Letzter Betriebstag

Abschied von TXL - Tausende Menschen kommen zum Abschied

Flughafen Tegel
Blick auf den Flughafen Tegel. Foto: Tino Schöning/dpa © Tino Schöning

Berlin (dpa) - Am Berliner Flughafen Tegel sind am Samstag die letzten regulären Passagierflugzeuge gestartet und gelandet. Der Regelbetrieb an dem 60 Jahre alten Standort ist damit eingestellt. Am Abend hob ein Airbus A350 als letzter Flug der Lufthansa mit rund 280 Passagieren an Bord in Richtung München ab. Später waren noch zwei Überführungsflüge zum neuen Hauptstadtflughafen BER angesetzt. Der Umzug aller Fluggesellschaften zum neu eröffneten Standort in Schönefeld ist damit abgeschlossen. Für Tegel bedeutet dies das Aus.

Hunderte von Menschen waren bereits am Samstagvormittag dorthin gekommen, um sich noch einmal zwischen Tower und Terminal A umzusehen. Am Nachmittag waren es noch einmal deutlich mehr Besucher. Und auch am Abend waren viele gekommen, um Abschied zu nehmen. Der Andrang sei vor allem auf der Besucherterrasse groß gewesen, sagte Daniel Tolksdorf, Sprecher der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB). Insgesamt ging er von Tausenden Besuchern am letzten Tag aus.

Von der Besucherplattform aus waren am Samstag noch etliche Starts und Landungen zu sehen - insgesamt standen für den letzten Regelbetriebstag 70 Flugbewegungen an. Ein gutes Dutzend Maschinen sollte beim Abflug mit Wasserfontänen verabschiedet werden. Starts und Landungen waren aber auch aus dem Terminal A heraus zu beobachten.

Etliche Familien seien vorbeigekommen und auch auffällig viele Besucher, die mit der Kamera und nicht mit dem Smartphone fotografieren wollten, sagte Tolksdorf. Vielen sei es weniger um Selfies gegangen als darum, Erinnerungen an den Flughafen mit dem in Berlin seit Jahrzehnten vertrauten Kürzel TXL festzuhalten.

Am zuletzt für jährlich rund 10 Millionen Passagiere ausgelegten Flughafen Tegel waren im vergangenen Jahr mehr als 24 Millionen Fluggäste gestartet und gelandet. Über den bis vor kurzem völlig überlasteten Standort wurde seit Jahren ein Großteil des Flugverkehrs in der Hauptstadt abgewickelt. Die Fluggesellschaft Easyjet als bis dahin größter Anbieter in Berlin, betrieb in Tegel den größten Standort außerhalb des Heimatlandes England. Auch viele Inlandsflüge starteten und landeten dort.

Die Corona-Krise hatte den Flugverkehr im Frühjahr allerdings nahezu zum Erliegen gebracht und auch aktuell fliegen im Vergleich zu normalen Zeiten nur rund ein Drittel der Maschinen.

Das Aus für den Flughafen blieb indes auch am Wochenende seiner Schließung umstritten. Der Berliner FDP-Vorsitzende Sebastian Czaja nannte sie «ein Denkmal demokratischer Ignoranz». Seine Partei hatte zusammen mit dem Verein Pro Tegel 2015 eine Initiative gestartet, um Tegel offen zu halten. Bei einem für den Senat nicht bindenden Volksentscheid gab es 2017 für das Anliegen fast eine Million Stimmen und damit eine knappe Mehrheit.

«Tegel ist und bleibt nicht nur ein Stück Berlin, sondern war auch immer die Cashcow der Flughafengesellschaft FBB», teilte der FDP-Politiker am Samstag mit. «Der Berliner Senat muss nun erklären, wie er die FBB vor einer möglichen Insolvenz retten will.»

Das Bündnis «Tegel schliessen. Zukunft öffnen» sieht das anders: «Wir freuen uns - endlich himmlische Ruhe. Kein Aufschrecken aus dem Schlaf um 6.00 Uhr morgens, keine dauernde Unterbrechung von Gesprächen draußen im Park», teilte es am Samstag mit. «Und keine Flieger werden den Genuss beim Glas Wein auf dem Balkon am Abend mehr stören.»

Doch ganz Schluss ist noch nicht. Am Sonntagnachmittag hebt noch einmal eine Maschine der französischen Fluggesellschaft Air France mit Ziel Paris ab. Den ersten Linienflug nach Tegel absolvierte ebenfalls eine Air-France-Maschine. Sie landete am 2. Januar 1960.

Am Abend wird das Licht ausgeschaltet, wie die Flughafengesellschaft am Samstag mitteilte - und zwar um 19.45 Uhr. Das übernimmt Katy Krüger, Leiterin Terminalmanagement bei der FBB. «Mit dem symbolischen «Licht aus» enden dann mehr als sieben Jahrzehnte Luftfahrtgeschichte in Tegel», hieß es von der FBB.

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