Agrarwirtschaft

Anbau von Sonnenblumen mehr als verdoppelt

Anbau von Sonnenblumen
Sonnenblumen in Ostbrandenburg: Die Landwirte in Deutschland haben dieses Jahr deutlich mehr Sonnenblumen angebaut als zuvor. Hintergrund ist der drohende Ausfall von Importen aus der Ukraine. © Patrick Pleul

Wiesbaden (dpa) - Landwirte in Deutschland haben im laufenden Jahr deutlich mehr Sonnenblumen angebaut und auf fehlende Importe angesichts des Ukraine-Krieges reagiert. Die Fläche hat sich mehr als verdoppelt. Wichtigster Lieferant für Sonnenblumenöl ist die Ukraine. Die Einfuhren aus dem osteuropäischen Land brachen jedoch ein.

Der Bauernverband rechnet auch 2023 mit einem Plus beim Sonnenblumen-Anbau in Deutschland, jedoch nicht in nennenswerter Größenordnung. Besonders viele der gelb leuchtenden Blumenfelder stehen in Brandenburg. Den Bedarf an Sonnenblumenöl kann Deutschland nur zu einem kleinen Teil aus der heimischen Produktion decken, wenngleich der Selbstversorgungsgrad im vergangenen Jahr stieg.

Anbaufläche verdoppelt

Die deutsche Anbaufläche für Sonnenblumen wurde in diesem Jahr mehr als verdoppelt auf 85.300 Hektar, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Aufstellung des Statistischen Bundesamtes hervorgeht. Das bedeutete bei einem Vorjahreswert von 38.300 Hektar nach vorläufigen Ergebnissen einen Zuwachs um 122 Prozent. Bereits in den Jahren zuvor ist die Fläche für Sonnenblumen deutlich ausgeweitet worden. Im EU-Vergleich ist Deutschland mit einem Anteil von 0,5 Prozent allerdings ein kleiner Produzent. Führend sind Rumänien, Bulgarien, Spanien und Frankreich.

Der Sonnenblumen-Anbau werde eine Nische bleiben im Vergleich zu anderen Ackerkulturen, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. Eine geeignete Kultur seien Sonnenblumen für trockene und weniger ertragsstarke Böden. In Brandenburg, wo solche Böden vorherrschen, hat sich der Anbau von 16 600 Hektar auf 29 600 Hektar in diesem Jahr stark vergrößert. Jede zweite Sonnenblume in Deutschland kommt aus dem Bundesland.

Landwirte setzen dabei auf gute Preise, die sie erzielen können. Im vergangenen Jahr habe er 250 Euro je Tonne bekommen, dieses Jahr rechne er mit mehr als 500 Euro je Tonne, sagte der Geschäftsführende Gesellschafter der Landfarm Hohenstein, Stefan Teepker, im brandenburgischen Strausberg, rund 40 Kilometer von Berlin entfernt.

«Kein Selbstläufer»

Doch wie gut sind die Aussichten für deutsche Sonnenblumen-Bauern? Der Generalsekretär des Bauernverbandes, Krüsken, sagte: «Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Das kann sich schnell ändern.» Ob sich der Sonnenblumenanbau auch im kommenden Jahr lohne, hänge von der Witterung und der Situation in der Ukraine ab. Zudem seien auch bei Sonnenblumen in einigen Regionen Deutschlands in diesem Sommer massive Schäden durch die Trockenheit zu beobachten.

In Brandenburg kommen die Sonnenblumen laut Betriebsleiter Teepker gut mit Hitze und Trockenheit zurecht. Mais sei dagegen in diesem Jahr abgestorben, sagte er. Ende September steht bei der Landfarm Hohenstein die Sonnenblumen-Ernte auf 120 Hektar Fläche an, vor drei Jahren waren es 15 Hektar. Im kommenden Jahr wolle er die Fläche nicht noch einmal vergrößern. «Das ist kein Selbstläufer», meinte Teepker. Auch ein Sprecher des Verbands der Ölsaaten-verarbeitenden Industrie (Ovid) in Berlin sagte: «Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass sich das weiter rechnet.»

Nach vorläufigen Zahlen des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft konnte Deutschland im Jahr 2021 seinen Bedarf an Rapsöl zu 43 Prozent (2020: 39 Prozent) und bei Sonnenblumenöl zu acht Prozent (2020: fünf Prozent) aus heimischer Produktion decken. Die Einfuhr von Sonnenblumenöl lag demnach bei rund 0,47 Millionen Tonnen (Angaben in Rohöl). Die wichtigsten Lieferländer waren im vergangenen Jahr - vor dem Angriff Russlands auf die Ukraine - die Niederlande (35 Prozent), Ungarn (29 Prozent) und die Ukraine (19 Prozent). Es sei jedoch anzunehmen, dass über den Hafen in Rotterdam eine erhebliche Menge aus Drittstaaten wie beispielsweise der Ukraine nach Deutschland weiterverschifft worden sei.