VfB Stuttgart

Wiedersehen mit Ex-Sportdirektor Michael Reschke: Raus aus dem Rampenlicht, aber nicht aus der Krise

Kopie von Michael Reschke_0
Beim Auswärtsspiel auf Schalke trifft der VfB Stuttgart seinen ehemaligen Sportvorstand Michael Reschke wieder. © Benjamin Büttner

Michael Reschke ist wieder dort, wo er sich am wohlsten fühlt. Aber nur, was seine persönliche Rolle angeht. Ganz und gar nicht trifft das auf die Situation des FC Schalke 04 vor dem Wiedersehen mit seinem Ex-Club VfB Stuttgart an diesem Freitag (20.30 Uhr/ZVW-Liveticker) zu. Mit den Königsblauen, bei denen er im Juni 2019 als Technischer Direktor und somit wieder in der zweiten Reihe anheuerte, ist der 63-Jährige in der Fußball-Bundesliga fast ganz unten angekommen.

Malochen statt quatschen

Nur einen Punkt gab es in den ersten fünf Saisonspielen, dafür aber 19 Gegentore. Vor der Auftaktpartie des 6. Spieltags liegt der Revierclub auf dem vorletzten Tabellenplatz. Seit 21 Partien hoffen die Schalker saisonübergreifend nun schon auf einen Sieg. Und jetzt kommt auch noch der formstarke VfB, bei dem Reschke einst den Sprung ins Rampenlicht wagte, dabei aber einen gewaltigen Karriereknick erlebte.

«Ruhe im Schacht», befahl sich Reschke bei seiner Vorstellung auf Schalke vor knapp eineinhalb Jahren quasi selbst. «Malochen statt quatschen» wolle er wieder. So wie er es früher schon tat. Als er noch als Kaderplaner bei Bayer Leverkusen und dem FC Bayern München und als solcher komplett im Hintergrund tätig war.

Als er in der Branche einen exzellenten Ruf genoss, für sein umfassendes Netzwerk und aufgrund seines feinen Gespürs für Talente als «Perlentaucher» gefeiert wurde. Als Schattenmann leistete Reschke jahrelang erfolgreiche Arbeit. Doch mit seinem Wechsel nach Stuttgart im August 2017 hat ihn das Glück offenbar verlassen.

Auch medial traf Reschke in Stuttgart nicht immer den richtigen Ton

Auf für ihn ungewohntem Terrain als Sportvorstand traf Reschke medial nicht immer den richtigen Ton und in so mancher Personalfrage die falsche Entscheidung. Besonders die Entlassung von Aufstiegstrainer Hannes Wolf im Januar 2018 wurde ihm von vielen VfB-Fans übel genommen.

Auch die Art und Weise, mit der er keine neun Monate später in Tayfun Korkut den nächsten Coach vor die Tür setzte, handelte ihm Kritik ein. Für die Transfers der in die Jahre gekommenen Ex-Nationalspieler Andreas Beck und Dennis Aogo musste sich Reschke regelmäßig rechtfertigen.

Der inzwischen zum zweiten Mal nach Spanien verliehene Verteidiger Pablo Maffeo erwies sich als zehn Millionen Euro teurer Fehlgriff. Es kam viel zusammen - und für Reschke selbst noch vor dem Abstieg im Februar 2019 beim VfB das Aus.

Wieder raus aus dem Rampenlicht

Inzwischen ist Sven Mislintat als Sportdirektor in Stuttgart für die Kaderplanung zuständig. «Ich kenne Michael ja schon länger. Früher waren wir beide ja sozusagen die Schattenmänner, er in Leverkusen, ich in Dortmund. Da trifft man sich auch auf Reisen und trinkt einen Wein zusammen», sagte Mislintat kürzlich. «Auch jetzt habe ich mit Michael immer mal wieder Kontakt, das hat aber auch mit Transfers zu tun, wie zum Beispiel dem von Ozan Kabak.»

Das türkische Abwehr-Juwel lotste Reschke erst zum VfB und von dort aus dann weiter zu Schalke. Dort sind die Vorstände Jochen Schneider und Alexander Jobst die Frontmänner - und Reschke ist wieder raus aus dem Rampenlicht. Aber - sicher auch aufgrund der finanziellen Schieflage des Clubs - nicht aus der Krise.

Schalker Uth vor Rückkehr in die Startelf

  • Der FC Schalke 04 kann am Freitag im Heimspiel gegen den VfB Stuttgart wieder mit Mark Uth planen. Der 29 Jahre alte Offensivspieler hat seine muskulären Probleme überwunden. Gleichwohl wollte Schalkes Trainer Manuel Baum am Donnerstag noch nicht verraten, ob Uth gegen den VfB in der Startelf steht.
  • «Mark spielt eine zentrale Rolle bei uns. Er ist einer der kreativsten Spieler und in der Lage, selbst ein Tor zu machen», sagte Baum. «Von daher wäre es extrem wichtig, dass er am Freitag spielt. Warten wir es ab.»
  • Der 41 Jahre alte Fußball-Lehrer weiß um die Bedeutung eines Erfolgs gegen den schwäbischen Aufsteiger nach saisonübergreifend 21 Bundesliga-Partien ohne Sieg. «Jedem ist bewusst, dass es ein herausragend wichtiges Spiel für uns ist. Wir werden alles in die Waagschale werfen, damit wir gewinnen», betonte Baum.