Keeper von Hertha - danach kehrt der 57-Jährige zum DFB zurück. "Ich finde es großartig, dass Andy einspringt, das zeugt von seinem Charakter", sagte Nationalmannschaftsdirektor Bierhoff. Köpke kam 2004 als Nachfolger von Sepp Maier zum deutschen Team und hat diesen Posten nun schon seit 15 Jahren inne. Der bisherige Hertha-Torwarttrainer Zsolt Petry soll ebenso wie Assistenzcoach Harald Gämperle bei den Berlinern bleiben - ihre Funktion wird nach Club-Angaben aber erst "in den kommenden Tagen" festgelegt.

Fitness-Trainer Werner Leuthard: Als "Haudegen mit jahrzehntelanger Erfahrung" stellte Klinsmann den 57-Jährigen vor. Vor allem als Athletik- und Konditionstrainer im Team von Felix Magath wurde Leuthard unter anderem beim FC Bayern und FC Schalke bekannt. Der frühere Oberleutnant der Bundeswehr betreute früher auch lange Jahre das deutsche Fed-Cup-Team um Tennisstar Steffi Graf. Im Trainingslager im Sommer 2018 arbeitete Leuthard kurz schon für Berlins Stadtrivalen 1. FC Union.

Performance Manager Arne Friedrich: Als Stammspieler war der damalige Innenverteidiger wichtiger Pfeiler von Bundestrainer Klinsmann bei der Heim-WM 2006. In der Hauptstadt war der frühere Hertha-Kapitän auch in den vergangenen Jahren noch auf öffentlichen Terminen stets präsent, auch wenn der 40-Jährige nach seiner Zeit als Co-Trainer der deutschen U18-Junioren kein offizielles Amt mehr innehatte. "Ganz eng an der Mannschaft" solle Friedrich nun als "Bindeglied" zu Manager Preetz und der weiteren Geschäftsführung agieren, berichtete Klinsmann und sieht Friedrich auch als "Karriereplaner für die Spieler".